Freitag, 8. April 2022

Sie werden springen

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Heute, Demo gegen die Impfpflicht. Alleine mit so vielen Leuten auf der Straße zu sein, ohne Masken, ohne Abstände, fühlte sich gut an. Wenig Polizei, die meisten von ihnen eher gelangweilt, fast alle ohne Maske. Und in sehr legerem Outfit. Sie trotteten mit, beinahe so, als ob sie Teil der Demo wären. Ich habe keine Provokationen seitens der Polizei gesehen. Wir Vielen waren zum Teil lautstark, aber alles blieb friedlich.

Ich für meinen Teil finde Musik dabei gut, denn … bei all dem Wahnsinn hilft nur Tanzen … Damit komme ich zu dem Titel meines kleinen Kommentars. Denn mir fielen mal wieder ein paar Dinge auf. Dass der weitaus größte Teil der Teilnehmenden über fünfzig war, kenne ich schon. Immerhin waren nennenswert Leute ab ca. vierzig dabei. Jüngere waren jedoch die absolute Ausnahme.

Nun, natürlich ist eine Demo wochentags mittags nicht für alle machbar. Die meisten haben arbeitsmäßige Verpflichtungen. Doch das ist nur die halbe Entschuldigung. Denn drumherum, als zuschauende Passanten und Schaulustige, waren sehr wohl etliche Jüngere zu sehen. Nur halt eben so gut wie gar nicht in der Demo.

Okay, das ist jetzt meine Interpretation, doch diese Jüngeren waren Zuschauer im doppelten Sinne. Zum Einen eben als Zaungäste des Geschehens, es oft mit ihren Handys filmend. Na ja, das ist ja nix Besonderes mehr. Doch zum Anderen auch als Zuschauer, die über dem Geschehen standen. Ihre Mimik, ihre Herangehensweise erschien mir wie die von Leuten, die ein paar bunte, aus dem Zoo ausgebrochene Vögel beobachten. Oder ein paar Verrückte, die zur Unzeit eine Art lächerlichen Karneval veranstalten.

Kurzum: Völliges Unverständnis. Das sehe ich auch in den Gesichtern sehr vieler Leute, wenn ich ohne Maske einkaufen gehe, was ja jetzt nicht mehr bussgeldbewehrt ist – nun, so weit ich in ihrem Gesicht unter dem Plastik-Kaffeefilter ihre Reaktion überhaupt erkennen kann. Oft ist es mehr ein winziges Aus- oder Zurückweichen. Vorhin im Supermarkt: Maulkorbquote geschätzt nach wie vor zwischen achtzig und neunzig Prozent. Je jünger die Leute, desto unwahrscheinlicher, dass sie ohne dieses Ding einkaufen gehen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Also: Wie komme ich nun auf diesen Titel? Nun, es gibt da eine Comiczeichnung, die eine Klippe zeigt. Über die fallen Schafe in die Tiefe, und eine unübersehbare Zahl von Schafen drängt, wie tausende Lemminge, zur Klippe hin, um dann über sie abzustürzen. Dazwischen gibt es ein einsames schwarzes Schaf, das sich in die Gegenrichtung durch die anströmenden Leiber schlängelt, weg von der Klippe, und pausenlos »Excuse me, excuse me …« sagt.

Ich hätte mir nie träumen lassen, dass dieser Cartoon mal präzise die Realität einfangen würde. Denn die überwältigende Mehrheit weiß heute, dass es da lang und nur da lang geht. Alternativlos: Masken. Abstand halten. »Impfungen.« Die Anderen als potentielle Superspreader sehen. Pausenlos testen – denn »es könnte ja was sein«.

Und natürlich, jetzt aktuell – der Satan Putin muss bekommen, was er verdient. Dazu wird man immer maßloser, ganz egal, was das dann bedeutet: Stopp der Gaslieferungen? Ruin weiter Teile der Wirtschaft? Zusammenbruch der Lieferketten? Möglicher Blackout? Gar Atomkrieg? Egal, gegen solche Monster ist jedes Mittel Recht.

Ja, sie werden springen. Wie in dem Cartoon.

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