Sonntag, 23. August 2026

Rülps …

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Rülps …

Da ist mir was übel aufgestoßen vorhin. Es ging um das Wort »neurodivers«. Ich nenne es hier mal stellvertretend für einige Wortschöpfungen, die bei mir ein ähnliches Gefühl auslösen.

Manche davon sind schon sehr alt. Ich erinnere sie bereits aus meiner Jugend. Eines davon ist zum Beispiel das Wort »Streicheleinheiten«. Das ist etwas, das ich schon bald als eine »Sprachbombe« oder ein »sprachliches Trojanisches Pferd« bezeichnete. »Streicheleinheit« ist ein Wort, das in mir Ekel auslöst. Ich weiß, nur wenige werden das nachvollziehen können. Denn sie sagen das »einfach so« und fühlen sich noch gut dabei.

Was ist denn eine Steicheleinheit? Sagen wir, ein Druck von 50 N von einer Fläche von 50 Quadratzentimetern appliziert auf eine Fläche von 200 Quadratzentimetern Haut für zwei Sekunden? Wo wird das dann aufgebracht? Am Arm, am Bein? Im Gesicht? Ist es egal wo oder fließt es in die Definition ein? Und wieviele solcher Einheiten wo braucht die biologische Maschine Mensch, damit eine physiologische Reaktion, nennen wir sie Gamma, an welchen Stellen in den Abläufen dieses biologischen Apparates auftritt?

Und welche Anzahl solcher definierten Einheiten braucht es, damit Gamma (und, sagen wir, Delta, und Yota, …) ausgelöst wird? Und wer bestimmt diesen Maßstab – also, welcher Bedarf besteht, welcher ausreicht, welcher genug ist? Natürlich: unsere »Experten«! Diejenigen, die das Leben bald vollständig erklären werden, die in naher Zukunft alles unter Kontrolle haben werden, alles wissen, was es darüber zu wissen gibt.

Entschuldigung, doch was hier aufscheint ist aus meiner bescheidenen Sicht schlicht menschenverachtend. Zynisch. Etwa so, als ob eine Maschine, die nach einem bestimmten Programmablauf ein weiches Stück Pelz über die Haut eines Kindes reibt dessen Mutter ersetzen kann: Es bekommt ja seine Streicheleinheiten, nicht wahr? Und seinen vorberechneten Nahrungsbedarf. Alles in bester Ordnung. Keinerlei Grund, sich zu beschweren. DIN-Norm XXxxX ist eingehalten worden!

Nein, so was wie Sinn und damit etwas, das ich unter Leben verstehe gibt es in der Welt der »Streicheleinheiten« nicht. Nur Funktion. »Dieser Mensch braucht 2.500 Kalorien Nährwert und 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag. Und 3,254 Steicheleinheiten. Dann ist alles in Ordnung; alles Wichtige ist damit erfüllt.«

Kommen wir zu dem Eingangs erwähnten Wort. Noch so ein Monster. Aus meiner Sicht zumindest. Ich weiß, viele werden über solche Gedanken zumindest den Kopf schütteln. Die Dinge so zu sehen ist doch Zeitgeist pur! Und wer will sich dem schon entgegenstellen? Ich wage es mal.

»Neurodivers«. Wer hat sich das wohl einfallen lassen? Heißt praktisch, dass man nun alle, die nicht – nun, früher sagte man, »normal« sind – nun unter diesen Begriff fallen lässt und sie »inkludiert« werden müssen. Also: Es gibt keine(n) mehr mit Trisomie 21. Niemanden mehr mit einer Psychose oder Schizophrenie. Niemanden mehr, der Suchtprobleme hat. Und natürlich niemanden mehr, den man als Psychopathen bezeichnen könnte.

Der Attentäter nach dem CSD war nicht »irgendwie gestört«. Nein, er war einfach »neurodivers«. Wieso haben eigentlich so viele dafür kein Verständnis? Kinder, die darauf bestehen Hunde oder Katzen zu sein sind einfach neurodivers. Von Menschen, die sich im »falschen« Körper fühlen und das Geschlecht wechseln wollen ganz zu schweigen. Schon die Frage, ja ein solcher Gedanke wie meiner hier ist selbstverständlich »transphob«. Wer in solchen Dingen was Anderes sagt oder auch nur dumme Fragen stellt ist im Grunde von gestern, ja ein Nazi.

Nun, diese Schimpfworte sind ja noch recht harmlos. Ich bin zuversichtlich, dass man da noch was finden wird. Bei Menschen, die sich immer noch erdreisten, nicht überall russische Hybride Kriegsführung zu erblicken, hat man sich ja auch einiges einfallen lassen. »Putinversteher« ist da noch einer der harmlosesten Begriffe, beinahe süß. Wenn es denn in naher Zukunft »richtig losgeht«, wird man da nicht mehr so zimperlich sein.

