Dienstag, 10. März 2020

»Corona« macht uns die Krone streitig

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»Corona« macht uns die Krone streitig

Eine Art Tagebuch …

Das Tagesgeschehen schreitet voran. Das Coronavirus ist nach den bis dato vorliegenden Erkenntnissen jedoch eher harmlos – eine etwas deftigere Grippewelle »schafft« ähnlich viele Erkrankte und Tote. Doch das war uns bis jetzt keine besondere Nachricht wert, und auch, dass die Grippesaison 2017/2018 überdurchschnittlich heftig ausfiel, erfuhr ich erst im Rahmen meiner jetzigen Recherchen. Mir scheint es jedoch der Kristallisationspunkt des Zeitgeistes zu sein: Es ist neben einer Weigerung, Dinge im Kontext zu sehen auch die Angst vor Kontrollverlust, vor der unberechenbaren Natur, der sich in dem Hype und den »Roten Zonen« ausdrückt. Da ist etwas, das sich dem allmächtigen menschlichen Verstand entzieht, ja widersetzt, und es bricht ein in unsere effiziente, durchstrukturierte Welt.

Es bricht ein in unsere Welt – eine Welt, die doch uns gehört! Eine Welt, in der wir sagen, was Realität ist und wie die Regeln sind. Nicht sein kann, was nicht sein darf. Ich könnte es auch anders ausdrücken: Dies ist eine narzisstische Kränkung. Und so was ist in einem durch und durch narzisstischen Zeitalter die ultimative Provokation, der ultimative Panikmoment. Eben etwas, das nicht sein kann, nicht vorkommen darf.

Das alles mischt sich noch mit Ereignissen, die sich derzeit an der Grenze der EU in Griechenland abspielen. Flüchtlinge, die wohl bis auf ein paar seltene Ausnahmen durchweg arme Schweine sind, die wenig mehr als ihr nacktes Leben gerettet haben, werden bekämpft – an der Grenze der EU, die so viel auf Menschenrechte hält, und auch auf der Insel Lesbos. Ja, ich verstehe, dass nach alldem, was in den vergangenen Jahren passiert ist, viele mit ihrer Geduld am Ende sind. Und gleichzeitig ist es wieder wie fast immer: Es trifft die Schwächsten. Sie sind die Sündenböcke, die Bauern im großen Schachspiel mit lebenden Menschen.

Vor ein paar Jahren gab es andere Krankheiten, SARS und die Vogelgrippe zum Beispiel. Da haben wir noch anders reagiert. Eher besonnen, relativ geerdet. Was sich derzeit abspielt, sagt allerdings viel über unseren kollektiven Geisteszustand aus. Und der macht mir Angst – viel, viel mehr, als das Coronavirus je erzeugen könnte.

Nachtrag 14.3.20: Das Ganze hat auch eine ganz praktische Dimension, habe ich nun begriffen. Denn es wurde ja in den vergangenen Jahrzehnten kräftig gespart – auch Krankenversorgung muss ja seitdem Profit abwerfen, und zudem ist Pflegepersonal weder besonders angesehen noch angemessen bezahlt. Es wird eher wie ein lästiger und schwer handhabbarer, aber blöderweise nur bedingt zu vermeidender Kostenfaktor behandelt. Damit herrscht vielerorts Mangel, es geht »gerade so«. Mit der saisonalen Grippewelle sind die Krankenhäuser zur Zeit recht gut ausgelastet. Und nun kommt praktisch parallel eine zweite Grippewelle dazu – das Gesundheitssystem wäre damit hoffnungslos überfordert, würde zusammenbrechen. Also: Ein Hoch auf die Politik der schwarzen Null! Ein Hoch auf den unbedingten Glauben an den Segen der Märkte! Ein Hoch auf das Anbeten der Effizienz! Ich könnte auch sagen: Ein Hoch auf das Konzept des Neoliberalismus, dessen Geist unser aller Leben inzwischen bis in die letzten Winkel durchdringt! Ist schon seltsam, dass uns jetzt so was vergleichsweise Harmloses wie das Coronavirus auf die Füße zu fallen droht.

Nein – keine Verschwörungstheorie. Vorhin (15.3.20) bekam ich per E-Mail einen Link zu einem Video auf »Youtube«, das mich nachdenklich zurücklässt. Denn das, was dort gesagt wird, kommt für mich doch zu fundiert und selbstkritisch rüber. Und »Verschwörung« wäre hier auch das falsche Wort, denke ich. Es passt eher »Unverhältnismäßigkeit« und »Meinungsoligarchie«, oder auch »Schwarmdynamik«. Kurz vor Weihnachten hatte ich eine so heftige Erkältung, wie ich sie schon Jahre nicht mehr hatte, musste in der Woche vor Weihnachten praktisch alle Außenaktivitäten absagen. Und auch andere hatten das, wie ich hörte. War das womöglich schon dieses neue Erkältungsvirus? Wer weiß. Nachdem in der VR China erst vertuscht und dann radikal gehandelt wurde, würde ich das nicht mehr grundsätzlich ausschließen. 

19.3.20 – Noch mal der gleiche Interviewpartner wie oben, doch mit noch ein paar mehr Hintergrundinfos. Nein, auch das ist sicher nicht »die Wahrheit«, aber etwas, das man in meiner Jugend als »Denkanstoß« bezeichnete. Ich finde das wichtig – mein Eindruck ist, dass wir kollektiv heute wieder mehr als früher dazu neigen, einfache Erklärungen für viele Dinge zu haben, die dann zu den bekannten »einfachen Lösungen« führen könnten … Noch was. Es erfordert heute Mut, der offiziellen Line auch nur sanft öffentlich zu widersprechen – oder besser, mal laut nachzudenken. Sascha Lobo versucht sich bei »Spiegel Online« damit. Obwohl ich ihm nicht in allem zustimme – er trifft hier einen wichtigen Punkt. Hut ab! Und mir drängt sich noch eine Frage auf: Gibt es einen Antikörper-Test für Corvid-19? Es wäre doch interessant zu wissen, ob es eventuell schon Leute gibt, die eine Infektion überstanden haben – vielleicht ja schon, bevor der große Hype begann? Denn China hat ja anfangs eher versucht, die Infektionen zu vertuschen, um dann sehr offensiv damit umzugehen. Und ein hoch ansteckendes Virus, das sich heutzutage in einer Großstadt ausbreitet, wird sich auch rasend schnell in aller Welt verbreiten – in einer Welt, in der jeden Tag über elf Millionen Menschen (Zahlen von 2017!) im Flugzeug von Stadt zu Stadt, von Kontinent zu Kontinent reisen …

Langsam fühle ich mich nun richtig verarscht. Heute (21.3.20) fiel mir wieder etwas ein, was mich vor einigen Tagen per Mail erreichte: Am 16. März wurde bei »change.org« eine Petition gestartet, in de es um Pläne ging, die meisten Krankenhäuser auf dem Land zugunsten profitabler »Megakliniken« in den Städten zu schließen. Das Thema ist nicht neu: Schon seit 2016 versucht eine starke und sehr einflussreiche Lobby, diese Pläne durchzudrücken, teilweise bereits mit Erfolg. Der größte Teil des Corona-Problems ist also hausgemacht, und dabei ist bei uns die Situation noch besser als in vielen anderen europäischen Ländern. Diese moralischen Appelle an »nehmt Rücksicht auf die Schwachen« sind, trotz eines berechtigten »Kerns«, im Ganzen nichts als zynisch. Wenn’s um Macht und Geld geht, verhallen Bitten der Schwachen in aller Regel ungehört, wenn sie nicht sogar mit dem Vermerk »Selber schuld!« zurückgewiesen werden.

Gerade (25.3.20) bekam ich noch ein Statement in Form eines Links zu einem Youtube-Video zugeschickt, das ich interessant finde. Nein, auch das sicher nicht »die Wahrheit«, aber aus meiner Sicht bedenkenswert. Und aus meiner Sicht auch keine Verschwörungstheorie, sondern ein paar medizinisch-nüchterne Gedanken zu dem, was wir bereits wissen. Denn wir leben in einer Zeit, die nicht nur wie früher unwillig ist, Dinge im Kontext zu sehen, sondern das sogar offensiv ablehnt. Dass Vieles im Kontext relativ wird, blenden wir inzwischen beharrlich aus. Wir haben doch unsere absoluten Zahlen! Es ist schon 27 Jahre her, da starb meine steinalte Oma an Grippe. Wohlgemerkt – man könnte sie als Grippetote zählen, denn die Grippe war der unmittelbare Auslöser für ihren Tod. Doch diese Erkrankung war nur der Auslöser, nicht der Grund. Sie war der Hauch, der ihren sehr geschwächten Körper über die Schwelle in den Tod schob.

Heute (26.3.20) bekam ich zwei weitere Links zum Thema, die ich sehr interessant finde. Nein, auch hier nicht »die Wahrheit«, doch etwas, das das Bild nun langsam klarer werden lässt und sich sehr gut mit dem oben Geschriebenen ergänzt. Dr. Bodo Schiffmann von der Schwindelambulanz Sinsheim macht sich ein paar Gedanken zum Thema Corona-Virus – hier und hier.

27.3.20: Wieso wird nicht mal geschaut, wo wir uns gerade befinden? Können wir nicht oder wollen wir nicht? Beides? Es wäre doch wichtig für die weitere Vorgehensweise, nicht nur erkrankte Menschen auf das Corona-Virus zu untersuchen, sondern auch mal einen »Querbeet«-Check zu machen: Wie viele sind denn wirklich Träger des Virus? Wie viele zeigen Symptome, wie viele nicht? Und wie viele haben die Infektion womöglich schon hinter sich und sind bereits wieder gesund? Erst mit diesem Wissen ergäbe sich aus meiner Sicht ein halbwegs klares Bild dessen, was passiert und was infolgedessen wie gehandhabt werden sollte. Und natürlich sollten die schon bekannten Ereignisse im Kontext gesehen werden. Alles Andere ergibt ein sehr verzerrtes Bild des Geschehens. Zahlenspiele ohne Kontext sind da eher irreführend.

Ich habe gestern mal ein Bisschen im Netz nachgeschaut. Diese Infektionskrankheit ist ja nicht die erste, die uns beschäftigt. Da waren ja so Sachen wie die Vogel- und die Schweinegrippe. Und dabei ist mir klar geworden, wie vergesslich ich bin. Und wahrscheinlich nicht nur ich. Auch solche Dinge sind ja Geschichte. Interessant ist zum Beispiel, dass die WHO bei Weitem nicht so unabhängig ist, wie auch ich lange geglaubt habe. Wen’s interessiert, welche Geldgeber den größten Teil des WHO-Budgets finanzieren, kann das hier nachlesen. Und dann hat die WHO 2009 die Kriterien für eine Pandemie herabgesetzt. Ein Zitat aus einem Artikel der »Welt« von 2010 bringt das treffend auf den Punkt: »Wie man in Zukunft damit umzugehen hat, dass den neuen Kriterien zufolge jede gewöhnliche Grippewelle automatisch zur Pandemie wird, darüber wird man sich bei der WHO wohl noch den Kopf zerbrechen müssen.« Wohl gemerkt, das war 2010! Wem die »Welt« zu sehr »Springer-Presse« ist, kann sich auch mal anschauen, was im Januar 2009 das »Ärzteblatt« zur Schweinegrippe schrieb. Dort werden Strukturen benannt, die den Autoren schon damals bedenklich erschienen. Und dann fand ich auch noch ein Dokument zum Thema, das ich für seriös halte (so weit man etwas für seriös halten kann). Dort werden einmal intensive Überlegungen angestellt, welche Rolle der Kontext (also hier die Prädispositionen der infizierten Personen) spielt. Interessant! Nun, das alles ist kein »Beweis«, aber es stellt die richtigen Fragen. Und wie schon erwähnt, bin ich eher für kluge Fragen denn für endgültige Antworten zu begeistern. Auch wenn das die Dinge nicht mehr so »einfach« macht.

Und noch was: Weiter oben sind Links  zu Videos von Dr. Schiffmann. Sein aktuelles Video ist hier zu sehen. Er fleht geradezu darum, die Leute zum Nachdenken anzuregen, na zumindest, nicht alles unhinterfragt hinzunehmen. Interessanterweise ist die Kommentarfunktion deaktiviert. Ob er das selbst abgeschaltet hat? Nun, die Sache mit Frankreich (und evtl. Spanien) kann ich nicht überprüfen. Sollte das tatsächlich stimmen, dann sollten wir uns hüten, auch nur noch ein Wort gegen Leute wie Herr Erdogan oder Herr Orban zu sagen. »Skandal« wäre noch ein freundliches Wort dafür.

Der genaue Wortlaut des zitierten Artikels im »New England Journal of Medicine« lässt sich hier nachlesen. Er ist tief in der Seite vergraben, geht im Getöse über allerlei Details zu Covid-19 beinahe unter. Die Autoren scheinen mir auch zwiegespalten zu sein: Einerseits müssen sie zugeben, dass nach ihrer Datenlage Covid-19 nicht gefährlicher ist als eine ordentliche Grippewelle. Andererseits klingt aber auch an: »Da muss man doch was gegen machen!« Es fällt ihnen offenbar schwer zu akzeptieren, dass das Virus nun eben da ist und wir da letztlich durch müssen.

Ich bekam vorhin noch den Link zu einem Interview mit Prof. Dr. Hockertz, dem aus meiner Sicht eigentlich nichts hinzuzufügen ist. Er ruft zu umsichtigem Handeln auf, hält die aktuelle Art mit der Situation umzugehen aber für maßlos überzogen. Auch ein älterer Artikel bei der NZZ mahnt an, die Dinge in Relation zu betrachten.

Vorhin (28.3.20) bekam ich noch einen Link zu einem Video, das ich in diesem Zusammenhang sehenswert finde. Es ist allerdings gut möglich, dass es bereits erneut gelöscht wurde. Nein, wieder mal nicht die »endgültige und letzte Wahrheit«, eher ein auch kritisch zu betrachtender Diskussionsbeitrag. Mir fehlt vor Allem, dass nicht mal ansatzweise darauf eingegangen wird, wie denn angemessene Maßnahmen aussehen könnten. So kommt mir das Ganze doch zu reißerisch rüber, unabhängig davon, was von dem Gesagten so weit stimmt und was auch hier relativiert zu sehen ist.

Dass das Video schon mal gelöscht wurde, lässt mich viel nachdenklicher zurück als das Nachsinnen über diesen, nun, durchwachsenen Beitrag. Wenn ich bedenke, welche Mengen unsäglicher Stuss auf Youtube verfügbar sind – und das wird gelöscht, nur weil es nicht in die offizielle Linie passt …

Die Menschen tun lieber das offensichtlich Falsche als gar nichts. Das hat sicher schon irgendein Philosoph gesagt, ist bestimmt nicht von mir. Das Nicht-Handeln, das Akzeptieren des »Wie es ist« empfinden die meisten als Kapitulation, als unerträgliche Bankrotterklärung. Das ist wohl besonders ein Zug des westlichen Menschen. Zumindest früher fiel das den Kulturen des Ostens viel leichter. Was die derzeitige Regelung in Sachen Corona vor Allem für alte und schwerkranke Menschen bedeutet, las ich gerade (29.3.20)  in einem Artikel der »Pflegeethik Initiative«. Zudem telefonierte ich vorhin mit einem Freund, der mir berichtete, eine Freundin, die in einem Pflegeberuf tätig ist, werde gerade massiv unter Druck gesetzt, für weniger Geld mehr zu arbeiten. Und nicht nur ihr ginge das so. Ich schäme mich. Was passiert hier gerade? Das alles zynisch zu nennen finde ich noch beschönigend. Ist das das aufscheinende Gesicht eines neuen, modernen Faschismus? Und jetzt zeigt sich auch, wer in unserer Gesellschaft gebraucht wird und wer nicht. Ich gehöre nicht dazu. Habe mir immerhin zum Beispiel die Möglichkeit erkauft, hier irgendwas tippen zu dürfen, was eh kaum jemanden interessiert. Solange ich es bezahlen kann, werde ich das weiter tun. Und wer sind die neuen Sündenböcke, wenn es hart auf hart kommt? Werde ich dazugehören? Immerhin sind noch ein paar Reihen potentieller Sündenböcke vor mir. Ich kann mich damit beruhigen, nicht ganz vorne zu stehen.

Genug davon. Der Link im Absatz oben steht (neben vielen anderen) auf einer Seite, auf der sich jemand viel Mühe gemacht hat, skeptische und kritische Gedanken zur derzeitigen Situation zu sammeln und aufzulisten. Wem all das oben Geschriebene zu viel Gedöns ist und wer sich einen schnellen und recht umfassenden Blick auf gute Gründe zu großer Skepsis an den derzeitigen Maßnahmen verschaffen will, sei auf diese Seite der Gemeinschaftspraxis in der Reichenberger Straße 121 hier in Berlin verwiesen. Hut ab!

Ist das ein kalter Staatsstreich industrienaher Institutionen? Einiges spricht inzwischen dafür. Heute (31.3.20) fand ich eine weitere Seite, deren Betreiber sich die Mühe machen, kritische Beiträge zusammenzutragen sowie Verlautbarungen und Publikationen offizieller Stellen mal genauer auf Plausibilität und belastbare Fakten abzuklopfen. In den Kommentaren dort fand ich auch ein sehr aufschlussreiches Zitat: Über das RKI schreibt der investigative Medizin-Journalist Bert Ehgartner (Lob der Krankheit, 2008, S. 256f): „Mit im Boot ist hier auch gleich das Robert-Koch-Institut (RKI), das aufgrund seiner vielfachen Kooperationen mit der Industrie mehrfach heftig kritisiert wurde. Die AG Masern und Varizellen ist beispielsweise eine Initiative der beiden Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline und Sanofi Pasteur MSD. Das RKI hat auf dem Papier die wissenschaftliche Federführung. Organisiert wird das Projekt vom Deutschen Grünen Kreuz, einer ursprünglich von der Pharmaindustrie gegründeten Organisation, die mittlerweile PR-Arbeit und Lobbying für alle möglichen Industriezweige betreibt. Ähnlich läuft die Kooperation bei der AG Influenza. Dem RKI obliegt die Überwachung der Influenzasituation in Deutschland. Auch hier ist das Grüne Kreuz mit im Boot. Finanziert wird die AG von den Herstellern der fünf Grippeimpfstoffe.“

Das lässt vieles in einem völlig anderen Licht erscheinen. Und es bedeutet, dass für das RKI im Wesentlichen das gleiche zutrifft wie für die WHO. Interessant auch, dass für mich jetzt klarer wird, wieso seit einigen Jahren solch ein Hype um Masern gemacht wird. Bis vor nicht allzu langer Zeit war das eine Kinderkrankheit, die nicht als sonderlich gefährlich galt, solange sie nicht vereinzelt auch Erwachsene befiel. Dann gab es einen Impfstoff, und auf einmal wurde Masern zu einer Killerkrankheit hochgepusht, gegen die man unbedingt Massenimpfungen durchführen müsse. Sogar an einen Impfzwang wurde gedacht – das ist noch nicht vom Tisch. Zufall? Ich glaube nicht. Kommt mir bekannt vor. Auch Grippeimpfungen, deren Nutzen eher eine Art Lotteriespiel ist, erscheinen nun in einem neuen Licht.

