Samstag, 23. September 2017

Innovativ – nur leider auf Kosten der Fahrer

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Innovativ – nur leider auf Kosten der Fahrer

Gerade las ich, dass die Geschäftslizenz für Uber in London nicht verlängert werden soll. Daraufhin startete Uber über das Aktionsportal Change.org eine Online-Unterschriftenkampagne, um dies zu verhindern.

Innerhalb kürzester Zeit kamen über 500.000 Unterschriften zusammen. Das macht mich mehr als nachdenklich, ja sogar wütend. Denn Uber ist eine der Firmen, die sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert haben – zuletzt jagte ein Skandal den nächsten, und es war ein offenes Geheimnis, dass die billigen »Rides« auf dem Rücken der Fahrer und Fahrerinnen zustande kamen, mithin also auf Ausbeutung beruhen. Was als gute, wenn auch aggressiv-radikale Idee begann, kippte nämlich bald um: Uber versuchte, über den Preis die etablierte Taxikonkurrenz »plattzumachen«.

Nun sprechen sich über eine halbe Million Menschen, und wie ich annehme überwiegend junge Menschen, dafür aus, diese Zustände beizubehalten. Es ist bequem, und vor Allem, es erspart ihnen Geld. Ersteres ließe sich sicher durch entsprechende Maßnahmen beibehalten, letzteres verstehe ich zwar, doch es spricht auch von einer Haltung, die zuerst den eigenen Vorteil sieht, auch auf Kosten anderer.

Wieso für etwas mehr bezahlen als nötig? Ja, verstehe ich. Doch wenn ich weiß, dass ich das im wahrsten Sinne des Wortes auf Kosten eines anderen erziele? In diesem Falle bin ich sogar direkt mit dem Menschen konfrontiert, auf dessen Kosten ich Geld spare – dem Fahrer oder der Fahrerin des Wagens. Ich kann also nicht so leicht verdrängen, was mein Billigheimer-Deal anrichtet, wie wenn ich zum Beispiel bei Ebay oder Amazon bestelle, um ein paar Euro gegenüber dem Angebot eines Ladengeschäfts um die Ecke zu sparen.

Für mich wirft das nicht nur ein Schlaglicht auf die Grundhaltung vieler Menschen, sondern auch auf solche Organisationen wie Change.org. Die englische Abteilung des Portals ist sogar stolz darauf, dass dies »die am schnellsten gewachsene Unterschriftenaktion des Jahres« sei. Das zeige, wie machtvoll solche Online-Kampagnen sein können. Ich finde das obszön. Ich werde in Zukunft noch wacher sein als jetzt, ob sich womöglich unter dem Deckmäntelchen des Innovativen und der schnellen helfenden Aktion im Grunde menschenverachtende Haltungen einen Weg bahnen.

 

Nachtrag 25.9.17: Beim Guardian läuft offenbar eine Diskussion zu den Themen, die ich oben umschrieb: »Uber ist nicht so beliebt wie Sie vielleicht denken«

 

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