Dienstag, 20. September 2016

Weltrettung – yes we can

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Weltrettung – yes we can

»Fünf Minuten vor Trump – Hillary Clintons Schwäche wird zur Gefahr für die Welt«, ist auf dem aktuellen Titelblatt des »Spiegel« zu lesen (interessanterweise nicht in Bayern!). Der Schwächeanfall einer Politikerin als möglicher Grund für den Weltuntergang? Mein Gott (so es denn so etwas gibt …), wo sind wir gelandet!

Ein Schwächeanfall im Stress und der Hektik des Wahlkampfes reicht schon, um eine Politikerin als Präsidentschaftskandidatin zu diskreditieren? Nach dieser Logik dürfen Politiker niemals krank werden, niemals Schwächen zeigen. Das heißt, sie dürfen keine Menschen sein, sollen aber Menschen regieren, »eine(r) von uns sein«. Wie soll das zusammengehen? Und welches Bild vom Menschen, von uns selbst spiegelt sich da wider?

Auf der anderen Seite (?) Donald Trump. Ein Egomane, der seine zweite Chance erkannt hat und sie nun konsequent nutzt. Wer sollte es ihm verdenken? Schließlich ist der Egomane, die Egomanin der Mensch der Zukunft. Wäre es nicht so, würde er, wie bei seinem ersten Versuch in den nuller Jahren (2004), als der Zeitgeist noch nicht in diesem Maße auf seiner Seite war, als Verrückter, als Freak erscheinen.

Doch heute ist der Zeitgeist auf seiner Seite, zunehmend, wie ein mehr oder weniger starker Rückenwind beim Radfahren. Heute ist es salonfähig, sich so zu verhalten wie er. Seine Gegner sind ja nicht so viel besser, halt nur seine Gegner. Genau deshalb ist auch Hillary Clinton nur das kleinere Übel, nicht die Lichtgestalt. Und selbst wenn sie demnächst Präsidentin der USA würde, was ich hoffe, dann könnte auch sie nur bedingt das Ruder herumreißen, um das Staatsschiff USA auf einen weltpolitisch konstruktiven Kurs zu bringen.

Dazu kommt: Das, wofür Trump steht, wird ja nicht sang- und klanglos wieder in der Versenkung der Geschichte verschwinden, als ob es nur ein Gespenst gewesen wäre. Die tiefe Spaltung der Gesellschaft wird bleiben, sich womöglich gar verstärken. Schon jetzt gibt es die Tendenz, sich »auf eine Seite schlagen« zu müssen, ohne Wenn und Aber – auch bei uns. Das ist etwas, das mir viel mehr Angst macht als Terrorakte oder das Erstarken der AfD.

Denn ein wirklicher Diskurs findet kaum mehr statt. Man ist dafür oder dagegen, jeder weiß, wo »seine« Seite ist … Es gibt ein »Wir« und ein »Die«. Und ich dazwischen mit meinen dummen Fragen. Über eines sind sich jedoch alle seit jeher einig gewesen: darüber, wie man mit Verrätern umgeht.

 

Nachtrag 26.9.16: Jan Fleischhauer vom »Spiegel« teilt bekanntermaßen gerne aus – bevorzugt und genussvoll gegen Links. In seiner heutigen Kolumne geht es unter Anderem um die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft, und darum, dass er morgens die »TAZ« und die »Süddeutsche« zur »Feindbeobachtung« liest …

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