Mir ist natürlich auch klar, dass, sollte an meiner eingangs geäußerten nonchalanten Vermutung etwas dran sein, die Interessengruppen hinter den Kulissen hoch pokern. Läuft alles nach ihren Plänen, werden sie bald nicht nur in Geld ersaufen, sondern auch planen müssen, wie sie die neu gewonnene Macht halten und ausbauen können, ohne als Drahtzieher in Erscheinung zu treten. Denn das wäre dann doch kontraproduktiv. So lange die große Mehrheit der Bevölkerungen hinter den Maßnahmen steht, regiert es sich quasi wie von selbst. Also gibt es ein großes Interesse daran, alle, die noch »dazwischenfunken« könnten, kaltzustellen oder sogar zu beseitigen. In der Regel werden da Rufmordkampagnen und/oder breit ausgebrachte Diffamierungen reichen, denke ich. Solche Dinge geschehen bereits, wenn vorerst auch nur in kleinem Maßstab. Wer mag, kann sich einen nachdenklich-klugen Artikel von Peter Hitchens bei der »Daily Mail« durchlesen, der auch eine kleine komische Geschichte bringt, wie womöglich am Ende der ganze Hype gerechtfertigt werden könnte (auf Englisch). Nicht, dass ich die »Daily Mail« auf einmal für eine tolle Zeitung halten würde. Aber ich kann dem nur zustimmen, was in dem Artikel steht.

Heute (1.4.20) wurde ich über einen anderen Beitrag zum Thema auf die Doku »Profiteure der Angst« hingewiesen, die Arte 2009 ausstrahlte. Darin ging es um die »Schweinegrippe« und die Verflechtungen von Pharmaindustrie, Politik und Forschung. Jemand hat dieses Video auf YouTube hochgeladen. Es ist bereits einmal gelöscht worden, und ich möchte wetten, dass YouTube das mit urheberrechtlichen Gründen rechtfertigen wird, sollte jemand danach fragen. Bei anderen Themen sieht man das mit Sicherheit aber nicht so eng. Ich habe mir die Doku eben angeschaut, und wenn ich im Geiste statt »Schweinegrippe« »Coronavirus« einsetze, könnte ich glauben, es sei brandaktuell. Der einzige Unterschied zu 2009: Die politischen, sozialen und ökonomischen Folgen, die damals noch relativ glimpflich waren, da mäßigende Kräfte und relativierende Sichtweisen rechtzeitig eingriffen, sind heute unabsehbar: Mäßigende Kräfte sind so gut wie nicht mehr vorhanden. Das Ganze läuft selbstreferentiell weiter, mit Steigerungspotential. Die Welt wird nach Covid-19 eine andere sein. Wie anders, dazu reicht meine Phantasie nicht aus. Ist das Frühjahr 2020 der Auftakt zu einem neuen 1933? Und wenn ja, wie wird das heute aussehen?

»Wie kommen wir da wieder raus?« titelt heute (2.4.20) der »Spiegel«. Eine gute Frage. Eben erst sind alle »Maßnahmen« bis zum 19. April verlängert worden, und das bundesweit. Blöd, eine Lawine loszutreten und sich dann zu fragen, wie sie denn zu stoppen wäre. Jetzt gewinnt sie erst mal noch an Wucht – auf welcher Ebene die am stärksten sein wird, muss sich noch zeigen. Auf medizinischer eher nicht. Vor Allem: Wo sich nun langsam abzeichnet, dass wir es hier gewissermaßen mit einer »Schweinegrippe 2.0« zu tun haben – wie gehen diejenigen, die hemmungslos Öl ins Feuer der Angst gegossen haben, dann damit um? Noch einen draufsetzen? Eine breitangelegte Kampagne starten, so wie die, die alles lostrat – um zu beweisen, dass man alles richtig gemacht hat? Dass es das alles wert war, um gesund zu bleiben und »um viele Leben zu retten«? Und dass nur so die Katastrophe verhindert werden konnte?

Einiges spricht dafür. Und die Bundesregierung hat schon Impfstoffe bestellt, wie auch vor 12 Jahren. Jetzt fehlt nur noch die gesetzliche Impfpflicht. Wenn wir Pech haben, wird die Impfung mehr Todesopfer fordern als Corona. Eine Impfung, die außer Geld für die Pharmakonzerne so gut wie nichts bringen wird. Das sind tolle Aussichten. Die weitaus meisten werden dabei mitmachen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Heute (3.4.20) las ich einen Artikel des Stanford-Professors Ioannidis, der erst kürzlich (am 1.4.20) eine »peer-accepted« Stellungnahme zum Thema herausgebracht hat und darin zur Mäßigung aufruft. Angst, Unwissenheit und Ungeduld seien schlechte Ratgeber, meint er, und er bemüht das Bild eines Elefanten, der von einer Katze angegriffen wird und im genervten Wegrennen vor ihren Angriffen aus Versehen in eine Schlucht stürzt. Interessant übrigens – auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen werden vorsichtige Zweifel geäußert. Es geht dabei vor Allem darum, dass nach wie vor keine neutralen, belastbaren Daten vorliegen, und dass das RKI offenbar auch kein nennenswertes Interesse daran hat, solche zu erlangen. Und der Spiegel zum Beispiel ist zur Zeit nach wie vor ganz »auf Linie«, genauso wie der Guardian. Na, nicht so ganz: In einem Gastkommentar stellt René Schlott die Frage, ob wir uns womöglich bereits in Richtung auf einen Polizeistaat bewegen. Er nennt ein paar Beispiele, die für viele stehen mögen. Ich finde es gut, dass solche Überlegungen laut geäußert werden! Bitte, bitte, bitte mehr davon! Vielleicht kriegen wir dann ja noch die Kurve von einem emotionalen zu einem mehr pragmatischen Umgang mit der Situation. Zum Anerkennen von Gegebenheiten, die wir bislang stillschweigend und selbstverständlich hingenommen haben und die wir auch in Zukunft nicht werden ändern können. Der Tod wird uns auch weiterhin irgendwann ereilen – ob wir uns nun darüber aufregen oder nicht.

4.4.20 Es wird nachgelegt, trotz sich mehrender Zeichen, dass wir einem Phantom nachjagen. Inzwischen sind in allen Bundesländern Bußgeldkataloge in Kraft, um Verstöße gegen die Maßnahmen zu ahnden. Eine erste Ahnung von Polizeistaat weht durchs Land. Und die Maßnahmen sind ja verlängert worden. Es fängt also eigentlich gerade erst richtig an. Wird der Geist wieder in die Flasche zurückkehren? Und wenn ja, wann? Wie gut stehen die Chancen, dass er das so ohne Weiteres tun wird? Auf Zuruf oder Fingerschnippen gewissermaßen? Das, was ich sehe, wenn ich einkaufen gehe, lässt mich inzwischen das Schlimmste befürchten. Falle ich jetzt selbst der Furcht zum Opfer, wenn auch einer anderen als die meisten? Ich will es nicht mehr ausschließen. Eben las ich etwas, das sich mit meinen Erfahrungen aus der Pflege meiner alten Eltern und dem ärztlichen »Hintergrundrauschen« aus meiner Kindheit deckt. Eine langjährige Krankenschwester, jetzt im Ruhestand, schreibt über eine Art Paradigmenwechsel in der Krankenpflege, und nicht nur dort, in den letzten Jahrzehnten – leider überwiegend in eine Richtung, die sie bedenklich findet. Ich kann ihr da nur zustimmen und wünsche mir, dass sich mein eigener Tod würdevoller ereignet als das, was sich jedes Jahr vieltausendfach in Heimen und Krankenhäusern abspielt.

Eine bekannte Medizinrechtlerin, die bekannte Heidelberger Fachanwältin für Medizinrecht Beate Bahner, will gerichtlich gegen die Corona-Maßnahmen der Baden-Württembergischen Landesregierung (und die des Bundes) vorgehen, die sie für verfassungswidrig hält. Ich bin gespannt, was daraus werden wird. Und was passiert, wenn ihre Klage abgelehnt wird – oder aber auch durchgeht? Egal, wie das ausgehen wird – das wird spannend. Auch in diesem Artikel der deutschen Ausgabe der »Medical Tribune« wird die Vermutung geäußert, dass die große Infektionswelle vermutlich längst »durch« ist.

Ich bin zunehmend an Goethes Geschichte vom Zauberlehrling erinnert, die ich eben, am 5.4.20, wieder las: Der Zauberlehrling ist allein im Haus, der Meister ist unterwegs. »Muss doch mal meine Tricks ausprobieren!«, meint der Lehrling und befiehlt dem Besen, ihm Wasser zu holen und die Badewanne zu befüllen. Der Besen bildet daraufhin Kopf, Arme und Beine aus und beginnt, Eimer nach Eimer heranzuschleppen und in die Wanne zu gießen. Bald ist die Wanne jedoch fast voll, und der Lehrling befiehlt dem Besen aufzuhören. Doch es ist der falsche Zauberspruch, und der Besen holt weiter Wasser. Die Wanne ist inzwischen längst übergelaufen und immer größere Teile des Hauses sind bereits geflutet, da greift der jetzt ziemlich verzweifelte Lehrling zu einer Axt und haut den Besen in zwei Teile – nur um ansehen zu müssen, dass nun beide Hälften des Besens Wasser heranschleppen und alles nur noch schlimmer wird. Immerhin kommt gerade noch rechtzeitig der Meister zurück, der das Dilemma sieht und mit dem richtigen Zauberspruch die beiden Besenhälften stoppt.

Warum ich diese Geschichte zitiere? Irgendwelche Zauberlehrlinge (sprich Interessengruppen) haben es geschafft, praktisch das gesamte öffentliche Leben lahmzulegen – mit einer geschickten Panikkampagne, die wohlorchestriert war (und ist) und wie der Zauberspruch des Lehrlings nach wie vor bestens funktioniert. Im Gegensatz zu vor über zehn Jahren, wo besonnene Kräfte die Aktion im Anfangsstadium stoppten, ist sie diesmal ein voller Erfolg. Die große Mehrheit der Bevölkerungen glaubt an das, was ihnen gesagt wurde, ja viele wünschen sich noch entschiedenere Maßnahmen, beklagen, dass man »zu lange gewartet« habe.

Doch wie lässt sich der »Zauber« wieder stoppen? Wo ist der Meister, der das kann (und will)? Und wer werden danach die »Schuldigen« sein? Irgend jemand wird wohl am Ende für die Katastrophe, die sich da anbahnt, verantwortlich gemacht werden. Sündenböcke waren schon immer ein probates Mittel, Wut der Mehrheit zu kanalisieren und sie idealerweise auf die den Mächtigen missliebigen Personen oder Gruppen abzuleiten. Wenn es für die Mächtigen gut läuft, werden das alle sein, die an ihren Maßnahmen und Mitteln gezweifelt haben. So schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe. Doch wie werden sie das einfädeln? Und wer wird zu den Schuldigen gehören? Und was wird mit diesen geschehen? Werden sie »nur« diffamiert und aus dem öffentlichen Leben »entfernt«, oder geht das einen Schritt weiter? Fragen, Fragen …

8.4.20 – Die Dinge bleiben diffus, mit ein paar erkennbaren Umrissen. So hat zum Beispiel das dänische Parlament am 2. April ein Gesetz verabschiedet, das das Zeug hat, öffentliche Debatten von unerwünschten Inhalten »zu befreien«. Das betrifft vor Allem auch die Diskussion um Corona. Seitdem ist es möglich, Webseiten mit von der öffentlichen Linie divergierender Meinung abzuschalten und Personen, die diese Meinungen äußern, mit Geldstrafen und bis zu acht Monaten Haft zu belegen. Auch dürfen staatliche Stellen wie die Polizei oder die Gesundheitsbehörden nicht mehr öffentlich kritisiert werden. Interessant in diesem Zusammenhang wäre auch, inwieweit die Seite »Euromomo«, die in Dänemark gemacht wird, in Zukunft noch verlässlich bleibt. Die Versuchung wird irgendwann kommen, die Angaben dort mit dem offiziellen Narrativ »abzugleichen« – wenn  nicht jetzt, dann bei der nächsten »Runde«. Sollte das geschehen, wäre das ein letztes Indiz für den Tod der Demokratie in Europa, wie wir sie bislang kennen. Doch es gibt auch Bestrebungen in der Öffentlichkeit selbst, nicht nur in Dänemark, die Deutungshoheit der gängigen Diktion zu verteidigen. Die Wendung »Covidiot« habe ich zwar bei uns noch nicht gehört, die Haltung, die sie benennt ist mir aber geläufig: Alle, die an dem allgemeinen Konsens zweifeln, seien verantwortungslose, über Leichen gehende Spinner. Egoistische Verräter eben, der ganz rücksichtslosen, herzlosen Art. Das ist ein Totschlagargument, das jegliche Diskussionen bereits im Keim erstickt, oft noch gekoppelt mit »Verschwörungstheorie!«, um noch einen draufzusetzen. Aber auch wenn ich eine Verschwörungstheorie höre, und davon gibt es in allen Bereichen viele, sehe ich keinen Grund, warum ich mich nicht damit auseinandersetzen sollte. Selbst im größten Stuss steckt in der Regel zumindest ein Körnchen Wahrheit. Doch mit dem Ruf »Verschwörungstheorie!« ist die Diskussion heute meistens beendet, bevor sie überhaupt angefangen hat. Auch das ist etwas, das mir zunehmend Angst macht. Alle wissen, ich weiß nicht. Keine Chance heute. In der NZZ war gestern ein Gastkommentar des Philosophen Giorgio Agamben, der darüber sinniert, wie sich das mit dem »Social Distancing« im Rahmen der Maßnahmen weiterentwickeln könnte. Er meint, mit dem Entstehen einer passiven Masse sozial distanzierter Menschen hätte der heute zur Schau gestellte Hyperindividualismus nichts zu tun. Ich möchte ihm da teilweise widersprechen. Für mich hat es sehr wohl mit dem Hyperindividualismus und dem narzisstischen Streben nach »besonders Sein« zu tun, aber eben auch damit, dass Selbstwahrnehmung (bzw. Selbstbild) und Realität eklatant auseinanderklaffen. Das, wie sich die Einzelnen offenbar subjektiv sehen und das, was sie (aus meiner Sicht zumindest) von Außen betrachtet sind, lässt mich an so was wie einen kollektiven Realitätsverlust denken. Bei den Männern hat sich, zumindest bei denen unter, sagen wir, fünfzig, der coole Hipster als Rollenmodell durchgesetzt. Und fast alle Frauen, inzwischen auch viele deutlich über fünfzig, laufen in diesen hautengen Hosen rum. Es gibt noch mehr gemeinsame Merkmale, doch das sind die für mich augenfälligsten. Es ist, als hätte es jemand befohlen, und alle machen es. Gleichzeitig ist da ein fast einhelliger, unbedingter Glaube an das eigene besonders Sein: Eine Masse, die fest davon überzeugt ist, aus lauter IndividualistInnen zu bestehen, die zudem alle ganz genau wissen, wo’s lang geht. Womöglich ist das eine (zugegeben sicher unvollständige) Erklärung dafür, dass ohne nennenswerten Widerstand oder Gegenrede mit einem Mal unsere lange erkämpften demokratischen Grundregeln einfach abgeschaltet wurden, obwohl schon da klar war, dass man davor besser einen Moment länger hätte nachdenken sollen. Ich mache mir da keine Illusionen: So lange die große Mehrheit so von sich selbst absorbiert ist wie bisher und sich unverdrossen dem Kult ihres Image und ihrer eigenen Großartigkeit hingibt, ist kaum mit nennenswertem Widerstand zu rechnen. Und obwohl inzwischen hier und dort ganz leise Zweifel zu hören sind, glaubt die große Mehrheit nach wie vor dem offiziellen Narrativ. Es wird einfach in das eigene Selbstbild integriert. Und weil es von Anfang an viel mehr offene Fragen denn endgültige Antworten gab, deswegen tippe ich hier ins Leere. Womöglich werde ich es brauchen, es nachlesen zu können, bevor diese Seite abgeschaltet wird – aber eher nicht von mir selbst. So lange jedoch ich selbst im Wesentlichen der einzige Besucher der Seite bin, wird es wahrscheinlich noch eine Zeit dauern, bis das geschieht. Aber: »Mer waas es net!«, säscht mer uff hessisch.

Das mit dem »kalten Putsch« hatte ich eigentlich eher als lautes Nachdenken formuliert. Doch eben schaute ich noch mal bei »Spiegel Online« vorbei, und da stockte mir doch der Atem: Gegen die Juristin Beate Bahner wird ermittelt – sie soll öffentlich zu Verstößen gegen die Corona-Verordnungen aufgerufen haben! Gar zu Demonstrationen, die laut ihrem Antragstext sogar angemeldet werden sollten! Also demonstrieren, auch angemeldet, das geht gerade gar nicht! Wo sind wir denn? Recht und Ordnung haben absoluten Vorrang! Das Staatsschutzdezernat der Karlsruher Kripo ermittelt, weil da demokratische Rechte eingefordert werden. Das sind polizeistaatliche Herangehensweisen! Es hat mit dem Grundgesetz nichts mehr zu tun. Mich erschreckt vor Allem die Haltung, die sich hier offenbart. Hier handelt eine Instanz, die sich ihrer Sache sehr sicher ist, und ich werde den Eindruck nicht mehr los, es gehe nun schon längst nicht mehr um das Virus. Das ist eine Machtdemonstration. Hier soll eine juristische Vorgehensweise zerstampft werden, die uns (oder zumindest mir) bis vor Kurzem noch selbstverständlich schien. Es scheint eine Haltung auf, die auch dann weiter Bestand haben wird, sollten die Maßnahmen irgendwann aufgehoben werden.

