Donnerstag, 28. Juli 2022

»Die Massen werden aufwachen …«

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»Die Massen werden aufwachen …«

»Die Massen werden aufwachen, und dann …« Sinngemäß lese ich das inzwischen auf vielen alternativen Medienseiten. Nun gut, Zweckoptimismus ist gerade jetzt vielleicht besser als Pessimismus. Aber auch besser als Realismus? Wie ich darauf komme? Nun, wenn ich im Alltag sehe, was sich so um mich herum abspielt, wie die weitaus meisten »drauf« sind, dann bleibt mir nur ein Kommentar zu solchen Sätzen: Dass sie »aufwachen« und sich vor Allem dann gegen das Abservieren ihrer Leben wehren ist leider sehr, sehr unwahrscheinlich, zumal »Corona« für die überwältigende Mehrheit inzwischen quasireligiöse Züge bekommen hat: Es ist ihre ritualisierte Rückverbindung zu einem kollektiven »Wir«-Gefühl geworden, ihre re-ligio zu einem Gefühl von Sinn und Zugehörigkeit, das im Gruppenbewusstsein fokussiert ist. Das werden sie kaum ohne Weiteres freiwillig wieder aufgeben. Spinnert? Nun, immerhin sieht das Mattias Desmet in seinem Buch über die Psychologie des Totalitarismus sehr ähnlich.

Vielleicht müsste ich hier aber erst noch mal präzisieren, was ich überhaupt unter »Aufwachen« verstehe, sonst reden wir womöglich aneinander vorbei. Aus meiner Sicht, wegen der es diese Seite überhaupt gibt, ist unser kollektives Problem unser allgemeiner Bewusstseinszustand. Wir haben uns inzwischen mit Haut und Haaren der »linkshirnischen« Weltsicht verschrieben – Erich Fromm, wäre er noch unter uns, würde es mit dem endgültigen, weltweiten Sieg des »Haben-Modus« beschreiben. Es ist dies eine detailversessene, machtgetriebene Sicht auf die Welt – auf die Welt als einer riesigen Maschine, die letztlich dank der Genialität des menschlichen Geistes völlig beherrschbar geworden ist: Wenn man nur genug Manipulationsmöglichkeiten (und Rechenleistung) hat, ist aus dieser Sicht sprichwörtlich alles möglich – der Mensch ist damit an der Stelle Gottes getreten. Nicht nur Leute wie Herr Harari sehen folgerichtig in (biologischen) Menschen inzwischen nichts mehr weiter als »hackable Animals« (»›hackbare‹ Tiere«), und erst die völlige Verschmelzung von Mensch und Maschine (»Transhumanismus«) hätte demnach eine Chance, daran etwas zu ändern. Doch für wen? Und wieso überhaupt?

Diese grundsätzliche Haltung ist inzwischen praktisch ein weltweiter Konsens geworden, der, technisch moderiert (»Das Medium ist die Message!«), fast Alle unter etwa 45 erfasst hat. Der weiter andauernde Siegeszug der Technologie zusammen mit all seinen dauernd neu erscheinenden Gadgets und den Sozialen Medien hat es möglich gemacht. Dieser »Rausch der Möglichkeiten«, wie ich das nenne, verspricht (zumindest implizit) die Abschaffung von Krankheit, Alter und Tod noch zu Lebzeiten dieser jüngeren Mehrheit. Und auch, sich womöglich bald wirklich mit dem Handy »wegbeamen« zu können wie beim Raumschiff Enterprise. Der schon fanatische Optimismus und blinde Glaube an die Technik als »die Zukunft« fegt alle »kleinlichen« Bedenken hinweg.

»Sich wegbeamen« … Nun, im übertragenen Sinne geht das ja schon. Alles, wirklich Alles dreht sich um diese kleinen mobilen Geräte, die »digitalen Naben« (»Digital Hubs« – Steve Jobs), mit denen Viele wohl sprichwörtlich auch ins Bett gehen. Und ich sehe kaum jemanden unter etwa Mitte vierzig ohne Gedudel in oder auf den Ohren. Dazu Sonnenbrille auf. Und wohl bald auch wieder Gesichtsmaske. Damit ist man, frau regelrecht »weg«, ja komplett entrückt. Die schnöde »Realität« braucht einen nicht zu kratzen. In Kontakt steht man mit seiner Peer-Group online über Social Media; es gibt nicht den geringsten Grund, sich mit dem auseinanderzusetzen, was direkt um einen herum passiert. Vor Allem dann nicht, wenn man es als seiner Aufmerksamkeit nicht wert erachtet.

