Donnerstag, 1. Dezember 2016

KFM

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KFM

»Ich bin KFM keine Rechenschaft schuldig!« Sprachs, drehte sich um. Und weg war sie. Und mein Fahrrad damit endgültig auch.

Das ist jetzt schon fast vierzig Jahre her. In der Zwischenzeit hat sich viel getan. Wem die Abkürzung »KFM« nichts sagt, der oder die braucht sich keine Gedanken um etwaige Wissenslücken zu machen: In den siebziger Jahren gab es die sogenannte »AA-Kommune«, später »AAO« (»Aktionsanalytische Organisation«) , geleitet von dem Wiener Aktionskünstler Otto Muehl. Zu dieser stieß später Dieter Duhm, Autor des Buches »Angst im Kapitalismus« (das zumindest den Älteren ein Begriff sein dürfte), und dieser spielte wiederum eine wichtige Rolle bei der Gründung des »ZEGG«, das sich in Belzig bei Berlin niederließ. Nun also – der »KFM« war bei der AA-Kommune der »Kleinfamilienmensch«, also der »unreife«, unoptimierte Durchschnittsmensch, von denen auch ich einer war und es wohl immer bleiben werde. Die Gruppe selbst war natürlich über diese Dinge erhaben, war »weiter«, hatte den KFM hinter sich gelassen.

Es war damals die Zeit, als viele um mich herum in irgendwelche Gruppen gingen. Die einen etwa zu den sogenannten »K-Gruppen« – kommunistische Gruppierungen aller Couleur, die sich zum Teil untereinander erbittert bekämpften. Andere verstanden sich als »Spontis« und mischten engagiert bei linken Demos mit, wieder andere gingen zu Osho (damals noch Baghwan) – oder eben zur AA-Kommune. Ich gehörte nirgendwo dazu.

Ich hatte ihr mein Fahrrad geliehen, ein schönes, gelbes Rennrad. Wie ich später erfuhr, hatte sie es einige Tage in der Fußgängerzone der Stadt angeschlossen stehen gelassen, in einem Straßenzug, in dem schon damals nur noch wenige Leute wohnten. Ideale Bedingungen für Fahrraddiebe also. Es kam, wie es kommen musste: Das Fahrrad war weg.

Als ich mein Rad zurückhaben wollte, erzählte sie mir, wo sie es angeschlossen hatte, und meinte dann nur lapidar, es sei halt weg. Dann folgte der eingangs zitierte Satz.

Wie komme ich jetzt überhaupt auf diese kleine Geschichte? Nun, ich mache mir halt so meine Gedanken. Ich sehe, wie die große Mehrheit der Leute, die mir im Alltag begegnen, »drauf« sind. Werde dann sehr nachdenklich.

Denn – was Wunder: »Die da oben« scheinen sehr ähnlich »drauf« zu sein. Ist das denn so erstaunlich? Ich meine, nein. Wenn schon Jede/r sich heute so gebärden kann, als sei er oder sie etwas Besonderes und hätte Vorrechte aller Art, dann diejenigen, die in den entsprechenden Positionen sitzen erst recht. Sie sind uns – den »Normalbürgern«, offenbar keine Rechenschaft schuldig. Dies ist bestimmt nichts völlig Neues. Neu ist die Selbstverständlichkeit, die Haltung, mit der diese Dinge geäußert werden.

Ich frage mich nun: Wo soll uns das hinführen? Welches Vorbild ergibt sich daraus, und wie wirkt sich das wiederum auf unser allgemeines Zusammenleben aus? Und welche nächsten Schritte halten dann »die da oben« für völlig adäquat? Und diese haben ja nun wieder eine Wirkung auf »die da unten« – die sich allerdings als Einzelne, jede/r für sich, sehr viel anders wahrnehmen … Sie sehen sich als Opfer und haben somit das Recht, sich zu wehren? Wählen zum Beispiel Donald Trump zum Präsidenten, sehen sich aber fern jeder Verantwortung für das, was er predigte?

Fragen, Fragen. Dumme Fragen. Ich nehme die Blamage auf mich, sie zu stellen.

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