Auf der Seite ist eine Online-Abstimmung. Ich habe das mal gemacht. Die Frage war: Soll Deutschland die Ausgangsbeschränkungen bald lockern? Die Abstimmungsextreme waren »Ja, es muss bald ein Ende geben« und »Nein, dafür ist es noch zu früh«. Zum Zeitpunkt hatten knapp 30.000 Leute abgestimmt. Zwei Drittel (66 Prozent) waren auf der Seite von »Nein, dafür ist es noch zu früh«. 10 Prozent waren indifferent, und 24 Prozent waren auf der Seite »Ja, es muss bald ein Ende geben«. Diejenigen, die hier das Sagen haben, können sich also auf eine satte Zweidrittelmehrheit stützen, zu Gunsten weiterer Maßnahmen. Die werden, so wie es derzeit aussieht, auch kommen. Der Kaiser ist nackt, aber die große Mehrheit feiert seine tollen Kleider. Das ist eine Aufforderung zur Diktatur. Ich habe die Befürchtung, dass es genug Leute an den entsprechenden Stellen gibt, die diese Aufforderung dankbar annehmen werden.

Ich recherchiere weiter – innen und außen. Pepe Escobar hat ein paar interessante Gedanken veröffentlicht. Nein, wieder nicht »die Wahrheit«, aber ein paar wichtige Denkanstöße und ergänzende Recherchen. Und eben fand ich noch etwas, das mir doch die Spucke verschlägt: Beate Bahners Webseite ist möglicherweise abgeschaltet worden! Nun, sie ist zur Zeit nicht mehr erreichbar (9.4.20, 16:30). Es kommt »Fortbidden – you don’t have permission to address this resource«. Ich bin leider kein Fachmann – es könnte also auch sein, dass diese Meldung durch Überlastung des Servers zustande kommt. Manchmal stehen Fehlermeldungen ja für etwas Anderes als das, was sie aussagen. Ich fürchte aber – das muss ich jetzt mal so ausdrücken –, dass sie abgeschaltet wurde, und vermutlich nicht von ihr selbst. Da mag sich jede/r eigene Gedanken dazu machen. Erst ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen staatsgefährdender Aktivität, dann wird die Seite abgeschaltet. Dabei geht es nicht um terroristische Aktivitäten (nun, zumindest ich sehe das so), sondern um die Wahrnehmung eines bislang gültigen demokratischen Grundrechts. Das ist jetzt der Grund für … Bitte selbst ergänzen.

Es ist immer interessant, Gedanken von anderen Leuten, die recherchieren nachzulesen. Nicht weil ich glaube, dass ich dort die ultimative Wahrheit finde (bitte die laufende Wiederholung entschuldigen), sondern weil sie oft Links und Hinweise zu direkten Quellen enthalten, die mich zum Nachdenken anregen. Die das Gesamtbild vervollständigen und neue Aspekte hineinbringen, ja manchmal die Dinge in ganz neuem, unerwartetem Licht erscheinen lassen. Pepe Escobar lässt mich nicht nur nachdenklich über das Chinesische Kontrollsystem der »Sozialpunkte« zurück, das ab 2014 in verschiedenen Großstädten Chinas eingeführt wurde, sondern erneut auch über die WHO und ihren größten privaten Geldgeber, die Bill und Melinda Gates-Stiftung. Ich gehe nicht mal davon aus, dass letztere grundsätzlich »böse« ist, sondern dass eine ganz bestimmte Weltsicht, die Bill Gates und viele andere führende Personen vertreten, sich hier ungebremst austoben kann. Diese ist so was wie die radikale Version dessen, an was die überwältigende Mehrheit weltweit glaubt – quasi die Weltreligion der Moderne. In einem Video, das in obigem Artikel verlinkt ist (konkret dort ab ca. 34:15), umreißt Bill Gates das so: Er sieht die Lösung darin, eine Ausbreitung des Virus mit radikalen Maßnahmen zu stoppen und die Infektionsrate bei maximal einem Prozent der Bevölkerung zu halten. Dann spricht er noch davon, als nächste Maßnahme Zwangsimpfungen einzuführen. Weiter sei es natürlich wichtig, mittels strenger Kontrollen sicherzustellen, wer denn wohin reisen darf und wer nicht. Wohl gemerkt – wir sprechen hier nicht von der Pest oder von Ebola, sondern von einer Variante eines Erkältungs- bzw. Grippevirus. Also von etwas, das es immer schon gab und das es in immer neuen Varianten weiterhin geben wird. Die Erkenntnis, dass es dabei an einem bestimmten Punkt eine »Herdenimmunität« geben wird, sich das also irgendwann immer von selbst erledigt, wird von ihm nicht mal angedacht. Er weist sie mit seiner Herangehensweise sogar implizit zurück. Es geht ihm um das Prinzip Kontrolle – des Virus, aber auch der Menschen, die damit in Berührung kommen. Das ist ein sehr moderner Ansatz, der jegliches Akzeptieren von bislang natürlichen Gesetzmäßigkeiten und Grenzen zurückweist: Der Mensch hat alle Möglichkeiten, ist der alleinige »Bestimmer« – »The Sky is the Limit«. Jede/r mag sich dazu eigene Gedanken machen. Das ist ein Thema, das weit über die aktuelle Situation hinausweist und praktisch jedes Detail unseres Lebens, unserer menschlichen Erfahrung durchdringt.

Inzwischen (10.4.20) mehren sich Anzeichen, dass hier Dinge im Gange sind, die weit über den Anlass als Solchen hinausgehen. Vielleicht ist es ja inzwischen gut, Daten zu sammeln und zu verstecken, um sie vor Polizeizugriff zu schützen? Aber die hat ja solche Hunde, die Elektronik erschnüffeln können – also zum Beispiel versteckte Festplatten, USB-Sticks und Speicherkärtchen. Vielleicht sollte ich mir schnell eine Katze anschaffen, um den Hund zu irritieren? Aber das ist ja auch verdächtig: Ich müsste mich womöglich rechtfertigen, wo ich in Zeiten der Ausgangssperre auf einmal eine Katze her habe … Und außerdem – das wäre ja Katzenmissbrauch …

Toll – 3Sat hat den Mut, einen vorsichtig kritischen Beitrag zu senden. Dabei wird nicht mal das Narrativ der gefährlichen Krankheit als Solches in Frage gestellt. Sondern es geht darum, wieso selbst Demonstrationen verboten werden, deren Teilnehmer den vorgeschriebenen Abstand zueinander halten. Bin gespannt, ob dieser kurze Beitrag weiterhin verfügbar sein wird, sollten sich die Dinge zuspitzen. 

Der Antrag von Beate Bahner vor dem Verfassungsgericht ist abgelehnt. Das war den Umständen nach zu erwarten. Ich bin kein Jurist, doch habe mir die Begründung, die auf ihrer Webseite nachzulesen ist, mal angeschaut. Ich verstehe längst nicht alles, aber was ich verstehe, lässt mich sprachlos zurück. Ich habe immer viel auf das Bundesverfassungsgericht gehalten. Doch für mich bleibt nun der bittere Nachgeschmack, dass hier offenbar jemand mit ein paar juristischen Floskeln abgebügelt wurde. »Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung hat keinen Erfolg. Er ist unzulässig.« Unzulässig? Ich hätte es verstanden, wenn man den Antrag aus Gründen der öffentlichen Sicherheit abgelehnt oder zumindest vertagt hätte. Doch ganz zu Letzt kommt noch: »Diese Entscheidung ist unanfechtbar.« Nein, es ist nicht, dass der Antrag abgelehnt wurde. Es ist, wie er abgelehnt wurde, was mich entsetzt. Mir drängt sich ein schlimmer Verdacht auf: Auf eine Weise haben wir es jetzt amtlich, vom höchsten Gericht dieses Landes, das die Verfassung schützen sollte. Sollte. Das ist Geschichte. Ich muss erst mal verarbeiten, was das bedeutet. Im Moment komme ich da innerlich noch nicht mit. Frau Bahner hat aus alldem die Konsequenzen gezogen: Sie war über 25 Jahre als Anwältin tätig. Nun hat sie mit dieser Entscheidung ihre Anwaltszulassung zurückgegeben. Ich kann das gut verstehen. Sie glaubte an dieses Land, an einen demokratischen Rechtsstaat. Der ist seit heute quasi von höchster Stelle suspendiert worden. Unter diesen Umständen noch Anwältin zu sein macht keinen Sinn mehr.

Halb aus Recherche, halb aus Neugierde habe ich mir dann noch zeitversetzt die Tagesschau von heute Abend 20 Uhr angesehen. Frau Merkel wird kurz mit einer Adresse gezeigt. Sie bekräftigt, dass man die Maßnahmen jetzt entschlossen weiterführen müsse, um deren Erfolg nicht zu gefährden. Und dann über die Hälfte der Sendung Horrormeldungen – aus den USA und aus Ecuador. Totenzahlen, Särge, weinende Menschen. Helfer in Schutzanzügen. Notdürftig abgedeckte Tote auf den Straßen und in Wohnräumen. Kurzum, dystopische Zustände. Doch keinerlei Kontext, keine Hintergrundinformation. Nur diese Bilder, die es ja so ähnlich auch aus Italien gab. Es hätte nur noch gefehlt: »Sehet, der Untergang ist nah!« Das schwang jedoch implizit mit. Deeskalation der Lage, Besonnenheit – oder gar eine relativierende, umfassende Berichterstattung, die mir als Zuschauer eine einigermaßen realistische Einschätzung der Lage ermöglichen würde? Fehlanzeige. Ich kann zwar sagen, was ich auf dem Bildschirm gesehen habe. Doch wo wurde das aufgenommen? Was passiert da? Und gibt dies zumindest ansatzweise das Geschehen im Kontext wieder? Ich weiß es nicht. Nach allem, was bislang geschehen ist, fürchte ich, dass mir da Propaganda vorgesetzt wurde – Bilder, vor mich hingeworfen wie ein Fetzen rohes, blutiges Fleisch.

Beim Scheißen (so wie eben, am 11.4.20) kommen mir regelmäßig die besten Gedanken. Nicht umsonst bin ich womöglich ein Meister des eruptiven Scheißens. Es hat etwas sehr Kreatives.

Ich habe dabei noch mal die Eindrücke von gestern in mir Revue passieren lassen. So was wie die Tagesschau von gestern Abend sollte ich nur in winzigen Dosen konsumieren. Es ist wie eine riesige Nebelkerze, ja ein Trommelfeuer (ich muss hier mal diesen militärischen Ausdruck bemühen) auf meine Sinne, meine Gefühle. Der Nebel behindert mein klares Denken und Sinnieren, das Trommelfeuer treibt mir das Adrenalin in den Körper, fast so wie zu viel Kaffee oder ein packender Film. Und noch etwas kam mir: Hier war von Anfang an von einer Epidemie, einer Seuche, einer Pandemie die Rede. Das mag ja nach den neuen Definitionen der WHO stimmen (sie wurden 2008 nach unten geändert, siehe oben), doch es löst in mir sofort eine bestimmte Art von Angstreaktion aus. Etwas, das das Zeug hat, mir den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben. Wäre jedoch von Anfang an von der »Coronagrippe« die Rede gewesen – etwas, das nach allen bisherigen Erkenntnissen sehr viel näher an das herankommt, was es ist –, so würde ich denken: »Ah, eine neue Grippewelle. Kann sein, dass ich krank werde. Aber die Chance daran zu sterben ist eher gering. Hatten wir schon ein paar Mal. Aufpassen, Hände waschen.« So ist alleine schon durch die Wahl der Begrifflichkeit eine psychische Dynamik vorgegeben. Eine Dynamik, die jetzt im Zusammenhang mit dem medialen Dauerbombardement und dem Unterdrücken von allen besonnenen, relativierenden Statements eine ungeheure, lawinenartige Entwicklung losgetreten hat. Ja, wir sehen das Zusammenbrechen von maroden öffentlichen Gesundheitssystemen, die schon im »Normalzustand« am Limit waren. Pardon – aber es wäre unsere verdammte Pflicht, als reiches Land, das zum Teil sogar eine Mitschuld an diesen Zuständen trägt, schnellstens finanziell sowie mit Material und Personal Hilfe anzubieten. Doch damit tut man sich sogar innerhalb der EU schwer. Vor Allem der kaputtgesparte Süden der EU hat das nun auszubaden – »selbst schuld«. Dafür finde ich nur ein Wort: zynisch.

Ein kleiner Lichtblick: Bei »Markus Lanz« vom 9.4.20 wurde doch in der Tat eine Lanze gebrochen für einen besonderen Umgang mit den Dingen, und vor Allem für ein Akzeptieren von Vorgängen, die wir nicht ändern können, nur mildern und bedingt steuern. Es kam wieder Professor Streeck zu Wort, diesmal noch engagierter als in der ersten Sendung vor einer Woche, und mit vor Allem in den Nebensätzen sogar sensationellen Äußerungen – zumindest im Hinblick auf das nach wie vor andauernde Trommelfeuer der Horrornachrichten. In eine sehr ähnliche, ja in mancher Hinsicht sogar noch radikalere Richtung argumentierte der Hamburger Pathologie-Professor Püschel, der im Gegensatz zur RKI darauf besteht zu untersuchen, ob jemand an Corona oder mit Corona gestorben ist. Von ihm stammt der inzwischen berühmte Satz, in Hamburg sei noch niemand ausschließlich an Corona gestorben. Dass diese Dinge im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zur Sprache kamen, finde ich mutig. Ich hoffe, dass beide Professoren auch noch ihre Stellen innehaben, wenn das alles sich mal beruhigt hat. Auch die beiden anderen Studiogäste, der Unternehmer und Manager von Hannover 96, Martin Kind, und der Dokumentarfilmer und Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens, sagten interessante und wichtige Dinge zum Thema. Damit hätte das eine brillante Sendung sein können inmitten all der Panikmache und eines de facto Meinungsmonopols, das nach wie vor die Medien beherrscht. Doch dann kam Frau Hilsenbeck per Videoschalte dazu, die Italienkorrespondentin in Rom. Sie erzählte so, dass all die Horrormeldungen aus Italien wieder aufschienen und bekräftigt wurden –  ohne auch nur eine einzige Andeutung(!!), dass es für dieses Drama bestimmte Gründe gibt. Also, dass das alles nicht einfach durch bösen Zauber oder die Gefährlichkeit des Virus so gekommen ist. Damit wurde indirekt ein großer Teil des vorher Gesagten wieder zurückgenommen, mit dem Standardnarrativ zugekleistert. Vielleicht war dieser Auftritt ja die Bedingung, dass die Sendung überhaupt in dieser Form gemacht werden konnte. Falls ja, fände ich das doppelt traurig. Immerhin kamen hier erstmals ausführlich und ausdrücklich kritische Stimmen anderer renommierter Wissenschaftler  zu Wort, nicht immer nur Herr Wieler und Herr Drosten. Schade finde ich es trotzdem, dass am Ende doch wieder auf die alte Panikmache zurückgegriffen werden musste, um das Ganze für die Politik nicht zu brisant werden zu lassen. Ich hoffe nur, dass das Video auch weiterhin auf YouTube verfügbar bleibt und das ZDF es nicht auf politischen Druck hin wieder zurückzieht.

Nun, ich habe es nicht überprüft – es scheint aber noch online zu sein, heute, am 15.4.20. Bis gestern war es bereits 4,4 Millionen Mal angeschaut worden. Ich hatte in meinem Freundeskreis darauf hingewiesen, weil es eben auch für Leute, die alles außerhalb der »offiziellen« Kanäle quasi automatisch für unseriös, gar Fake News halten. annehmbar ist. Immerhin war es ja im ZDF. Und ja, dieser Verdacht ist nicht ganz unberechtigt. Ich kenne das auch. Doch selbst hier im ZDF sehen manche Mitmenschen Propaganda und Fake News, denen man ein Sprachrohr gegeben hat. Selbst vorsichtige Zweifel aus durchaus berufenem Munde sind ihnen äußerst suspekt. Mir scheint, es ist ein wichtiger Unterschied, ob du an das Gesamtnarrativ glaubst, es für schlüssig hältst. Dann sind alle Einwände dagegen, die es auch nur bedingt in Frage stellen irrelevant, ja gefährlicher Quatsch, und seien sie bei genauem Nachdenken auch noch so berechtigt. Umgekehrt, wenn du das Gesamtnarrativ im Wesentlichen als Konstrukt, ja als Täuschungsmanöver betrachtest, dann ist die Skepsis sehr, sehr groß. Was das Ganze so vertrackt macht: An vielen Stellen werden hier Achtel-, Viertel-, und Halbwahrheiten eingebracht und verquirlt. Dazu kommt noch der Effekt, dass Ereignisse, die du ohne Kontext betrachtest, dich fast immer zu völlig anderen Schlüssen und Beurteilungen bringen werden. Es bräuchte also die Bereitschaft, mit diesem Umstand klar zu kommen. Diese sehr durchwachsene Soße handhaben, aushalten zu können, ohne entweder alles unreflektiert anzunehmen oder alles unreflektiert abzulehnen. Bin ich jemand, der so was kann? Ich weiß es nicht.

Gestern hatte man Frau Bahner verhaftet und in die Psychiatrie gebracht, die sich praktischerweise in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihrer Anwaltskanzlei befindet. Heute ist sie wieder auf freiem Fuß und wird am Nachmittag eine Anhörung der Staatsanwaltschaft wahrnehmen. Bin gespannt, was sie zu berichten hat.