Kommen wir wieder zum Anfangsgedanken zurück. »Die Leute werden aufwachen …!« Werden sie? Ich habe da doch große Zweifel. Denn die Wissenden wissen eben, dass sie alles im Griff haben. Und nur Loser wie ich, die noch nicht gerafft haben, wo es hingeht, die sind noch im Weg. Wenn erst alles so läuft wie die weitaus meisten Jüngeren das für richtig halten – die Grünen sind da die Vorreiter, aber eben nur die Spitze der Entwicklung –, dann geht es hin zu einer volldigitalen Welt, in der der Einzelne die volle Kontrolle über Alles hat, über jedes noch so kleine Detail seines oder ihres Lebens – ohne dabei jedoch auch nur ansatzweise zu begreifen, dass genau diese Kontrolle auch »von oben« über ihn ausgeübt wird, und zwar noch viel, viel detaillierter und subtiler als er sich das auch nur vorzustellen vermag. Wenn das je eine nennenswerte Zahl von Menschen überhaupt begreifen wird, dann wird es höchstwahrscheinlich zu spät sein, etwas dagegen zu unternehmen. Die VR China ist hier ein Blick in unsere nahe Zukunft.

Denn dieses rauschhafte Gefühl von Kontrolle über Alles wischt jegliche Zweifel weg, ja lässt sie nicht mal aufkommen, zumal ja auch die zweifelnden Stimmen »außen« in gleichem Maße zum Schweigen gebracht werden. Die überwältigende Mehrheit ist zumindest implizit dabei, ja wartet bereits beinahe ungeduldig, dass es »weitergeht«. Und leider muss ich zunehmend feststellen, dass selbst bei den »Zweiflern« sehr viele mit dem gleichen Weltbild, der gleichen Sicht auf sich und das Leben »unterwegs« sind. Sie sind, salopp ausgedrückt, genauso »cool« wie die begeisterte, mitmachende Mehrheit, jedoch mit bestimmten Aspekten eben nicht einverstanden. Doch genau diese Haltung, dieses Bewusstsein ist es, das sie, sollten sie wider Erwarten doch Erfolg haben, dann nach einer Weile das Gleiche mit veränderter »Optik« hervorbringen lässt: »Der König ist tot – es lebe der König!« Der neue König hat dann Kleider in einer anderen Farbe als der alte, doch es ist wieder ein neuer König.

Nun, es gibt seltene Fälle, wo Menschen ihr Leben, ihr in der Welt Sein völlig ändern – vor Allem hin zu mehr Offenheit und Liebe, doch damit kommt eben auch Verletzlichkeit und ein Verlust der »Großartigkeit«. Dies kommt vor, doch in der Regel ist dazu ein heftiger Auslöser (oder Einschnitt) wie eine Krise nötig – etwa in Form einer Trennung, eines Zusammenbruchs oder einer Nahtoderfahrung. Dabei gibt es natürlich keinen Automatismus, doch eben eine Möglichkeit. In der heutigen Zeit aber, wo alle von Sicherheit besessen sind und alles dreifach abgesichert sein muss, bevor jemand überhaupt daran denkt, sich auf irgendwas »Unsicheres« einzulassen, da glaubt man sich auch vor solchen Erschütterungen weitgehend sicher. Nun, bislang zumindest.

Deshalb: Wer aufwachen muss, sind Leute wie ich. Leute, die noch an so hoffnungslos überholte Sachen glauben wie echtes menschliches Miteinander und Vertrauen. Nein – das meint etwas Anderes als das, was seit über zwei Jahren als »Solidarität« und »Schutz vulnerabler Gruppen« vermarktet wird und zum Beispiel viele dazu gebracht hat, alle noch so irren »Maßnahmen« ohne Fragen mitzumachen und sich schließlich sogar diese ungetestete gentechnische Plörre in den Körper jagen zu lassen, die die weltweite Public-Private-Mafia inzwischen Milliarden Menschen hat verabreichen lassen. Und die nächste »Runde« mit fast identischem Drehbuch ist ja bereits in Vorbereitung – Stickwort »Affenpocken«, die der Chef der WHO vor Kurzem entgegen dem deutlichem Mehrheitsbeschluss seiner Experten (9 Nein- gegen 6 Ja-Stimmen) eigenmächtig zur »neuen gefährlichen Weltpandemie« erklärt hat. Wer jetzt immer noch ernsthaft bezweifelt, dass die WHO (und auch die UN) inzwischen zu gefährlichen Werkzeugen mächtiger Interessengruppen geworden sind, dem ist nicht mehr zu helfen.