»Landesverräter«, »Russischer Agent« oder Schlimmeres dürfen wir spätestens dann erwarten. Die Sprache wandelt sich seit einigen Jahrzehnten. Nur wenige »finden was dabei« – solche ewig gestrigen wie ich. Leute, »die nicht akzeptieren wollen, dass die Zeiten sich geändert haben«.

Die Sprache, die wir bräuchten, um überhaupt über etwas nachdenken zu können – selbst wenn suboptimal und vorläufig – wird systematisch diffamiert, dann abgeschafft. Da gibt es doch diesen Roman, der das vorausgesehen hatte … »Neusprech« hieß das darin. Und »Neusprech« hatte das Ziel, selbst ein Nachdenken über Unerwünschtes unmöglich zu machen. Einfach, weil es gar keine Begriffe mehr dafür gibt.

»Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf!«, sagte Kurt Tucholsky. Doch wir brauchen einen Griff für diese Waffe, Maßstäbe für ihre Handhabung. Hat sie keine, zerschneidet sie alles, was ihr in den Weg kommt. Und was das ist, wird dann nicht von denjenigen bestimmt, die damit völlig wie im Delirium umgehen. Sondern von den Sozialingenieuren hinter den Kulissen.

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3 Kommentare zu »Rülps …«

  1. Servus Claus, diesmal gleich hier ein paar lose Gedanken, die zu Deinen Zeilen passen könnten:

    Das „Imperium der Lügen“ wird von Leuten beherrscht, die es eigentlich gar nicht gibt.

    Die Führungsriegen eint eine altbekannte Eigenschaft: Die besonders erfolgreich optimierte Risikovermeidung. Präziser: Die Feigheit.

    In „UnsererDemokratie“ kommuniziert die Herrschaft mit den Untertanen auf die gleiche Art, die sie selbst auszeichnet: unzurechnungsfähig, unmündig und regelrecht geistig behindert.

    Das mit der Nichtbeachtung der „Würde“ aus dem Grundgesetz ist dem Faktum geschuldet, dass man seine Würde ja nicht verlieren kann, wenn man noch nie selbige besessen hat bzw. würdelos einfach so dahingelebt hat.

    Orwell ist jetzt.

    Auch wenn sich die Eliten“ den herausfordernden Problembergen durch Etablierung einer orwell’schen Diktatur zu entziehen versuchen, so werden die Folgen umso
    unkontrollierbarer und drastischer sein.

    Erkläre einem Deppen, dass er ein Depp ist.

    Die Lautsprecher in „UnsererDemokratie“ sind der lebende Beweis dafür, dass man auch ohne Verstand leben kann.

  2. Hallo Werner, danke für Deine Rückmeldung! Ja, Orwell ist jetzt. Und da das langsam »kommt« und nicht von heute auf morgen, ist es für die allermeisten »unsichtbar«. Man macht mit, will »dabei« sein. Das wird noch verstärkt durch die Haltung, »dass es weg ist, wenn ich die Augen davor verschließe«. Wie ich schon mal schrieb: Kinder wissen normalerweise, dass das nur ein Spiel ist. Erwachsene glauben offenbar in der Regel, dass es funktioniert … Das ist magisches Denken. Putzig – bis dann der Preis dafür zu zahlen ist.

    Und der wird von den Geschehnissen am Ende knallhart eingefordert. So kommt es dann, dass sehr, sehr viele dann jammern: »Wer hätte so was denn auch nur ahnen können?« Vorher hat man aber oft diejenigen, die zu Zeiten warnen wollten geteert und gefedert …

  3. Einfach wirklich bei allem immer vom Gegenteil dessen ausgehen was propagiert wird.
    Lebe deinen Traum, sabotiere den Kapitalismus und die Religionen wo immer dir es möglich erscheint.
    Das kann im Einzelfall sogar richtig Spaß machen.
    Seit 1974 fahre ich damit sehr gut.
    Und seit dem 12.4.2020 bin ich überzeugter Misanthrop, da kann dann gar nichts mehr schiefgehen.
    Diese Gesellschaft muss untergehen und ich trage eifrig meinen Beitrag dazu.
    Jedesmal, wenn ich die Wohnung verlasse, schaue ich wen ich anfeinden und gegeneinander aufbringen kann und das geht tatsächlich immer leichter bei dieser herrschenden Empörungskultur, der Vollidioten.
    Nur, der Hass hält mich noch am Leben und lässt mich weitermachen, denn der Untergang ist ganz gewiß und wird nicht mehr all zu lang auf sich warten lassen.

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