Über Bill Gates und die Stiftung, die er zusammen mit seiner Frau leitet, hatte ich ja oben schon geschrieben. Nun wurde er gestern Abend in den »Tagesthemen« per Videoschalte interviewt. Der Mann hat sicher so was wie ein Sendungsbewusstsein. Doch welches »Wir« meint er, das er mehrmals verwendet? Er spricht davon, jeden Erdenbürger schon bald gegen diese furchtbare Seuche zu impfen und dann weiter immer neue Impfstoffe für die Zukunft zu entwickeln. Doch welche Zukunftsvision, welches Bild der neuen Welt hat er, einer Welt, die er helfen will zu erbauen? Ist das eine Welt, die auch ich mir wünschen würde? Nach allem, was ich über seine Pläne weiß, ziemlich sicher nicht. Und gleichzeitig ist mir klar, dass er für seine Pläne und Ideen zumindest in der westlichen Welt eine satte Mehrheit hinter sich weiß. Er spricht davon, dass sich die Menschen in seiner neuen Welt verbrüdern und zusammenrücken werden. Wahrscheinlich ja – zumindest die, die »mitmachen«.

Wie geht es weiter? Das soll heute oder morgen entschieden werden. Da inzwischen mehr Unruhe ist, wird das spannend. Doch was, wenn der Ummut der Mehrheit, die immer noch an das Narrativ glaubt, auf die Minderheit gelenkt wird, die zweifelt? Die Minderheit, die den Erfolg der Maßnahmen gefährdet, indem sie nicht oder nur widerwillig mitzieht? Diejenigen, die letztlich Leben gefährden, ja indirekt zu Mördern werden, indem sie die Gesundheit aller, aber vor Allem die Älterer böswillig aufs Spiel setzt? Im »harmloseren« Fall wird diese Mehrheit staatliche Zwangsmaßnahmen dulden oder sogar gut finden – Beispiel Beate Bahner. Im schlimmeren Fall werden Teile der Mehrheit die Dinge »selbst in die Hand nehmen«. Denunziation ist da die harmlose Variante. Im schlimmeren Fall werden »Exempel statuiert«, von der Polizei bestenfalls halbherzig verfolgt, womöglich sogar geduldet. Lynchjustiz als neuer, womöglich irgendwann selbstverständlicher Teil unseres Lebens?

Nun, das sind ein paar Gedanken, die mich so insgeheim beschleichen. Eher etwas, das in der näheren Zukunft passieren könnte. Doch wie geht es mittel- und langfristig weiter? Dazu habe ich mir eben ein Video bei »The Corbett Report« angeschaut. Wer jetzt abwinkt und sagt: »Ach, eine von den vielen Seiten mit Verschwörungstheorien!«, könnte Recht haben. Könnte. Ich hoffe es sogar. Ich bete darum, obwohl ich so was eigentlich seit meiner Jugend nicht mehr mache. Denn das, was ich mir da eben angeschaut habe, ist … mit Sicherheit nicht »Die Wahrheit«. Aber etwas, das mich erschaudernd und mehr als nachdenklich zurücklässt. Das hat Hand und Fuß, doch wäre ich naiver und weniger nachdenklich, könnte ich das leicht als Quatsch zurückweisen. Geht leider für mich nicht so einfach. Dazu habe ich mich schon zu sehr mit den Dingen beschäftigt. Dazu bin ich zu alt und noch von einer analogen Zeit geprägt. Um es kurz zu machen: Es geht um die Einführung eines Systems totaler Kontrolle jedes Einzelnen. Wer das nicht glaubt, kann sich dazu eine Doku des WDR anschauen – so weit sind wir davon nicht mehr weg. In der VR China ist das schon jetzt in den großen Städten und bei der Beherrschung der Uiguren zu »bewundern«. Und der Hebel, der Schlüssel dazu ist diese »Pandemie«, die den Leuten das Einverständnis dazu leicht macht. Sie werden das mehrheitlich als eine Verbesserung ihrer Sicherheit wahrnehmen.

Komme gerade (16.4.20) vom Einkaufen zurück. Nein, vor diesem Volk brauchen die Mächtigen in diesem Land keine Angst zu haben. Man muss ihnen nur gut »verkaufen«, was geschehen soll, wie sie die Dinge sehen sollen, und sie machen genau das Gewünschte. Diese Besessenheit, alles unter Kontrolle zu haben lässt zusammen mit dem »Star-Status eines Jeden« (Bodo Kirchhoff) jegliche anderen Sichtweisen auf das Leben irrelevant werden.

Die Frage ist, was mit der kleinen Minderheit passieren wird, die sich immer noch weigert anzuerkennen, dass der Kaiser in prächtigen Kleidern wandelt. Das Praktischste wäre, sie einer Mischung aus öffentlichem und staatlichem Druck auszusetzen. Das passiert gerade. Auch mich beschleichen hin und wieder Gedanken, ob nicht ich der Verrückte bin, der den Kaiser nackt sieht, und alle Anderen, also die große Mehrheit, vielleicht doch Recht haben. Denn je mehr all das Brimborium, auch und gerade das physische, zur Alltagsroutine wird, desto selbstverständlicher »erklärt« sich auch die politische Situation, die radikale Einschränkung bislang elementarer Bürgerrechte. Damit meine ich zum Beispiel das fast schon besessene Abstandhalten, die Abschirmung von Supermarktkassen und sonstigen Schaltern, die vielen MaskenträgerInnen, und, und, und. All das be- und verstärkt zusammen mit den täglichen Sensations- und Horrormeldungen das Narrativ, dass wir es hier mit einer dramatischen, extrem gefährlichen Krankheit zu tun haben. Das rechtfertigt sogar, dass die Polizei einfach so in eine Wohnung eindringen kann, um zu schauen, wer sich dort aufhält. Kein Witz – ein Freund sagte mir am Telefon, er habe das in dem Haus, wo er wohnt selbst beobachtet, und ich glaube ihm. So was hatten wir hier zuletzt in der Zeit von 1933 bis 1945. Da es keine nennenswerten Proteste dagegen gibt und legal auch nicht geben darf, könnte man das doch einfach alles so beibehalten. Wäre doch praktisch. Und nicht wenige träumen insgeheim davon.

Eben las ich einen Artikel der Times, wo berichtet wird, dass inzwischen die Totenzahlen, die erst mal nichts mit Corona zu tun haben, in England und Wales drastisch gestiegen seien. Nun, die Datenlage ist nicht einfach, das wird auch im Artikel erwähnt. Es gibt da eine Menge Unsicherheiten. Doch es ist ein Hinweis darauf, dass inzwischen womöglich mehr Menschen (vorzeitig) sterben, weil es den Lockdown gibt, als im direkten Zusammenhang mit dem Corona-Virus. Das könne zum Beispiel daran liegen, weil Menschen aus Angst vor Ansteckung nicht ins Krankenhaus gehen oder einen Arzt rufen, obwohl sie dringend Hilfe bräuchten – also etwa bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Ja, das NHS, das Gesundheitssystem in England, ist auch kaputtgespart. Das kommt bei alldem noch dazu. Diese Meldung wird auch im Artikel der Times unter Vorbehalt beurteilt, ist jedoch ein Indiz, dass die »Kollateralschäden«, gerade die in Form von vorzeitig beendeten Leben, am Ende deutlich größer werden könnten als die Probleme, die das Virus selbst erzeugt.

Ein sehr interessanter Artikel erschien in diesem Zusammenhang auch in der »Welt«. Dort schreibt Professor Homburg, Direktor des Instituts für öffentliche Finanzen an der Uni Hannover, in einem Gastbeitrag über »Schweden – Vorbild für Deutschland«. Sollte seine Feststellung stimmen, dann wäre der Lockdown in Deutschland zu spät gekommen. Denn das Maximum der Neuinfektionen wurde sehr wahrscheinlich schon Mitte März erreicht – vor dem Lockdown, der am 23. März beschlossen wurde. »Der Rückgang von Neuinfektionen und Sterbefällen hat [also] nichts mit dem Lockdown zu tun, sondern mit dem natürlichen Verlauf jeder Epidemie und den ergriffenen konventionellen Abwehrmaßnahmen wie Hygiene, Testung und Quarantäne. Schwedens Zahlen unterstreichen die Richtigkeit dieser These. Auch dort nahm die Zahl der täglichen Todesfälle erst zu, dann sank sie. Trotz des Verzichts auf einen Lockdown sieht man von „exponentiellem“ Wachstum bei den Todesfällen keine Spur. Zwar verzeichnet Schweden eine höhere sogenannte Fallsterblichkeit als Deutschland, doch sind seine Krankenhäuser keineswegs überlastet, und darauf kommt es an. Zudem werden in Schweden am Anfang der nächsten Virensaison mehr Menschen immun sein. Insgesamt erscheint die schwedische Politik sehr rational und unaufgeregt.« So was hätte ich mir auch für Deutschland gewünscht. Doch am 20. März sagte das RKI 300.000 Todesfälle hierzulande voraus. Bisher sind jedoch nur ca. 3.000 Menschen mit Corona-Diagnose gestorben, »und diese Zahl wird kaum noch wesentlich steigen.« Erst war das Kriterium für die Aufhebung des Lockdowns die Erreichung der Verdopplungsrate alle zehn Tage. Dann schob Kanzleramtschef Helge Braun nach, »wünschenswert seien zehn bis vierzehn Tage. Inzwischen beträgt die Verdopplungszeit mehr als 30 Tage. Der Lockdown besteht indes weiterhin. Und warum? Weil RKI und Politik den Indikator gewechselt haben und nunmehr die Reproduktionszahl hervorheben. Anders als die direkt messbare Verdopplungszeit hängt diese aber von unbekannten Faktoren ab; sie ist schlicht nicht überprüfbar.« Na toll. Bäumchen wechsel dich. »Damit ersetzte das RKI das Eindämmungsziel durch ein Ausrottungsziel.« Ausrotten? Ich bin medizinischer Laie. Aber selbst ich bin mir sehr sicher, dass ein hochinfektiöses Grippevirus »ausrotten« zu wollen eins der hirnrissigsten Dinge ist, die man unter unserer Sonne tun kann. Mit diesem Ansatz kann man das Ende des Lockdowns auf den Nimmerleinstag verschieben. Oder auch so: »Will man zum Start der nächsten Virensaison einen neuen Lockdown? Jedes Jahr?«, fragt der Autor. Da beschleichen mich doch glatt seltsame Gedanken: Was, wenn der Lockdown politisch gewollt war und es noch immer ist? Obwohl es offensichtlich auch ohne gegangen wäre, mit besonnenen und rationalen Maßnahmen wie in Schweden? Ein Grund weniger, das Video bei »The Corbett Report« als schiere Verschwörungstheorie abtun zu können …

Heute (17.4.20) erreichte mich über den Foodwatch-Newsletter eine Unterschriftenaktion. Dort ging es um Bayer-Monsanto, BASF und Syngenta. Laut dieser Aktion sterben jährlich ca. 200.000 Menschen an Vergiftungen durch die Pestizide, die von diesen Firmen verkauft werden – vor Allem in Afrika und Südamerika. Und das sind sicher mehrheitlich Menschen in der Blüte ihres Lebens, nicht Alte, die es letztlich schon hinter sich haben. Doch was ist schon der Tod von 200.000 Menschen, die zudem sicher nicht einfach tot umgefallen sind, sondern meist Jahre gelitten haben, bevor es »so weit war«. Na, die sind doch weit weg und zudem »minderwertig«: Was zählt schon das Leben einer Bäuerin in Brasilien oder das eines Landarbeiters in Kenia? Und man kann diese Toten auch nicht instrumentalisieren, um Angst zu schüren. Viele dieser giftigen Substanzen sind in den reichen Ländern des Nordens entweder verboten, oder deren Nutzung ist stark reglementiert. Betrifft uns also kaum. Na ja, betrifft uns doch, aber die Folgen sind bislang so diffus, dass wir über sie hinwegsehen oder sie wegreden können.

Ich hatte es wohl schon mal erwähnt: Die Grippewelle 2017 – 2018 war ungewöhnlich heftig. Sie hat geschätzte 25.100 Menschen das Leben gekostet und war laut RKI die schwerste Grippewelle seit 30 Jahren. Es soll laut RKI in der darauffolgenden Saison 2018 – 2019 3,8 Millionen Arztbesuche im Zusammenhang mit Grippe gegeben haben – und das waren weniger als die Hälfte der Saison davor! Gab es da eine Quarantäne? Einen Lockdown? Angst- und Horrormeldungen auf allen Kanälen? Meine Erinnerung mag mich täuschen, doch ich habe nichts dergleichen in Erinnerung. Wie seltsam. Kann denn meine Erinnerung mich so täuschen?

Ein Blick zu »Euromomo« zeigt, dass es vor Kurzem bei den Sterbefällen einen »Peak«, einen Höhepunkt gegeben hat. Die Todeszahlen sind zur Zeit aber wieder rückläufig. Sie liegen im Großen und Ganzen vor Allem in Ländern mit schlechten Gesundheitssystemen zur Zeit zwar deutlich über dem Durchschnitt, aber nicht sensationell darüber. Der Höhepunkt in Schweden wird in dem Artikel in der »Welt« erklärt, mit dem Hinweis, dass auch dort die Zahlen bereits wieder sinken und es sich zudem um die sogenannte Fallsterblichkeit handelt, die in der Tat derzeit höher ist als in Deutschland. Doch auch damit sind die Krankenhäuser in Schweden nicht überlastet. Trotzdem gibt es immer noch viel politischen Druck auf die schwedische Regierung, es doch endlich den anderen Ländern gleichzutun und das öffentliche Leben »abzuschalten«. Ich hoffe, dass sie weiterhin besonnen und überlegt bleiben und das öffentliche Leben weitgehend weiterlaufen lassen wie bisher. Auch als medizinischer Laie habe ich den Eindruck, so was wäre jetzt eh viel zu spät – wenn es denn je notwendig war. Interessant auch: Aus Deutschland liegen nur aus Hessen Daten vor – und die liegen im üblichen Bereich dessen, was für diese Jahreszeit zu erwarten ist. Doch es gibt keine signifikante Lockerung der Maßnahmen, im Gegenteil. Eine allgemeine Maskenpflicht ist noch nicht vom Tisch, obwohl sie jetzt so gut wie nichts mehr nützen würde – außer dafür, ein Gefühl imminenter Bedrohung zu erhalten und zu verstärken. Und irgendwann ist die »Volksgemeinschaft« reif. Zusammengeschweißt durch das Gefühl von lauernder Gefahr und Kontrollverlust darf ich gespannt sein, welche neuen Verordnungen sich dann mit Zustimmung der Mehrheit umsetzen lassen, die eh schon in der Luft liegen: Zum Beispiel die Abschaffung des Bargelds und eine obligatorische Tracking-App auf allen Smartphones. Und bei so viel dazugewonnener Sicherheit werden Stimmen, die vor den nun sehr realen Gefahren eines rundum kontrollierbaren, »gläsernen Bürgers« warnen schnell lächerlich. Denn die Leute haben ja ihr gewohntes Gefühl von Souveränität und Kontrolle wieder. Was soll also das Gequatsche? Zudem sind »gut aussehen« und »cool rüberkommen« mit Zivilcourage so gut wie inkompatibel: In dem Moment, wo Zivilcourage diese beiden Ideale nicht mehr »pimpen« kann, wird sie für fast alle indiskutabel und hat sich damit erledigt – sehr praktisch für diejenigen, die sich beim Regieren von niemandem reinreden lassen wollen.

Mir kam heute (18.4.20) beim Fahrradfahren (ein sehr kreativer Zustand, nur Scheißen ist noch besser) das Bild von den stolzen Schafen. So lange alle sich wie individualistische Könige und Königinnen, wie Celebrities fühlen (und verhalten), wird es keinen nennenswerten Widerstand geben. Irgendwer muss gespürt haben, dass die Zeit reif ist für solch eine gigantische Inszenierung, wie wir sie derzeit erleben. Ich sehe eine überwältigende Mehrheit, die sich hyperindividuell fühlt, cool und überlegen, und dabei kollektiv an bestimmte Klischees und Typenbilder angepasst ist bis zur Ununterscheidbarkeit, »so als würden die irgendwo industriell hergestellt« – ein Bild, das meinem Onkel vor vielen Jahren mal in einem Gespräch einfiel. Und an dem »industriell Hergestellt« ist was dran, wenn auch eher im übertragenen Sinne. Doch deren Accessoires sind natürlich industriell hergestellt, in gigantischen Mengen.

Dass das alles eine von bestimmten Instanzen geschickt eingefädelte und verstärkte Panikkampagne ist, wird immer deutlicher. Und es gibt noch immer so gut wie keine besonnenen – oder zur Besonnenheit mahnende – Stimmen in den Instanzen, die die Entscheidungen treffen. Wer bislang geglaubt hat, Dinge wie Zwangsimpfungen und Kontroll-Apps (die angeblich Infizierte ausfindig machen sollen …) seien Verschwörungstheorien irgendwelcher Verrückter, der lese sich den Beschluss der »Telefonschaltkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 15. April« mal genauer durch. Da steht das alles drin. Es ist somit offiziell: Das mit dem Apps kommt unter Punkt 4, die Ankündigung von Zwangsimpfungen ergibt sich aus Punkt 17. Eine interessante Sammlung von Fakten findet sich auf dieser Seite, und wer nicht völlig verblödet oder ignorant ist, sollte nach dem Lesen zumindest sehr, sehr nachdenklich werden. Auch aus juristischer Sicht ist das, was gerade passiert, mehr als fragwürdig. Ich hatte das alles weiter oben einen »kalten Putsch« genannt. Es wird immer klarer, dass es genau darauf hinauslaufen wird – bzw. schon geschehen ist. Auch in den USA gibt es Stimmen – und folgerichtige Überlegungen –, die in die gleiche Richtung weisen. Interessant finde ich, dass oft ausgerechnet konservative Publikationen (siehe die »Welt«) oder auch das konservative »Ron Paul Institute« sich kritisch äußern. Damit meine ich nicht, dass sie »Die Wahrheit« verkünden. Aber sich überhaupt kritisch zu äußern finde ich wichtig – die überwältigende Mehrheit der Medien tut es nicht, obwohl es eigentlich (zumindest in Demokratien) ihre Aufgabe wäre, wichtige Fragen öffentlich zu stellen und zu diskutieren. Doch sie tun es kaum. Und die Fronten verlaufen zwischen denen, die an das Narrativ einer Pandemie glauben, die alles rechtfertige und denen, die sich wundern, dass wegen einer besseren Grippewelle alle lange erkämpften bürgerlichen Freiheiten abgeschafft werden.