Doch es bleibt schlicht und einfach dabei: Wer aufwachen muss sind Leute wie ich, also solche lebenden Anachronismen. Die überwältigende Mehrheit wird mehr oder weniger begeistert die nächsten Schritte mitgehen, solange sie sich dabei ermächtigt fühlt und solange es Leute gibt, auf die sie herunterschauen kann, weil »die es einfach nicht drauf haben« und überhaupt eben Arschlöcher sind. Nein, dazu braucht man heute keine Argumente mehr, geschweige denn eine Diskussion – man weiß es einfach, fertig, Klappe zu: Mit Nazis, Antisemiten, Rassisten, Transphobikern, … , … ist eine Diskussion weder möglich noch nötig.

Doch wo gehe ich hin, wenn bei mir der Groschen gefallen ist? Wenn klar ist, dass im kommenden Herbst/Winter bereits absehbar wieder fast alle »auf der richtigen Seite« dabei sind? Wenn schon jetzt von offizieller Seite aus laufend zu lesen und zu hören ist, nur Nazis, Corona-Leugner, Verschwörungstheoretiker, … , … würden im kommenden Herbst auf die Straße gehen, wenn die Preise explodieren, die Wohnungen kalt bleiben und eine warme Dusche womöglich für die meisten zum Luxus wird? Und höchstwahrscheinlich die Masken wiederkommen werden und die »G«-Regelungen und die »Impfungen« und all das …?

Nein, ich muss endlich aufwachen. Es wird Zeit. Viel davon bleibt nicht mehr. Nur zu dumm, dass mir mit jedem Tag klarer wird, wie sehr ich inzwischen praktisch völlig auf mich allein gestellt bin. Es ist beinahe so, als würde ich zehn Meter gegen den Wind stinken – und fast alle sind, verständlicherweise, auf Abstand gegangen. Vielleicht ist das ja meine eigene Schuld. Doch bis ich das wirklich begriffen habe, sollte ich vielleicht erst mal meinen Arsch retten.

Nachtrag am 5.8.22 – Eben habe ich zwei (längere) Beiträge beim (bzw. über den) »Off-Guardian« gelesen, die gut als Ergänzung hierher passen. Der erste, ganz aktuelle beschreibt, wie die Autorin Addison Reeves die Situation in New York erlebt hat und dass sie inzwischen regelrecht von dort geflüchtet ist. Wohin, verrät sie nicht – wohl aus gutem Grund. Es ist auf jeden Fall weg aus der Stadt, die sie als ein Irrenhaus empfindet. Ihre Schilderungen decken sich weitgehend mit den Eindrücken und Gefühlen, das ich hier in Berlin habe – sehr interessant! Auch ich nehme die soziale Situation hier sehr ähnlich wahr wie sie. Die weitaus meisten »finden aber nichts dabei«, ja sehen darin keinerlei Problem. Für mich ist es genau umgekehrt. Habe vorhin dazu ein paar Gedanken bei Ute’s »Rote Welt« gepostet.

In dem genannten Beitrag gibt es auch den Link zu einem Essay der gleichen Autorin (Addison Reeves), den ich sehr bemerkenswert finde. Sie schreibt darin über die »Digitalisierung der Gesellschaft« – also darüber, was die Technik mit uns gemacht hat. Da ergibt sich ein völlig anderes Bild als das was wir glauben mit der Technik zu tun: Die [digitale] Technik selbst ist die Ideologie, die die Gesellschaft formt. Beim Lesen wurde mir klarer, wie die »Diktatur der Wissenden«, wie ich das nenne, entstanden ist und sich weiter entfaltet. Da wir kollektiv jedoch keinerlei Bereitschaft zeigen, uns diesen drängenden Fragen zu stellen, sehe ich auch wenig Gründe für eine Hoffnung, dass sich daran etwas ändern wird. Aber ich wiederhole mich …

6.8.22 – Mal ein Lob für den »Spiegel«, dass er das Thema »Was machen digitale Geräte mit uns?« immerhin mal fragend aufgreift. Nicht so in die Tiefe gehend wie oben genannte Texte und auch nur ein kurzer Artikel. Doch ich freue mich immer, wenn überhaupt jemand diese Fragen stellt. Es ist wie ein Rufen in der Wüste …

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