Samstag, 16. April 2016

Sieg! Sieg! Sieg! – Das böse Wort zum Sonntag

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Sieg! Sieg! Sieg! – Das böse Wort zum Sonntag

Es tönt von überallher – optisch und akustisch. Es schreit von allen Werbetafeln. Es dröhnt aus den Boxen der Autos, durch deren geöffnete Fenster. Aus den aufgedrehten Ohrstöpseln junger Leute Leute in den Bahnen. Aus tragbaren Bluetooth-Lautsprechern. Wir! Feiern! Richtig! Und dauerhaft! Unser Gehabe und unser Aussehen gestalten wir entsprechend. Denn wir feiern einen Sieg. Den totalen Sieg.

Doch was feiern wir da eigentlich genau? Wessen Sieg über wen (oder was?) ist denn der Anlass für die große Party? Und warum wird unser Siegestaumel seit Jahren immer stärker?

Und wo soll das hinführen? Ist es wirklich so, dass wir den Ast auf dem wir sitzen absägen können, ohne zu fallen? Sind wir doch am Baum angeseilt, mit bestem High-Tech Bergsteiger-Nylonseil …? Nun, eigentlich könnten wir doch auch gleich den Baum fällen, oder? Und durch einen Kran ersetzen. Mit einem Bungee-Seil dran. Wir wissen doch längst, wie es geht, oder? Also dann: Sieg …! Nee, »Heil« sagte man gestern.

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2 Kommentare zu »Sieg! Sieg! Sieg! – Das böse Wort zum Sonntag«

  1. Ich kann deinen Post nicht zuordnen. Woher schallt denn „Sieg!“? Doch höchstens mal beim Fußball.. Dass ab und zu mal Musik aus einem zu laut gestellten Kopfhörer oder einem offenen Wagen dröhnt: ja hey, warum sollen die Leute nicht mal fröhlich sein bzw. sich mit Musik in Stimmung bringen?

    Ein „Siegesbewusstsein“ kann ich im übrigen nirgends feststellen. Ganz im Gegenteil sind die Schlagzeilen ständig voller Warnungen, Klagen, heftiger Kritik an irgendwas, das falsch läuft. Ratschlägen für Probleme boomen seit Jahren. Klimakatastrophe, Finanzkrise, Flüchtlingsproblematik, Altersarmut, Rechtsruck in der Parteienlandschaft, Hassreden im Netz und anderswo – welcher „Sieg“ wird denn da wo gefeiert? Ich krieg das jedenfalls nicht mit.

  2. Liebe Claudia,

    ich beziehe mich auf einen anderen Sieg als den, der beim Fußball (oder sonst im Sport) gefeiert wird. Dort zu feiern finde ich prima, wie auch sonst zu Feiern. Wenn Leute wirklich fröhlich sind und sich amüsieren, genieße ich es mit. Wenn es darum geht, ein Bewusstsein der Überlegenheit und des Könnens zu feiern, finde ich es anstrengend.

    Das hier ist eher als Metapher gemeint: Wir feiern den Sieg des menschlichen Willens über das Leben. Wir wissen, wo’s lang geht. Wir haben die volle Kontrolle. Ganz persönlich, jede/r für sich. Und das ist unabhängig von all den schlechten Nachrichten – so lange die uns nicht sprichwörtlich auf die Pelle rücken. Es ist diese selbstbewusste Unbedingtheit, die ich um sich greifen sehe, die ich hier polemisch aufs Korn nehmen will. »Die Welt kann gar nicht untergehen – es gibt viel zu viele Leute, die genau wissen, wo’s lang geht.« Genau das ist das Problem. Ich darf mich gerade an die eigene Nase packen.

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