Ich frage mich inzwischen oft, inwieweit wir bereits vorher so was wie eine Pandemie allgemeiner Angst hatten, die von einer demonstrativen Selbstsicherheit und Coolness überlagert wird. Ich habe es an anderer Stelle schon mal erwähnt: Wann immer ich mal Kinder ohne Schutzhelm sehe, vor Allem beim Spielen, mache ich inzwischen einen Strich im Kalender. Das ist kein Witz. Sondern traurig. Viele, vor Allem jüngere Leute, scheinen gewissermaßen mit einem »Survival Kit« herumzulaufen. Ich staune immer wieder, was sie im Alltag so alles in ihren Rucksäcken mit sich herumschleppen. »Für alle Eventualitäten gerüstet«, scheint das Motto der meisten zu sein. Ich selbst komme mir im Vergleich dazu zuweilen regelrecht nackt vor, naiv und gutgläubig. Und abhängig – sie hingegen sind offensiv autark. Und zumindest hier in Berlin fahren bereits (geschätzte) zwei Drittel aller Radfahrer mit Helm, und der Anteil steigt weiter. »Seien wir ehrlich – Leben ist immer lebensgefährlich!«, sagte Erich Kästner mal sehr treffend. Natürlich muss jede/r für sich selbst das Risiko abschätzen und danach handeln. Doch meine Beobachtungen zeigen meiner Meinung nach einen Trend. Und je ängstlicher (bzw. sicherheitsorientierter) wir unser Leben leben, desto leichter sind wir auch für Angstkampagnen empfänglich. Deshalb thematisiere ich es hier.

Mal wieder ein Blick auf den täglichen Wahnsinn, der inzwischen immer schriller und maßloser daherkommt. »Spiegel Online« bringt heute (20.4.20) wie gewohnt viele Artikel zum Thema (was sonst?). Ich zitiere hier mal ein paar Überschriften, die das allgemeine Klima aus meiner Sicht gut einfangen. »Das Impfstoff-Duell – Ein Impfstoff ist die wichtigste Waffe gegen das Corona-Virus. Während auf der ganzen Welt geforscht wird, macht Präsident Trump aus der medizinischen Herausforderung einen Wettlauf mit dem Rivalen China.« Impfstoff. Aha. Die einzige Lösung ist Impfstoff. Warten wir ab, bis er da ist, dann wird er unbedingt gebraucht. Wehe, die Krise ist vorher vorbei. Dann: »Dresdener stehen Schlange für kostenlose Schutzmasken. Die Kanzlerin warnt aus Furcht vor Rückschlägen vor einer weiteren Debatte über Corona-Lockerungen. In Sachsen nehmen viele Bürger die neue Maskenpflicht durchaus ernst – und Bayern zieht nach. Der Überblick.« Na toll! Dann kommt bald wohl die Maskenpflicht bundesweit. Schon jetzt sehe ich viele vermummte Gesichter. Bald alle? Und ein Debattenverbot? Wer fragt, ist schon verdächtig, der Allgemeinheit, oder soll ich gleich sagen der »Volksgesundheit«, zu schaden? Und je ungeheuerlicher die Diskrepanz zwischen dem, was man uns glauben machen will und dem, was wirklich passiert, desto größer der Druck auf diejenigen, die noch nicht »glauben«: Wie kann nur jemand an all dem zweifeln? Der Kaiser trägt seine schönsten Kleider! Es ist doch so klar wie nur sonst was! Und was macht man wohl mit solchen »Gefährdern«? Diesen Verrätern und Verräterinnen? »Quarantäne« im Knast, in der Psychiatrie? Lynchen?

Weiter geht’s: »Söder kündigt Maskenpflicht in Bayern an. Ab kommender Woche gilt eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht in bayerischen Geschäften und im Nahverkehr. Außerdem kündigte Ministerpräsident Markus Söder an: Kita-Gebühren entfallen für drei Monate.« Der macht immerhin was! Söder ist beliebt. Wird er doch noch Kanzlerkandidat? Und wie toll: Eltern brauchen nicht für etwas zu zahlen. das sie nicht in Anspruch nehmen können. Ist doch superfair, oder? Okay, weiter. »Wir brauchen keine Lockerung, wir brauchen viel härtere Maßnahmen. Das ist die Überschrift des Leitartikels (!) von Rafaela von Bredow im neuen »Spiegel« (Bezahlartikel). »Die Ungeduld der Menschen wächst, die Politik debattiert über Lockerungen. Wissenschaftlich betrachtet ist das fatal, der Shutdown müsste sogar noch verschärft werden – bis wir viel mehr über das Virus wissen.« Wir wissen eigentlich längst genug. Aber wir wollen es im Grunde nicht wissen, bis wir absolute Sicherheit haben. Die gibt es aber erst am Nimmerleinstag. Im Intro des Artikels wird beschworen, dass wir wohl bis 2022 mit Kontaktsperren werden leben müssen. Na, ich hoffe, das reicht, um alle Weichen in Sinne der Interessengruppen hinter der Farce in deren Sinne stellen zu können – obligatorische Tracking Apps und viele weitere Maßnahmen, die unbedingt nötig sind inklusive. Und es kommt noch besser:

Und natürlich gäbe es auch im kleineren Rahmen gute neue Möglichkeiten: Alle, die man als »Störer«, »Querulanten« oder sonstwie Unerwünschte einstuft, die bekommen dann eben eine »besondere« Impfung. Dass die meisten von ihnen danach schwer krank werden oder sie gleich gar nicht allzu lange überleben, ist halt einfach Pech. Passiert halt. Kollateralschaden. Die große Mehrheit wird das mit einem Schulterzucken, ja wohl sogar mit einem klammheimlichen Wohlwollen registrieren. Keine »Ausländer« mehr! Keine Obdachlosen und Bettler mehr! Keine Schwulen und Lesben mehr! Womöglich sogar keine Arbeitslosen mehr! Praktisch, nicht? Löst gleich mehrere Probleme auf einmal! Dann ist endlich die Welt wieder in Ordnung. Denn wir halten zusammen! Wir sind das Volk, ein starkes Volk! Solidarisch und gemeinsam werden wir das Virus besiegen. »Verräter«, »Asoziale«, »Störenfriede« und »Saboteure« haben da nichts zu suchen. Und ich fürchte, die Mehrheit wird sich über diese Welt freuen. Diese Neue Welt wird für sie weiterhin hip, cool und selbstbestimmt sein – das ist und bleibt sie wie gehabt für alle, die brav mitmachen. Für alle »nicht Dazugehörenden« könnten jedoch düstere Zeiten anbrechen: Die Gesellschaften entledigen sich nach und nach ihres »Abschaums« aller »Überflüssigen« und »Schmarotzer«. Und diese haben dann nicht nur die staatlich-industriellen Akteure gegen sich, sondern auch die überwältigende Mehrheit der MitbürgerInnen. Hatten wir hier schon mal. Hat eine Weile gut funktioniert. Dann kam der Krieg.

Wieso ich so pessimistisch bin? Wenn wir so was verhindern wollten, bräuchten wir ein Meer von Menschen auf den Straßen. Hunderttausende. Und das nicht nur in Berlin, sondern in allen größeren Städten. Doch gerade hier in Berlin waren am vergangenen Wochenende teilweise mehr Polizisten auf der Straße als DemonstrantInnen. Ein Menetekel? Ich war dort, und das zu sehen hat mich entsetzt. Und noch mehr entsetzt mich die Gleichgültigkeit, ja Ablehnung vieler im Freundes- und Bekanntenkreis. Zwar haben mir nicht alle, die anderer Meinung sind das wütend um die Ohren gehauen. Doch mir begegnet neben unreflektierter Zustimmung zum offiziellen Narrativ viel Abwiegeln, Schönreden, Rationalisieren – wenn denn überhaupt eine Reaktion kommt. Die weitaus meisten reagieren gar nicht. Ich scheine der Einzige zu sein, den das alles wirklich beunruhigt. Alle, alle sind so coooooooooool. Ach, die Welt geht gerade unter? Was du nicht sagst. Und tschüs! Inzwischen zeichnet sich nach und nach ab, dass sehr wahrscheinlich ungleich mehr Menschen an den Folgen der »Maßnahmen« sterben werden als an/mit Corona. Und es interessiert kein Schwein.

Ein Bisschen Hoffnung macht mir, dass sich am Samstag, den 2. Mai 20 5.000 Menschen in Stuttgart zu einer Demo versammelt haben sollen. Immerhin, 5.000, wenn die Angabe stimmt. Allemal besser als die vielleicht Hundert am Samstag in Berlin. Doch ich mache mir keine Illusionen: So lange es nicht die erwähnten Großdemos gibt, wird »von Oben« sehr wahrscheinlich weitergemacht wie bisher. Und deren Agenda steht ja schon fest. Noch ist sie nicht Gesetz, doch ohne Demos wird sie es wohl bald sein. Und selbst dann würde es mich ehrlich gesagt wundern, wenn es nennenswert mehr Widerstand gäbe. Wahrscheinlich kommt dann sowieso die »zweite Welle«, und fast alle werden die Entschlossenheit der Regierung beklatschen und bei den neuen Maßnahmen mitmachen.

Wenn ich zurückdenke an die siebziger und die achtziger Jahre, wird mir schlecht. Mein bescheidenes Engagement, die Demos, auf denen ich war – das alles wirkt rückblickend lächerlich, ja wie Kasperletheater. Da wird mal so eben, fast wie nebenbei, das Grundgesetz außer Kraft gesetzt. Und nach dem, was sich da als Gesamtbild abzeichnet, hätte man mit derselben Logik bei jeder der letzten jährlichen Grippewellen den Notstand ausrufen können. Doch das hat niemanden gekümmert, auch nicht die deutlich höhere Grippe-Sterblichkeit 2017/18. Ich habe es erst durch dieses aktuelle Schmierentheater erfahren. Es war damals nirgendwo zu lesen, außer man suchte explizit danach.

Ich habe mir damals im Startbahnwald den Schädel blutig schlagen lassen. »Alles Lüge!« stand hinten auf meiner weißen Regenjacke, und vorne lief das Blut reichlich runter. Startbahn! So was aus heutiger Sicht Lächerliches! Und zur Zeit werden elementare Teile des GG außer Kraft gesetzt, und kaum jemand geht auf die Straße. Ich muss es noch mal sagen, vor Allem zu mir selbst, denn der Anlass ist so banal, so absurd, wenn ich mir den Umfang der »Maßnahmen« vergegenwärtige, und wie da unser aller Leben umgekrempelt wird: Dies ist nicht Ebola. Dies ist nicht die Pest. Nach allem, was man inzwischen ausreichend sicher weiß, ist das eine Grippeerkrankung – ja, womöglich eine von der fieseren Sorte, aber eben eine Art von Influenza. Deren Todesrate liegt in dem Bereich, den solche Erkrankungen eben haben können. Doch man hebt elementare Grundrechte deswegen auf, und es gibt keine nennenswerten Proteste. Dass die Medien dabei praktisch gleichgeschaltet sind, finde ich schlimm. Dass fast alle ohne Fragen zu stellen mitmachen, macht mich fassungslos. Interessant ist aber, dass schon ganz leichter Gegenwind unseren Gesundheitsminister zurückrudern lässt, was seine Pläne angeht!

(5.5.20) Denn Fragen gibt es reichlich, auch wenn sich seit Längerem bestimmte Beobachtungen im Großen und Ganzen bestätigt haben. Mich nervt daher dieses sture Herumreiten auf Details, das Fehlen eines halbwegs sachlichen, öffentlichen Diskurses, das gedankenlos Selbstreferentielle der überwältigenden Zahl der großen öffentlichen Medien. Jeglicher ernsthafte Zweifel, jeglicher Aspekt, der der herrschenden Lehrmeinung nennenswert widerspricht wird sofort als »Verschwörungstheorie« und »Fake News« abgekanzelt. Und selbst wenn ein erfahrener alter Mediziner wie Dr. Wodarg nicht bis ins letzte Detail Recht haben sollte (was nach menschlichem Ermessen sicher der Fall ist), so trifft das, was er zu sagen hat, wohl doch den Kern der Sache gut. Und darauf käme es aus meiner Sicht an. Statt sich in zum Teil irrwitzige Detailfragen zu verzetteln und darauf Grabenkriege aufzubauen fehlt uns allen ein Blick aufs Große Ganze genauso wie der auf verschiedene wichtige Details und Kontextinformationen. Gerade diese Synthese wäre jetzt eminent wichtig und würde uns mehr Klarheit und Handlungsspielraum geben – eben weil dadurch auch Raum für Mehrdeutigkeiten und neue Erkenntnisse wäre. Stattdessen endloses Beharren auf einem bestimmten, sehr eindimensionalen Konzept von Krankheit und heilloses Verzetteln in Nebenschauplätze. Dass das bestimmten Lobbyisten und deren Agenda gut in den Kram passt, ist mir völlig klar. Eine aus meiner Sicht gute Stellungnahme zum Thema, die alle wichtigen Aspekte auch aus medizinischer Sicht (mit Links zu seriösen wissenschaftlichen Artikeln) beleuchtet, findet sich auf Dr. Wodargs Webseite. Doch in die gleiche Richtung weisende Informationen fand ich auch in dem Buch von Bert Ehgartner (s.o.), das mit seinem Erscheinungsdatum von 2008 nicht in dem Verdacht steht, »mal eben so« in die aktuelle Diskussion hineingesprungen zu sein.

Sicher eine wichtige Kontextinformationen ist die bekanntermaßen eher »Pi mal Daumen«-Qualität der gegenwärtigen Tests, aber auch eine Information, die ich eben bei »Telepolis« las. Natürlich erschien dieser Artikel dort mit dem Hinweis, dass man nicht alle Statements von Dr. Wodarg teile – insbesondere nicht die, Covid-19 sei kaum gefährlicher als eine saisonale Grippe, und auch, dass der Test nur bedingt aussagekräftig sei. Da schwingt für mich mit, dass man ihn zwar für einen »Verschwörungstheoretiker« (oder zumindest einen Spinner) hält, der nicht an eine höchst gefährliche Pandemie glaubt, doch ihm immerhin im Rahmen der Fairness einen Artikel gönnt. Immerhin. Darin beschreibt Wodarg, das als mögliches »Wundermittel« gegen Covid-19 gehandelte Hydroxylchloroquin sei für Menschen, die genetisch bedingt einen Mangel an dem Enzym G6PD haben, äußerst gefährlich – es kann zu einer Art tödlichem Schock, einer Hämolyse führen, der Zersetzung der roten Blutkörperchen. Verabreicht man es z.B. prophylaktisch diesen Menschen, werden aus Gesunden schnell Todkranke. Dies würde erklären, wieso so übermäßig viele Menschen mit dunklerer Hautfarbe (bzw. eben Nicht-Weiße) schwer erkranken. Doch diese Problematik würde weder von der WHO noch von einer nennenswerten Zahl ärztlicher Publikationen thematisiert. Wenn das auch nur vom Grundsatz her stimmen sollte, wäre das ein Todesurteil für unzählige Menschen, vor Allem in Afrika, Asien und Südamerika! Und das alles eben nicht wegen Covid-19, sondern wegen eines ärztlichen Kunstfehlers. Doch vielleicht nimmt man das ja aus einer Mischung aus Gleichgültigkeit, Ignoranz, Hybris und subtilem Rassismus in Kauf. Man kann ja sagen, es sei »die Seuche« gewesen … Ich hatte mich gestern ein wenig geschämt wegen meiner »Genozid«-Vermutung und überlegt, sie zu streichen. Jetzt bleibt sie drin.

Ach ja, noch was. Ich fand einen klugen Artikel darüber, wie Realität »gemacht« wird. Und auch meine Bemerkung an anderer Stelle, dass Goebbels begeistert wäre ob des heutigen Zustandes der Gesellschaft, findet sich hier wieder. Und das war schon lange vor »Corona«. Nein, Goebbels würde vor Jubel und Begeisterung einen Herzkasper kriegen, könnte er das heute beobachten! Anbei noch eine Sammlung von Nachrichten aus aller Welt, die die »Neue Normalität« widerspiegeln. Diese eben genannten Beiträge sind übrigens alle auf Englisch. Hier noch auf deutsch ein Artikel vom neuen Hofberichterstatter, der das Thema noch mal anhand einer Umfrage behandelt, nach der angeblich 76 Prozent der Befragten mit den Maßnahmen der Regierung zufrieden sind, aber gleichzeitig 85 Prozent angaben, sie hätten den Eindruck, keinen Einfluss auf die diesbezüglichen Entscheidungen der Regierung zu haben. Hier spiegelt sich aus meiner Sicht deutlich die Dissoziation wider, die Thema des Eingangs verlinkten Artikels ist. Und noch was kommt dort zur Sprache: Dieser »Realitätsverlust« ist ein Rückgriff auf uralte Herdentierinstinkte und wird von den Mächtigen gezielt ausgelöst und verstärkt.

Heute (6.5.20) habe ich es wieder erlebt und denke deshalb nicht, dass mein Eindruck der letzten Tage völlig falsch ist. Ich fühle mich nämlich zu alt für dieses amtlich verordnete Theaterspiel und bin deshalb ohne Gesichtsbedeckung einkaufen gegangen. Interessanterweise reagierten zwar einige andere Kunden nonverbal pikiert, indem sie den Abstand zu mir mehr oder weniger demonstrativ vergrößerten. Nun, ich habe natürlich auch von mir aus darauf geachtet, niemanden in Verlegenheit zu bringen. Doch die Reaktionen der Angestellten in den Geschäften erschienen mir überraschend positiv. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich einen Hauch »Normalität« mitbrachte, wo sie doch den ganzen Tag nur verdeckte Gesichter sehen müssen und selbst gezwungen sind, irgendeinen Gesichtsschutz zu tragen. Auf jeden Fall waren die Reaktionen bis jetzt neutral bis freundlich.

