Sonntag, 5. September 2021

Danke!

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Danke!

Ein Treffen mit einem Freund vorhin bei Kaffee und Kuchen. Nun, er weiß, wie ich über die Dinge denke. Ich weiß, wie er über die Dinge denkt.

Ich sehe uns in Trippelschritten, aber stetig in Richtung Totalitarismus voranschreiten. Na ja, eigentlich sind die »Trippelschritte« für mich verdammt groß. Doch vielleicht würde es so für ihn verständlicher was mich bewegt, dachte ich.

Für ihn ist das ein wunderbares, freies Land, in dem er gerne lebt. Na ja, ein paar kleine, unerhebliche Einschränkungen gäbe es, zum Beispiel halt hin und wieder mal eine Maske aufziehen zu müssen. Macht man dann halt. Kein großes Ding. Wie könne ich darin nur ein nennenswertes Problem sehen? Na ja, das müsse wohl mit »alten Sachen« aus meiner Kindheit zu tun haben, und jetzt hätte ich doch die geniale Chance, mir das mal genauer anzusehen, statt wieder »abzuhauen« …

Ich holte tief Luft und hätte nun weit ausholen können. Hab’s aber gleich gelassen. Bringt auch nix außer Eskalation und dann womöglich gegenseitigen Vorwürfen. Kenne ich inzwischen zu Genüge. Erst hatte ich den Impuls, das Gespräch höflich, aber bestimmt abzubrechen, zumal ich kaum zu Wort kam. Und bis vor nicht allzu langer Zeit wäre ich auch richtig wütend geworden. Ja, meine Geschichte … Natürlich war ich angetickt, aufgeregt, ja zitterte leicht. Doch dann staunte ich über mich selbst: Es gelang mir zuzuhören, gezielt nachzufragen – und klarzustellen, dass er natürlich grundsätzlich Recht hat.

Denn ja – selbstverständlich spielt unsere persönliche Geschichte eine wichtige Rolle dabei, was wir als übergriffig wahrnehmen und was uns als »selbstverständlich« und keiner Frage wert erscheint. In den vergangenen gut zwanzig Jahren ist mir vieles in meiner eigenen Geschichte klarer geworden – oft schmerzlich und erst vom Gefühl, dann, teils mit Jahren Verzögerung, auch vom Verstand her. Und vieles davon entzieht sich – leider und zum Glück – nach wie vor Worten und wird das sehr wahrscheinlich auch weiterhin tun. Hin und wieder kommen mir jedoch Begriffe, ja Sätze, die in ihrer Mehrdeutigkeit und Poesie etwas aufscheinen lassen.

Heute ist mein verstehendes Gefühl wieder ein Bisschen tiefer gerutscht. Ich habe gewissermaßen die Goldklümpchen in dem gefunden, was da auf und in mich geschüttet bzw. projiziert wurde. Es geht in weiterem Sinne um das, was sich in dem Spruch »Das größte Geschenk, das ein Mensch seinen Mitmenschen machen kann liegt in unmittelbarer Nähe seiner Wunde« ausdrückt. Und heute nachmittag ist mein Begreifen wieder ein Stück weiter und tiefer geworden.

Danke dafür. An meinen Gesprächspartner. An das Leben (oder auch Gott, den Kosmos, das Universum, …). An mich?

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