Noch etwas Anderes. Ich dachte immer, meine Formulierungen seien übertrieben, zu pessimistisch. Doch heute morgen las ich in meiner derzeitigen Lektüre den gleich folgenden Satz. In dem Buch geht es um die Dominanz der linken Gehirnhälfte mit ihrer systematisch-rationalen, abgetrennt über den Dingen stehenden, »rechthaberischen« und von »Entweder – oder«-Kategorien geprägten Weltsicht über die rechte mit ihrer ganzheitlichen, direkten, körperverbunden-lebendigen, jedoch stummen »sowohl als auch«-Weltsicht: »Wenn das stimmt, was ich vermute, dass nämlich die Geschichte der westlichen Welt von einer immer stärker werdenden Dominanz der linken Gehirnhälfte [über die rechte] geprägt ist, dann dürfen wir hier nicht [tiefere] Einsicht als die grundsätzliche Haltung erwarten. Im Gegenteil müssen wir uns wohl auf eine Art von unbekümmertem Optimismus einstellen – wie ein Schlafwandler, der ein fröhliches Liedchen pfeifend lässig auf den Abgrund zuschlendert.« Diese Bemerkung erscheint mir in Anbetracht der derzeitigen Ereignisse noch mal in einem besonderen Licht, ist sie doch bereits vor zehn Jahren geschrieben worden. Nein – auch dies ist nicht »die Erklärung für Alles«, doch ein sehr interessanter Aspekt.

Und heute (9.5.20)? Ich war wieder am Rosa-Luxemburg-Platz. Eigentlich war’s auf eine Art schön. Eine eher ruhige, friedliche Atmosphäre. Die Polizei ließ Leute auf den Platz, so wie derzeit die Supermärkte verwaltet werden: Eine bestimmte Anzahl Leute drinnen sind erlaubt, und wenn die erreicht ist, muss man draußen warten, bis wieder jemand rauskommt. So etwa ging das auch heute dort. Ich kam mit verschiedenen Leuten ins Gespräch, doch nur bei einer Frau mit ihrer Tochter hatte ich das Gefühl, in den Beiden begegnete mir diese wache Lebendigkeit, die wir aus meiner Sicht so dringend bräuchten. Auf und um den Rosa-Luxemburg-Platz mischten sich Passanten mit Neugierigen und Demo-TeilnehmerInnen. Einerseits eine interessante Mischung, doch gleichzeitig auch eine Beliebigkeit, die mich nachdenklich zurückließ. Unter die AktivistInnen – also die Leute, die erkennbar aus einem bestimmten Grund hier waren, mischten sich viele, für die mir das alles hier eher Unterhaltung zu sein schien – die das, böse gesagt, schlichtweg konsumierten. Das scheint mir auch die Grundhaltung der überwältigenden Mehrheit zu sein – es ist leicht nervender, aber unterhaltsamer Klamauk, und fertig. Und inzwischen auch eine weitere Möglichkeit, sich zu profilieren. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, ist hier kein nennenswerter Widerstand zu erwarten. Sehr praktisch für die Regierenden! Nun ja, vielleicht wird man eine Impfpflicht samt Totalüberwachung erst ein wenig später als gewünscht einführen können. Aber man wird sie einführen können.

Zumal es ja auch nach wie vor eher so ist, dass Skeptiker angefeindet werden und nicht die Regierung. So lange sich die Einzelnen als Stars wahrnehmen können, wird sich daran wenig ändern. Zusammen sind wir obercool! Wenn es Scheiße läuft, wird sich die große Mehrheit der Kritiker und Skeptiker entledigen (bzw. deren Zensur oder gar Entfernung beklatschen, siehe oben) – und die Regierung mit großer Mehrheit wieder wählen. Ein Traum für alle, die nach und nach auf einen technokratischen Faschismus zusteuern wollen: Denn die Sklaven, die sich wie kleine Könige und Königinnen fühlen, werden ihre Herren bis auf den Tod verteidigen und diejenigen, die ihnen zurufen: »Ihr seid Sklaven, befreit euch!« ans Messer liefern oder gleich selbst zum Schweigen bringen – wie auch immer. All das erspart den Mächtigen nicht nur Mühe, sondern auch bares Geld. Und es festigt ihre Macht.

Aus meiner Sicht sind wir schon länger nicht mehr diejenigen, die (eher) von außen unterdrückt und gegängelt werden, sondern diejenigen, die sich selbst und ihre Mitmenschen mit Begeisterung gemäß der neoliberalen Ideologie, des neoliberalen Menschenbildes formen. Das heißt, der »Feind« sitzt bereits innen und hat uns übernommen, wie eines dieser unheimlichen Wesen aus den bösen alten SF-Romanen. Es geht nicht mehr von außen nach innen, sondern umgekehrt. Wir sind bereits Zombies, merken es aber nicht, weil es sich so ermächtigend anfühlt – Tendenz weiter zunehmend. Pippi Langstrumpf sang: Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt. Realität? Ohne uns! So was Gewöhnliches – damit geben wir uns nicht mehr ab, geschweige denn zufrieden. Damit hat eine Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden, die schon seit Langem im Gange war. Ich meine damit nicht, dass »alles geplant war«. Das ist sicher Quatsch. Aber es gab und gibt Strömungen und Interessengruppen, die gezielt bestimmte Entwicklungen forciert haben und andere unterdrückt – bei beidem waren sie im Zweifel wenig zimperlich. Menschenleben spielten dabei keine Rolle. Das beteuert man nur jetzt, wo es die gleichen Leute sind, die heute so empathisch alle schützen wollen und bis vor Kurzem eine gnadenlose Agenda der Profitmaximierung im Gesundheitsbereich durchsetzen wollten – und es zu guten Teilen auch schon getan haben. Denn die Böcke wissen doch genau, was gut für den Garten ist, nicht wahr?

11.5.20. Ist die Maske der neue »Hitlergruß«? Ich meine das im Sinne einer Geste, einer Handlung, die eine Ehrerbietung, eine Respektserbietung, eine Zustimmung zu einer von (na, fast) Allen getragenen und unterstützten Idee anzeigt? Ich muss gestehen: In diesem Sinne ist sie das. Und (fast) alle machen mit. Es wird nicht hinterfragt, im Gegenteil. Es wird gemacht, weil es eben so gemacht wird. Punkt. Und obwohl allen, die sich auch nur ein Bisschen mit der Sache beschäftigt haben (ohne gleich an eine »Verschwörung« zu glauben), klar sein müsste, dass das zumindest zum jetzigen Zeitpunkt längst sinnlos, ja kontraproduktiv ist. Eigentlich. Doch: »Die meisten Leute würden eher sterben als nachzudenken – und in der Tat, genau so kommt es.« Das ist ein Zitat von Bertrand Russell. Bin ich nachdenklich? Keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Es kommt halt.

Gestern auf dem Fahrrad. Wie ich oben schon erwähnte, nach dem auf dem Klo Sitzen der zweitkreativste Ort. Da kamen mir ein paar Gedanken – nicht ganz neu, aber doch interessant genug, dass ich auf den nächsten Friedhof fuhr (der übrigens sehr voll war) und dort meine Gedanken ins Handy sprach. Dabei kam mir nämlich, wieso Widerstand als Solcher nicht ausreicht. Wir bräuchten darüber hinaus ein anderes Bewusstsein, oder besser eine andere Sicht auf die Welt – gefühlsmäßig, wohlgemerkt. Alles, was uns der Verstand präsentiert – und wir sind damit aufgewachsen, ihm absolute Priorität einzuräumen –, führt wie eine Rückkopplungsschleife immer wieder an den gleichen Punkt zurück. Ich meine das im Sinne von »Der Verstand ist ein wunderbarer Diener, aber ein furchtbarer Herr.« Solange der furchtbare Herr das Sagen, die (alleinige) Deutungshoheit hat, werden wir uns nur im Kreis drehen. Tut mir leid, näher komme ich nicht heran. Sprache gibt das nicht her. Hier also, mit all den Grenzen, die Sprache nun mal hat:

Wir sind nicht mehr bereit, irgendwelche Grenzen zu akzeptieren – außen denen, die wir selbst gesetzt haben: »Ich mache mir die Welt, so wie sie mir gefällt!« Das bedeutet auch, dass wir zum Beispiel die Klimakatastrophe, die sich anbahnt, nicht mehr als eine Bedrohung des gesamten Systems, ja des Lebens überhaupt sehen. Das ist nichts mehr, das von außen als existenziell bedrohlich auf uns zukommt, sondern einfach nur eine Herausforderung, eine »Challenge«: Etwas, das uns einmal mehr die Möglichkeit gibt zu zeigen, wie gut wir’s inzwischen mit Problemlösungen drauf haben – sowohl als Einzelne wie kollektiv. Also etwas, das wir dann irgendwie fast wie »mit links« hinkriegen werden: »Wir haben die Mittel, wir haben die Kreativität. So what?«

Auf der persönlichen Ebene bedeutet es, dass wir uns als grenzenlos erfahren, und alles, was diese Grenzenlosigkeit nennenswert in Frage stellt ist eine Bedrohung unserer Identität, unseres elementaren Selbstverständnisses – und deswegen essentiell. Das dürfte auch die wütenden Reaktionen erklären, die im Rahmen der Corona-Krise gegenüber Skeptikern kommen. Die Leute fühlen sich von ihnen unmittelbar in Frage gestellt, ja in ihrer Identität bedroht. Da wagt es jemand, etwas anzuzweifeln, dessen sie sich völlig sicher sind. Sie wissen doch! Es trifft die Essenz ihres Gefühls, der Sicht auf die Welt, von der sie glauben, ja sich sicher sind, dass es sie als Person ausmacht. Das wird nach ihrem Empfinden nun angegriffen und bedroht. Entsprechend böse und heftig sind die Reaktionen. Sie haben sprichwörtlich das Gefühl, ihr Leben sei bedroht – jemand maßt sich an, »ihre« Welt aus den Angeln zu heben. Wo sie doch genau wissen, wie’s geht, wo’s lang geht. Da noch einen guten Schuss (unterschwellige) Angst dazu, und es entsteht eine brisante Mischung.

Es ist in dieser Krise nämlich den Medien und der Regierung gelungen, sich genau diese Reaktion, diese Haltung zu eigen zu machen – also sie zu instrumentalisieren, so wie ein Reiter sich auf ein Pferd schwingt. Und ich kämpfe dabei ja nicht nur für mich, sondern für alle um mich herum mit. Die Selbstgerechtigkeit der EinzelkämpferInnen in der »All-Star-Gesellschaft« hat ihre scheinaltruistische Projektionsfläche, ihr alle verbindendes Ziel gefunden. Das heißt, alle Skeptiker und Zweifler sind automatisch Verräter, ja Hochverräter: Es sind nicht nur Leute, die mich in Frage stellen, die meine Existenz als gottgleiches Wesen unmittelbar bedrohen, sondern darüber hinaus sogar dem Kollektiv bei diesem wichtigen »Krieg« in den Rücken fallen. Das ist quasi die »Dolchstoßlegende« des 21. Jahrhunderts. Entsprechend aggressiv und ausfallend darf ich auch werden, wenn das passiert.

Damit ist keinerlei Diskussionsgrundlage mehr gegeben. Es ist nicht nur ein Kampf, sondern eine Art Kriegszustand, der das Potential in sich trägt, zu eskalieren und völlig außer Kontrolle zu geraten – dann »heiligt der Zweck die Mittel«. Es ist schwierig, aus dieser Situation wieder rauszukommen, denn es fehlt eine Ebene des »geerdet Seins«, des bei sich Seins, des Fühlens und verbunden Seins – eine Art verbindender Nüchternheit und Gewöhnlichkeit. Diese Ebene ist heute völlig diskreditiert – sie ist so undenkbar, dass sie als Möglichkeit mithin gar nicht mehr existiert. Versuche zu »erden«, zu einem geerdeten, »bescheidenen« gemeinsamen Realitätsgefühl zu gelangen, sind unter diesen Umständen sehr schwierig und meistens zum Scheitern verurteilt. Etwas, von dem ein Anderer nicht mal eine ganz entfernte Ahnung hat, zu dem er oder sie einen emotionalen(!) Bezug herstellen kann, ist schlichtweg nicht vermittelbar. Damit meine ich einen Bezug jenseits des logisch-analytischen Verstandes. Jeglicher Versuch, sich verständlich zu machen ist dann aussichtslos, selbst wenn beide die gleiche (verbale) Sprache sprechen. Dazu kommt noch, dass sich die Einen in der Regel ihrer Sache völlig sicher sind, die Anderen aber eben nicht.

Zur Zeit gibt es ein »geleaktes« Papier eines hohen Regierungsbeamten des Innenministeriums, das sich der Frage der Verhältnismäßigkeit der »Maßnahmen« stellt. Es entstand in Zusammenarbeit mit ein paar namhaften externen ExpertInnen und kommt zu dem Schluss, dass die Sache mit Corona/Corvid-19 ein gigantischer Fehlalarm war, dessen Folge- und Kollateralschäden nicht mal ansatzweise in einem Verhältnis zu der Gefahr stünden, die das Virus als Solches dargestellt hätte. Ich habe ja schon den Verdacht geäußert, dass man zynischerweise alle Übersterblichkeit der letzten (und der kommenden) Monate Corvid-19 zurechnen würde. Das stimmt auf eine Weise ja auch: Alle, die deshalb aufgrund nicht oder zu spät erhaltener medizinischer Versorgung oder z.B. durch zusätzliche Selbstmorde oder häusliche Gewalt gestorben sind oder noch sterben werden, sind ja zumindest indirekt Corona-Tote. Ich bin mir inzwischen recht sicher, dass man das so handhaben wird – vielleicht mit ein Bisschen zeitlichem Abstand, dann fällt es nicht so auf. Wenn die große Mehrheit weiterhin so unkritisch bleibt, werden die meisten das auch glauben.

Die Bundesregierung hat inzwischen indirekt die Authentizität des Papiers bestätigt, indem sie verlautbaren ließ, es handele sich um eine nicht autorisierte private Meinung eines Regierungsbeamten, der die Corona-Epidemie leugne. Die Hofberichterstattung schloss sich mit inhaltlich gleich lautenden Berichten an. Damit ist das erst mal vom Tisch – hofft zumindest die Regierung. Und wahrscheinlich ist das damit tatsächlich erledigt. Der zuständige Beamte sei vom Dienst suspendiert worden, heißt es. (Nachtrag 16.5.20: Es ist bereits eine Rufmord-Kampagne im Gange; er wird in der Luft zerrissen.) Ich fand schon heute bei einem schnellen Check bei »Spiegel«, »Zeit« und »Süddeutsche« nichts mehr dazu. Stattdessen wurde dort überall in Sachen Corona »nachgelegt«. Ich bin gespannt, ob es dabei bleiben wird. Ich fürchte aber, so lange nicht breitere Bevölkerungskreise über dieses Papier und seine Thesen sprechen werden, hat sich das damit wohl erledigt. Es steht und fällt mit der Resonanz bei den Vielen. Wer schon skeptisch ist, muss ja nicht mehr überzeugt werden.

Doch für diejenigen, die die »Maßnahmen« zu verantworten haben (und diejenigen, die sie im Hintergrund stützen und von ihnen zu profitieren gedenken), haben alles zu verlieren. Sie werden sich ihren Putsch nicht so leicht aus der Hand nehmen lassen. Darüber hinaus droht ihnen in den meisten betroffenen Ländern strafrechtliche Verfolgung, sollte das Ding kippen. Sie haben sich so weit vorgewagt, dass es jetzt kein Zurück mehr gibt. Es geht um Alles oder Nichts. Und das betrifft womöglich auch die Leute hinter den Kulissen, die die entscheidenden Weichen gestellt haben. Sollte das schief gehen, dann ist nicht nur die Erfüllung ihres Traums von der Weltherrschaft und gigantischen Profiten, jetzt fast zum Greifen nah, womöglich bis auf unbestimmte Zeit in weite Ferne gerückt. Es könnte sogar sein, dass es eine Revolution gibt und »das Volk« fordert, dass sie ihr Geld und ihre Macht abzugeben haben. Das wäre ein Sturz zu Boden aus unvorstellbarer Höhe. Dazu kommt noch: Wenn der Schwindel in einem Land auffliegt, dann fliegt er global auf. Das erklärt auch die sehr feindselige Haltung gegenüber Schweden. Ich wäre mal gespannt zu erfahren, welche Maßnahmen man da gerade versucht, um zu zeigen, dass Schweden einen »Riesenfehler« gemacht hat. Immerhin hat das Fälschen auch bei »Euromomo« ja bereits begonnen: Die Kurven der Grippewellen der letzten Jahre haben sich auf der neu gestalteten Webseite auf wundersame Weise verflacht, sodass dieses Jahr deutlich dramatischer erscheint.

Heute (12.5.20) las ich etwas über Schweden, und dass sich dort nun tatsächlich die Dinge normalisieren – anders als bei uns und im Rest Europas. Bei uns hat die Presse inzwischen »nachgelegt«, und jegliche andere Sicht auf die Dinge ist »Verschwörungstheorie«. Ich bin gespannt, wie man das, was in Schweden passiert ist (oder besser, nicht passiert ist) mit dem hiesigen Narrativ in Einklang bringen will. Dabei bin ich mir sehr sicher, dass unter denjenigen, die das bedenken, bereits einige Köpfe rauchen. Aber man wird wohl eine Lösung finden. Vielleicht ist die ein Bisschen abstrus, doch so brav wie man unseren »Oberen« bislang alles abkauft, sehe ich da kein unlösbares Problem. Und das Selbstvertrauen eines Herrn Drosten ist bemerkenswert: Er hat sich heute selbst als allein Deutungsbefugter in Sachen Corona bestätigt – nun, außer noch Herrn Wieler natürlich. Ich erlaube mir, das aus »Spiegel Online« im Original zu zitieren: »Der Berliner Virologe Christian Drosten äußert scharfe Kritik an Falschinformationen zur Corona-Pandemie im Internet. In sozialen Medien kursierten etwa millionenfach abgerufene Videos, die ›voller Unsinn‹ und ›falscher Behauptungen‹ seien, sagte der Charité-Wissenschaftler im NDR-Podcast. Zum Teil seien Ärzte und Professoren dabei, ›die irgendeinen Quatsch in die Welt setzen‹, ohne je zu den Themen gearbeitet zu haben. Namen nannte Drosten nicht. Was er höre, zum Teil von ›scheinbaren Fachleuten‹, deren Expertise in anderen Bereichen liege, entbehre oft jeder Grundlage, sagte der Virologe. Dadurch werde auch ›wirklich gefährlichen Verschwörungstheoretikern‹ mit teils politischer Agenda der Rücken gestärkt. Drosten rügte das als ›unverantwortlich‹.«

So weit zu Herrn Drosten. Er ist folglich der Einzige, der hier in Deutschland wirklich kompetent ist (abgesehen von Herrn Wieler natürlich). Alle anderen, auch Doktoren und Professoren, die nicht straks seiner Meinung sind, sind schlichtweg inkompetente, anmaßende, gefährliche Hochstapler. Obwohl ich mir ob solcher Chuzpe an den Kopf fasse, ja mich frage, wie jemand mit solchem Größenwahn sogar noch bewundert wird, kann ich mich eines Staunens nicht erwehren: Der derzeitige ungewählte Bundeskanzler bestätigt, dass er alleine der Bestimmer ist. Und alle Anderen sind Idioten und Hochstapler, die »gefährlichen Quatsch« in die Welt setzen. Für wen ist »der Quatsch« eigentlich gefährlich? Drosten sagt, für die Allgemeinheit. Ich denke aber, eher für ihn und ein paar weitere leitende Leute. So lange er jedoch die große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich weiß, kann er sich eine solche Arroganz, ja Anmaßung erlauben. Und leider – so wie die Dinge derzeit stehen, wird er sich damit wohl bis auf Weiteres sicher fühlen können. Alleine dieses Verhalten sollte alle, die sich auch nur einen Hauch intuitiv-kritisches Denken bewahrt haben, sofort aufmerken lassen. Ich finde das nicht nur aus menschlicher Sicht äußerst bedenklich, sondern es hat auch mit wissenschaftlichem Diskurs nicht mehr das Geringste zu tun. Hier spricht der HERR und duldet keinen Widerspruch.

13.5.20. Still und leise stirbt die Demokratie vor sich hin. Wir sind ein Land ohne Demokraten geworden – wieder mal? Die Tugenden, die ich darunter verstehe, gelten kaum noch. »Zieh dein Ding durch!«, »Dein Leben, deine Regeln!« »Du bist der Star!«, schreit es immer noch aus aller Werbung. Nun, danach, mehr oder weniger »engagiert«, leben inzwischen fast alle, wie auch anders. Nach mehr als dreißig Jahren nach diesen Mottos ist es nun in allen Köpfen und Herzen »angekommen«, auch bei vielen Älteren. Und nun hat auch der Staat nachgezogen, und die meisten Leute akzeptieren es, finden es sogar gut, ja wollen mehr davon. Den leisen Tod der Demokratie werden sehr viele also nicht mal bemerken.

Ich darf gespannt sein, welche »Alternativlosigkeiten« uns demnächst ins Haus stehen. Ein paar sind ja schon angekündigt, andere stehen in den Startlöchern. Die Überwachung beginnt bereits, im Rahmen der »Lockerungen«, doch noch »per Hand« – wer in eine Kneipe geht, muss Namen und Adresse hinterlassen, zwecks »einer Möglichkeit der Nachverfolgung von Ansteckungswegen«. Das ist im digitalen Zeitalter noch fast putzig. Aber eben nur fast. Und natürlich wird eine kommende Corona-App freiwillig und anonym sein. Klar ist sie das! Wenn fast alle sie haben, wird es mit der Freiwilligkeit langsam eng, vor Allem, wenn ohne sie der Zutritt zu bestimmten gesellschaftlichen Bereichen »aus Sicherheitsgründen« verboten ist. Und anonym? An irgendeinem Punkt muss man de-anonymisieren können, sonst macht der angegebene Zweck überhaupt keinen Sinn. Ansteckungen verfolgen, ohne zu wissen wer und wo? Wieso dann überhaupt eine App? Ich kann mir auch vorstellen, dass so was wie Fitnessarmbänder irgendwann de facto Pflicht werden. Von wegen Früherkennung, auch von anderen Krankheiten. Ist doch gut für uns alle! Ich fürchte, die Mehrheit wird auch das begrüßen.

Wann kommen sie Leute wie mich holen? Vielleicht erscheint diese Frage paranoid, doch leider sagt mir etwas Stilles, dass ich sie mir stellen sollte, ich mich ihr stellen sollte. Nein, das sind eher mittelfristige Bedenken – nichts, was mir derzeit unmittelbar Sorgen macht. Doch der Gedanke ist da. Wie eine lästige Fliege kommt er immer wieder. Denn Leute, die in der gegenwärtigen Situation ein ernstes Problem sehen, sind das Problem. Das hat der hellsichtige Mann in meiner kleinen Anekdote oben sehr klar erkannt. Und wie mir scheint, sieht das auch die große Mehrheit so. Wenn die unartigen Kinder, die »Der Kaiser ist nackt!« rufen dann die Tracht Prügel ihres Lebens bezogen haben, wird wieder Ruhe sein im Land. Es ist eh nur ein Sturm im Wasserglas gewesen. Doch selbst der ist vielen schon zu viel.

Wir werden derweil darauf eingeschworen, »dass uns das Virus noch lange begleiten wird«. Das würde es sowieso tun. Viren sind nun mal so. Und waren es schon, seit es Leben auf der Erde gibt. Doch es geht um dieses Virus. Den Feind, dem alle unsere Energie gilt und wohl auch weiter gelten wird. Gegen den eine Impfung nach der anderen kommen wird, die unsere allgemeine Gesundheit mindern, die Einkünfte der Anbieter bzw. Hersteller aber in unvorstellbare Höhen steigen lassen wird. Hut ab! Da ist einigen Leuten der Geniestreich gelungen, aus der Schaffung eines Problems und dessen Lösung praktisch zeitgleich zu profitieren. Und die meisten Leute finden das auch noch gut und stellen keine Fragen! Wie langweilig doch vorher: Da macht ein Industriezweig zum Beispiel ein Ökosystem kaputt. Das fällt auf und gibt ein schlechtes Image, ja Proteste. Dann kommen Tochterunternehmen des Zerstörers und bieten an, alles wieder heile zu machen. Natürlich auch gegen gutes Geld. Die edlen Wohltäter flicken also zusammen, was es noch zusammenzuflicken gibt und hoffen, dass die Natur sich dann erholt. Tut sie, mehr oder weniger. Das kann sie, sonst gäbe es hier längst kein Leben mehr.

Doch jetzt … Da ist eine furchtbare Bedrohung, sagen sie uns, und deswegen müssen wir nun alle Gewalt ihnen und dem Staat geben. Das tun die weitaus meisten gerne, um die furchtbare Gefahr abzuwenden. Die ist nun praktischerweise unsichtbar, und nur ein paar Experten sind die rettenden Engel, die uns Zugang dazu vermitteln können. Die wissen auch ganz genau, was zu tun ist. Sie rufen ihre mächtigen Helfer herbei, die natürlich die Lösung bereitstellen können. Gegen gutes Geld und um den Preis, dass wir ein kleines Bisschen unserer Freiheit dafür abtreten müssen. Ein kleines Bisschen nur. Ist doch ein guter Deal, oder? Die weitaus meisten sehen das so, und so geschieht es. Wir geben schulterzuckend den größten Teil der Freiheiten ab, für die unsere Großeltern und unsere Urgroßeltern hart gekämpft haben, und dürfen uns dafür sicher fühlen und für unsere Übereignung bezahlen, auch mit Geld. Eine bessere Synthese aus Profitmaximierung und Machtergreifung kann ich mir nicht vorstellen. Das ist in der Tat ein Geniestreich, gegen den das »III. Reich« nur eine müde Fingerübung war. Vor Allem auch deswegen, weil man damals noch sehr vieles von Hand machen musste, was sich heute elegant technisch und per Algorithmus automatisiert erledigen lässt. Das ist ungleich billiger – und vor Allem um Größenordnungen effizienter.

Also noch mal, im Ernst: Hut ab vor solcher genialen Idee. Hut ab vor solcher Niedertracht, die sich in wohltätigem Gewand über die Welt legt! Hätten wir diese Energie, diesen Willen in eine andere Richtung gelenkt – ein Paradies für praktisch alle wäre machbar gewesen. Gewesen. Die Weichen sind jedoch gestellt. Wenn nicht noch ein großes Wunder geschieht, ist jetzt bereits in groben Umrissen erkennbar, wohin die Reise ziemlich sicher gehen wird. Um das noch zu stoppen, bräuchten wir aber eine große Zahl von Leuten, die laut die richtigen Fragern stellen. Die sehe ich bislang nirgendwo. Ich sehe stattdessen, dass vor Allem jüngere Leute ältere an die Maskenpflicht erinnern. Das macht mich traurig. Früher waren es die Jungen, die gegen Bestehendes und »von oben Verordnetes« aufgemuckt haben. Heute sind sie es, die die Älteren zum Gehorsam ermahnen. Verkehrte Welt.

Doch wie ich gerade gelesen habe, gibt es Hoffnung: Nachdem »Spiegel« und »Zeit« das Papier von Stephan Kohn aus dem Innenministerium am Wochenende polemisch als letztlich irrelevant abgehandelt hatten, bringt heute die Bild-Zeitung zwei kritische Artikel dazu. Sollte die Bild-Zeitung jetzt unseren Arsch retten? Das hätte schon was von kosmischem Humor …

14.5.20 – Ein kleines Chortreffen unter freiem Himmel, mit Abstand natürlich. Anstrengend und akustisch nicht mal ansatzweise mit unseren Treffen in der Kirche zu vergleichen. Doch immerhin in Person und nicht nur am Bildschirm. Das habe ich auf jeden Fall genossen, genauso wie das Singen selbst. Das tat richtig gut! Doch das war auch schon, was mit den Leuten »geht« – die große Mehrheit glaubt nach wie vor das Narrativ von der gefährlichen Seuche. Das war und ist auch für mich nicht einfach. Eine Frau hatte sogar ihren Mundschutz unter dem Kinn und zog ihn nach dem Singen gleich wieder hoch. Immerhin ergab sich nach unserem Treffen ein Gespräch mit einem Chorfreund, der bei DR Kultur arbeitet. Eine lebhafte Diskussion entspann sich, doch ich war und bin nach wie vor entsetzt über seine Arglosigkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der er viele Dinge akzeptiert und verinnerlicht hat, die bei mir schon längst drei innere Warnblinkis hatten angehen lassen. Immerhin habe ich so einen Einblick darüber erhalten, warum die MitarbeiterInnen bei den Sendern, aber möglicherweise auch bei den Zeitungen gar nicht wahrnehmen, wie sehr sich das Meinungsspektrum in den großen Medien inzwischen verengt hat. Sie sind womöglich ohne es zu merken einfach dort hingedriftet: Alles normal. So what? Wer eine kleine Linksammlung sucht, um ein paar Beispiele der jüngeren Auslassungen großer öffentlicher Medien zum Protest gegen die Corona-Maßnahmen anzuschauen, findet die hier. Vorsicht, Verschwörungstheoretiker-Seite! Die Links dort gehen aber fast ausschließlich zu »seriösen« Seiten. Noch was in diesem Zusammenhang: Ja, da trifft sich ein buntes Völkchen auf der Straße. Selbstverständlich sind da auch »Rechte« und Leute mit sehr seltsamen Vorstellungen dabei. Dass ich auch dort bin heißt jedoch ausdrücklich nicht, dass ich mit deren (sonstigen) Ideen und Vorstellungen einverstanden bin. Das muss sich im Einzelfall zeigen. Es ist jedoch für mich wichtiger, dort auf der Straße zu sein denn mich durch mein Fernbleiben abzugrenzen. Das muss ich dann wenn nötig später tun, auch wenn das mühsam werden kann.

Habe gerade eine kleine Recherche gemacht, um einem anderen Chorfreund Links zu den Äußerungen von Herrn Drosten vom vergangenen Dienstag zu schicken. Dabei stieß ich auf zwei Seiten zu »Verschwörungstheoretikern« beim »Tagesspiegel«. Dort werden zunächst mal die »Vernünftigen« gelobt. Wer sind die wohl? Selbstverständlich alle die, die bei den Maßnahmen mitmachen und sie unterstützen, ja im Zweifel noch härtere fordern. Und die Unvernünftigen? Das sind die, die zweifeln und bestenfalls widerwillig mitmachen. Das alleine ist für sich schon eine Verschwörungstheorie, und eine Pia Lamberti wagt es tatsächlich gegen Ende des Interviews mit ihr bei den »Tagesthemen« vom 11.5.20, den Begriff »Zivilcourage« in den Mund zu nehmen. Diese sei letztlich (neben Bildung) nötig, um gegen die Verirrungen dieser Leute dort auf der Straße vorzugehen, meint sie sinngemäß. Und »diese Leute dort« könnten eventuell auch gefährlich werden, sagt sie ein paar Sätze vorher. Und sie erwähnt z.B. das Attentat von Hanau in einem Atemzug mit Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen, wirft das quasi in einen Topf. Das finde ich schlicht ungeheuerlich! Tut sie nur so oder glaubt sie das selbst? Denn sie wirkt auf mich auf eine Weise unglaublich naiv, doch gleichzeitig sehr von sich überzeugt. Kurz – eine sehr moderne junge Frau. Pardon für meinen bissigen Seitenhieb.

Natürlich findet sich zum Thema auch unglaublicher Stuss im Internet, unbenommen. Wer etwa glaubt, Außerirdische hätten Corona gebracht, den oder die kann auch ich nicht ernst nehmen. Gleichzeitig werden aber nun in einem Aufwasch auch Fragen wie die nach der Unabhängigkeit der WHO und des RKI oder die nach der Rolle von mächtigen Lobbyinteressen bei all dem als verrückt und gefährlich in den Ausguss befördert. Wer nicht denken und recherchieren will, braucht sich also gar nicht die Mühe zu machen, die Spreu vom Weizen zu trennen: Was nicht offiziell abgesegnet ist, ist damit automatisch alles Fake und Lüge. Herr Drosten gehört übrigens auch zu den Erstunterzeichnern eines Aufrufs an Facebook, Google und Twitter – sinnigerweise über das früher regierungskritische Netzwerk AVAAZ, das voll auf der offiziellen Linie ist. Darin »[fordern] Ärzte und Virologen ein härteres Vorgehen von Facebook, Google und Twitter gegen Corona-Falschinformationen. Die bisherigen Maßnahmen gingen nicht weit genug, kritisieren sie beim Kampagnen-Netzwerk Avaaz.« Das ist ein offener Aufruf zur Zensur. Denn komisch – das ganze Zeug von UFOs, Erdstrahlen, zweifelhaften Esstips und so weiter stand und steht weiterhin zur Verfügung. Doch beim Thema Corona muss jetzt zensiert werden. Wenn mir da nicht Verschwörungstheorien kommen …

Und natürlich schießt man sich wieder auf Dr. Wodarg ein, und auf Ken Jebsen: Zwei gefährliche Spinner, die man … Ich glaube, Dr. Wodarg hat sich sehr klug und vorausschauend verhalten, als er sich nach Griechenland begeben hat. Ken Jebsen lebt allerdings gefährlich. Sollten sich die Dinge weiter zuspitzen, könnte er tatsächlich in Gefahr geraten. Er ist ein viel größeres »Problem« als ich … Und ich erinnere mich noch an das Attentat auf Rudi Dutschke – übrigens damals ideologisch »befeuert« von der Bild-Zeitung. Damit bin ich bei der Frage, wie es mit mir weitergehen soll. Nein, ich bin weit außerhalb des Rampenlichts eines Ken Jebsen. Doch ich mache mir wenig Illusionen. Wie lange kann ich dieses Land noch verlassen? Und wenn ich gehe, dann wohin? Die Entwicklung läuft in den meisten Ländern parallel, deswegen wird es wahrscheinlich nichts bringen, in ein europäisches Land zu gehen. Doch wohin dann? Ich habe kein weltweites Netzwerk, auf das ich zurückgreifen könnte. Ich bin (fast) allein – sollte ich einfach so verschwinden, egal wohin, würde das nur eine Handvoll Leute überhaupt bemerken. Und es steht zu befürchten, dass das womöglich nicht mal mehr legal gehen könnte: Es gibt ja schon jetzt starke Reisebeschränkungen – die Grenzen sind für Privatreisende nach wie vor de facto geschlossen.

Selbst wenn man mich als chronischen Pessimisten abstempeln sollte – ich sehe kaum Gründe zu Optimismus in der gegenwärtigen Situation. Dabei spreche ich allein von mir. Wenn sich die überwältigende Mehrheit an Masken und »Social Distancing« gewöhnt hat, dann schon bald die Impfungen beginnen werden und die große Mehrheit die Corona-Tracking-Software auf ihren Handys aktiviert hat, wird wieder eine relative Normalität einkehren. Nun ja, diejenigen, die ihre Existenzen verloren haben, haben halt Pech gehabt. Wo gehobelt wird, fallen Späne. War halt nicht zu vermeiden. Können sich ja ’nen Strick kaufen, die Loser. Sind dann ein paar Jammerlappen weniger, die die Starken nerven. War eh überfällig: Platz da für die Starken, die Könner, die dynamischen Durchblicker! Ja, das ist polemisch, aber ich fürchte, es trifft den Punkt. Wenn ich in die Gesichter der Menschen schaue, die mir auf der Straße begegnen …

Weiter. Heute, am 15.5.20, kommt mir ein Gedanke, ja ein Verdacht. Ist das nebensächlich oder doch wichtig? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Oder doch? Mir ist aufgefallen, dass die meisten der Journalisten und Vertreter der Neuen APO – ich nenne sie mal so, denn das sind sie de facto –, die ich gerade unter dem Dauerfeuer der etablierten Medienlandschaft sehe (siehe oben), für mich als sehr menschlich »rüberkommen«, sowohl in ihrer Video-Präsenz als auch in ihrer Schreibe. Da ist eben wenig dieses coolen Drüberstehens, dieses quasi eingebauten Besserwissens, das sehr viele der Anerkannten und Präsenten ausstrahlen. Ist, neben dem Inhaltlichen, womöglich auch das mit ein Grund für die Verachtung, ja den Hass, der ihnen entgegenschlägt? Weil sie auch menschlich nicht mehr in die heutige Zeit passen? Wieso ist es so schlimm, eben nicht aalglatt und unangreifbar rüberzukommen? Aus meiner eigenen persönlichen Erfahrung weiß ich, dass alleine dies nicht zu sein mich (tendenziell) bereits ins Unrecht setzt, mich unglaubwürdig macht. Lebendig zu sein, mit allem falsch Liegen und Ausprobieren, doch dabei offen zu bleiben – das ist heute unerwünscht, ja »das Letzte«. Denn heute weiß man. Heute steht man strahlend und unbesiegbar da. Unerschütterlich. Jedes Wort in Stein gemeißelt, jedes Bild ein Dokument für die Ewigkeit. Ich schließe mit einem Zitat von Voltaire: »Unsicherheit ist eine unbequeme Position. Doch Gewissheit ist eine absurde.«

16.5.20 – Ich denke schon, dass so gut wie alle verunsichert sind – doch unterschwellig, denn dies Gefühl darf weder gefühlt, geschweige denn gezeigt werden: Alle müssen umso cooler, souveräner, über den Dingen stehender erscheinen. Zweifel, unsicher Sein, Fragen zu stellen hat da noch weniger Platz als sonst schon. Das ist natürlich ungeheuer praktisch für diejenigen, die mit diesem Massenwahn ihre Agenda vorantreiben wollen. Dabei ist das nichts völlig Neues – ich habe es hier ja bereits des Öfteren thematisiert. Sie haben es aber jetzt geschafft, diese Lawine losgetreten und dafür gesorgt, dass sie auf günstige Bedingungen trifft, also vor Allem keine Hindernisse sie im Anfangsstadium stoppen können. Vor über zehn Jahren war die Zeit noch nicht reif: Die Lawine (hier die »Schweinegrippe«) startete, blieb aber recht schnell stecken. Läuft sie aber erst einmal, dann entfaltet sie im Zusammenhang mit dem Zeitgeist, dem neoliberalen Menschenbild, der fast völlig zerstörten Diskussionskultur in weiten Bereichen des Zusammenlebens und natürlich den »richtigen Leuten an den richtigen Stellen« eine eigene, ungeheure Wucht, die wir jetzt gerade erleben. Dabei glaube ich kaum, dass alle, die jetzt diese Maßnahmen unterstützen »gekauft« sind. Die Dinge liegen vielschichtiger: Mir begegnet zum Beispiel oft eine erschreckende Naivität, gekoppelt mit einer Sicht, die am eigenen Tellerrand endet. Damit ist für diejenigen die Welt rund und in Ordnung. Jede/r beharrt auf diesem eigenen kleinen Fleckchen Können und Expertise, doch der Blick (oder sollte ich besser sagen: das Gefühl?) fürs Ganze ist anscheinend den weitaus meisten längst abhanden gekommen – ohne dass sie es bemerken würden. Er »fehlt« offenbar auch kaum jemandem. Das finde ich sehr gefährlich, vor Allem, wenn diejenigen dann noch felsenfest von sich selbst überzeugt sind. Auch dies sehe ich als einen weiteren wichtigen Grund, warum wir jetzt da sind wo wir sind.

Eine wunderschöne Zusammenfassung der Dinge mit vielen Quellenangaben habe ich bei »Rubikon« gefunden. Die meisten der Gedanken und Hintergründe, die hier zur Sprache kommen, sind dort in einem langen, aber aus meiner Sicht sehr schönen und klaren Artikel zusammengefasst und weisen darüber hinaus. Das wäre eine tolle Diskussionsgrundlage. Nein, das ist wieder nicht die »absolute Wahrheit«, aber eine Menge kompetenter und kluger Gedanken zum Thema. Ich weiß – nach offizieller Lesart ist das nichts als eine Ansammlung von Verschwörungstheorien. Aber es gilt ja bereits als Verschwörungstheorie, eine Stärkung des Immunsystems als Vorbeugung gegen eine Erkrankung (selbstverständlich nicht nur im Zusammenhang mit Corona-Viren) zu propagieren: Alleine die Impfung soll uns retten können. Ganz leise dringt von irgendwoher das Knallen von Champagnerkorken zu mir …

Bin seit Kurzem zurück, vom Alexanderplatz und vom Rosa-Luxemburg-Platz. Und völlig desillusioniert. Das war’s dann mit der Bundesrepublik und dem Grundgesetz. Beides ist Geschichte. Ab jetzt beginnt endgültig eine neue Zeitrechnung. Es ist ein Land fast ohne Demokraten. Die Aushöhlung der Demokratie in den Menschen ist komplett. Das, was ich unter Demokratie verstanden habe, also den Diskurs der Vielen auf Augenhöhe und einen Grundkonsens in die gleichen Rechte von Allen will niemand mehr. Nicht mal die paar Demonstranten. Fast alle sind in den gleichen Bewusstseinszustand eingeklinkt, den neuen geheimen Konsens über alle sonstigen Grenzen hinweg. Dieser Konsens heißt »Das Recht des Stärkeren«, etwas vereinfacht auf den Punkt gebracht. Vereinfacht, weil es an der Oberfläche noch anders aussehen mag, doch in der Tiefe genau darauf hinausläuft. Und der unterschwellige Hass, der in den schicken Nebenstraßen um den Rosa-Luxemburg-Platz in die Schaufenster etlicher Läden plakatiert ist, trifft mich ins Mark. »Geht heim! Wir sind nicht eure Kulisse!« Das ist an die DemonstrantInnen gerichtet. In einem schicken Modeladen stehen drei Alufolien-Hüte im Schaufenster, einer mit einem Schild »Ken Jebsen«. Daneben ein polemisches Pamphlet, das mit hasserfülltem Unterton über die »VerschwörungstheoretikerInnen« herzieht. Ich würde es verstehen, wenn dort jeden Tag eine Demo wäre, die den Leuten das Geschäft vermiest. Aber es ist einmal in der Woche, samstags, wenn die meisten Läden wohl eh zu haben. Doch selbst wenn es sie stört – würde das diesen Hass rechtfertigen? Wen es interessiert – ich habe Fotos davon. Hier kommen keine hin. Interessiert eh kein Schwein (sic).

Wie ich schon schrieb – natürlich sind ein paar Rechte bei den Demos dabei. Aber alleine das spaltet den spärlichen Widerstand. Die Regierungsmedien haben es zudem erfolgreich geschafft, klar zu machen: Wer dort hingeht, unterstützt die Nazis. Und natürlich die »Aluhüte«. Prima! Disziplin »Teile und herrsche«: Der Kandidat hat hundert Punkte! Ich kam auch an eine kleine Bühne, von der schwarz vermummte Gestalten per Megafon Parolen gegen Nazis herunterbrüllten. Alleine der Ton, der Fanatismus, der da mitschwang machte mich frösteln. Ich muss fürchten, dass ich, sollte ich im Gespräch mit einem als »Nazi« Bezeichneten erwischt werden, zusammengeschlagen werde. Und was das für die zunehmende Spaltung der Gesellschaft bedeutet, mag ich mir gar nicht ausmalen. Ich ging ein Stück weiter. An einem Laternenpfahl hing ein Schild: »Das Gift ist in dir.« Genau so ist es. Aus meiner Sicht natürlich, siehe auch weiter oben und an anderer Stelle hier. Und da das fast alle betrifft, mehr oder weniger, ist das, was ich unter Demokratie verstehe tot. Mausetot.

Übrigens finde ich den Paragrafen 20 des Grundgesetzes richtig süß. Es geht darin um das Recht auf Widerstand, falls irgendjemand versuchen sollte, das GG abzuschaffen. Es wird gerade abgeschafft, aber niemand kann sich darauf berufen. Denn spätestens mit den Urteilen des Bundesverfassungsgerichts, zusammen mit dem neuen Präsidenten Harbarth, gegen den es schon im Vorfeld Bedenken wegen Interessenkonflikten und Befangenheit gab, ist das oberste Gericht nun ganz offensichtlich in der Hand der Putschisten. Die haben die Deutungshoheit. Damit ist Paragraf 20 Makulatur. Denn dieser Paragraf hat nur für juristische Fragen Gültigkeit, wenn es den Bürgern gelingen sollte, einen Putsch gegen das GG abzuwehren – und es dadurch in Kraft bleibt. Da so gut wie niemand mehr Interesse am Inkraftbleiben des GG hat, ist ein solcher Ausgang so gut wie ausgeschlossen. Gute Nacht, Deutschland. Jetzt kommt, was fast alle insgeheim wollen: Die Diktatur der vielen Wissenden und Starken.

Habe (17.5.20) nachgedacht über das »Wir sind nicht eure Kulisse!« (s.o.). Was hat mich so getroffen? Ich habe es immer noch nicht völlig klar, doch zwei Dinge kamen mir dazu: Die Demo ist nach dieser Logik, dieser Sichtweise nur ein Theaterstück, eine Show, und man zwingt dies diesen Leuten auf. Sie wären demnach die Kulisse für dieses Theater, gegen ihren Willen. Heißt, man spricht den DemonstrantInnen jegliches wirkliche Engagement ab. Sie sind nur dort, um eine Inszenierung abzuhalten, mit der sie ihr nach Ansicht der Anwohner dummes, hanebüchenes Zeug propagieren wollen. Sie haben nicht gefragt, ob sie die Häuser und Läden dort als »Hintergrund« (respektive »Kulisse«) benutzen dürfen. Sie haben also kein Recht dazu, da das, was sie tun, den Anwohnern nicht passt. Denn sie sind »Andere«, und deshalb haben sie es nicht. »Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden«, sagte einst Rosa Luxemburg, nach der der Platz, wo alles stattfindet,  benannt ist. Das ist eines der Grundprinzipien einer demokratischen Lebenshaltung.

Dann noch etwas, das mich noch tiefer berührt: Sie haben ja ganz selbstverständlich die Entscheidung, will heißen, die Deutungshoheit darüber, ob du überhaupt dort sein darfst. Also: Wenn sie nicht mit dem übereinstimmen, was du denkst, fühlst und vertrittst, hast du nicht mal das Recht, dort zu sein. Nach dieser Logik darfst du dich nur in Bereichen bewegen, die dir die Erlaubnis dazu geben – qua Übereinstimmung mit deren Meinung und Weltsicht. Gibt es die nicht, hast du dich zu verpissen, weil sie das bereits als übergriffig empfinden. Zu Ende gedacht bedeutet das, dass du eigentlich kein Existenzrecht hast – es sei denn, du teilst ihre Weltsicht.

Das ist faschistisch, tut mir leid. Und es kommt von einer überwiegend jüngeren, hippen, sich (höchstwahrscheinlich) als links und progressiv verstehenden Klientel. Darauf lassen zumindest weitere Plakate schließen, die ich dort gesehen und fotografiert habe. Es zeigt vergrößert, gebündelt wie mit einem Brennglas, wo wir uns als gesamte Gesellschaft befinden. Denn diese Haltung begegnet mir auf Schritt und Tritt – Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Ich habe das schon mehrfach an anderer Stelle thematisiert und will es hier dabei belassen. Mir kam jedoch noch ein Gedanke: In welcher Beziehung steht die gesellschaftliche Strömung der Hippie-Bewegung (von etwa Mitte der sechziger bis etwa Mitte der siebziger Jahre) zum Vordringen neoliberalen Denkens seit Mitte der siebziger Jahre? Inwieweit verkörperte z.B. jemand wie Ronald Reagan den Wunsch einer verunsicherten Mehrheit, diese geistige »Herausforderung« an alles, was ihnen etwas bedeutete zurückzudrängen, ja, sie »loszuwerden«? Das ist nur ein Gedanke, und natürlich gab es ja selbst innerhalb der Hippie-Bewegung bereits Anfänge von Entwicklungen, die dann später die Anstöße zu einer lebendigen, bescheiden-erdigen, ganzheitlichen Lebenssicht zu Grabe tragen sollten … Da sind wir wieder bei dem Punkt: Alles, was du nicht auch laufend hinterfragst, wird sich früher oder später gegen dich wenden. Wo bin ich gerade? Was tue, wie lebe ich? Was macht das mit mir und Anderen? Und wo will ich hin? Wie sieht der nächste Schritt aus, um in diese Richtung weiterzugehen? Und natürlich muss ich mich dabei von dem Punkt »entfernen«, an dem ich jetzt bin.

Mein Eindruck ist, dass Viele innerlich an einem Punkt stehenbleiben, nicht mehr weiter wachsen, wenn sie das Gefühl haben, »jemand zu sein«, »es geschafft zu haben«. Das ist sehr menschlich (ich darf mich da wohl auch an die eigene Nase packen), doch es bedeutet auch menschliche Stagnation, ja Stillstand, Verhärtung, Burgmentalität. »Happens to the heart« ist eines der postum im November vergangenen Jahres erschienenen Lieder von Leonard Cohen, das, so empfinde ich das, auch davon handelt.

Ich komme gerade von einer kleinen Fototour um den Rosa-Luxemburg-Platz zurück. Denn gestern waren wir zu zweit dort, und heute wollte ich mir mehr Zeit nehmen, um in Ruhe nach Aufklebern und Plakaten zu schauen. Das habe ich getan. Leider war das nicht dazu angetan, mich zu beruhigen. Im Gegenteil – zusammen mit weiteren Beobachtungen um mich herum kam mir ein Satz: Es liegt eine subtile Progromstimmung in der Luft. Ein Progrom einer sehr großen, (selbst)gerechten Mehrheit gegen die kleine Minderheit derer, die zweifeln und kritisch sind. Die aus deren Sicht die Mehrheit gefährden und zudem unsozial sind, ja völlig verantwortungslos. Und die mit Nazis zusammen demonstrieren gehen – Nazis, die morden … Gegen diese Leute darf man im Namen der »sozialen, solidarischen« überwältigenden Mehrheit vorgehen, notfalls sogar mit Gewalt. Noch sind wir nicht so weit, aber das kann sich schnell ändern. Erst dürften Polizeimaßnahmen beklatscht, ja bejubelt werden. Endlich wird gegen Asoziale, Gefährder und Nazis vorgegangen! Und »Nazis« sind im Zweifelsfall alle, die nicht genau auf meiner Linie liegen. Die ganz große Mehrheit ist schließlich demokratisch und muss sich gegen solchen Abschaum zur Wehr setzen. Und Denunziation ist da nur der Einstieg. Irgendwann werden »engagierte« Bürger das Recht wohl auch selbst in die Hand nehmen, und ich bezweifle, dass sich die Polizei und die Gerichte da zu Gunsten des oder der Angegriffenen oder gar Getöteten große Mühe machen werden. Schulterzucken, bestenfalls. Dann lasst uns zur Tagesordnung übergehen. Immerhin wieder einer des Abschaums weniger. Die Welt ist wieder ein kleines Bisschen besser geworden!

Ich finde es rührend, wie sich bei KenFM noch Leute melden, die anscheinend noch nicht begriffen haben, dass inzwischen auch die Legislative nachgezogen hat. Dank einer satten Mehrheit von CDU und SPD zusammen hatte die Opposition, die praktisch geschlossen dagegen stimmte (die Grünen haben sich fast geschlossen enthalten) am 14.5.20 keine Chance. Man wird also die Demontage des Grundgesetzes weiter vorantreiben. Selbst wenn Verfassungsrechtler da zu Recht protestieren – die Gerichte schmettern es ab, nicht zuletzt das Bundesverfassungsgericht, siehe oben. Jetzt gelten andere Regeln. Der Glaube, dass wir noch in einer Demokratie leben, ist naiv. Es sind noch Reste vorhanden, und der äußere Rahmen, die Hülle, scheint noch weitgehend intakt, doch innen ist bereits fast alles ausgehöhlt. Der Putsch hat stattgefunden und wird jetzt konsolidiert, unter dem Beifall oder zumindest der Duldung der großen Mehrheit, nach aktuellem Stand wohl nach wie vor ca. 80 Prozent der Bevölkerung. Die Leute begreifen aber nicht, was hier passiert. Sie wollen es auch gar nicht begreifen. Sie wissen ja, dass es gut und richtig ist. Ende der Diskussion. Das sollte auch Herr Jebsen langsam mal zur Kenntnis nehmen. Sorry, tut mir leid, das sagen zu müssen. Und auch die übrigen zwanzig Prozent, zu denen auch Herr Jebsen gehört, wiegen sich in großer Mehrheit in Illusionen – aus meiner Sicht zumindest. Denn das Gift ist längst innen, nicht nur außen. Außen folgt jetzt nur innen. Für die weitaus meisten ist da deshalb kein Unterschied. Alles bleibt im Wesentlichen wie es ist, ganz selbstverständlich. Und die Denke, die Weltsicht, die für die große Mehrheit eben in die eine Richtung geht, die geht für viele der Minderheit eben in eine etwas andere. Aber die grundsätzliche Weltsicht ist die gleiche, sie schauen nur eben in eine etwas andere Richtung. Genau deshalb sehe ich auch das mit der Pippi Langstrumpf-Melodie als kontraproduktiv an: Es spiegelt eben mit »Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt« den kollektiven Realitätsverlust fast Aller wider – oder besser den Verlust eines Basis-Konsenses, was denn überhaupt Realität sei. Ohne einen solchen Konsens, der sich aber nicht in Textform irgendwo niederlegen lässt, sondern bestenfalls umschreiben, ist eine Begegnung zwischen Menschen auf Augenhöhe unmöglich. Diese Haltung, dass »ich mir die Welt so mache wie ich will« ist Teil des Problems, nicht der Lösung.

Für mich ist wichtig (und umso mehr für Kritiker aller Art, die im Rampenlicht stehen), wie es weitergeht und wie ich im Zweifel meinen Arsch retten kann. Im Moment bin ich sehr wach und vorsichtig optimistisch, ohne begründen zu können wieso. Mein Optimismus hat aber nichts mit einem Abwenden des Putsches zu tun. Der wird weitergehen und erst ein relatives Ende finden, wenn in allen Bereichen »aufgeräumt« sein wird, sich die Deutungshoheit der Regierung und der großen Mehrheit überall durchgesetzt hat. Die überwältigende Mehrheit wird dabei sein – höchstwahrscheinlich sogar engagiert bis begeistert. Und egal, was dann noch passiert – da die große Mehrheit mitmacht, wird sie die Maßstäbe setzen. Wenn wieder gemordet werden wird, wird wieder der/diejenige »böse« und »VerräterIn« sein, wer da nicht mitgemacht hat. Kennen wir aus der Geschichte, wird sich wahrscheinlich in irgendeiner neuen Form, aber alter Struktur in nicht allzu ferner Zukunft wiederholen. Und das nicht nur bei uns in Deutschland. Das ist vielleicht der einzige wirkliche Unterschied. Ach, ein böser Gedanke. Kurt Tucholsky floh damals rechtzeitig vor den Nazis nach Schweden. Hätten sie ihn erwischt – er wäre als einer der ersten getötet worden. Schon seine Name brachte bei vielen »Nationalen« Zornesröte ins Gesicht. Dass er, als er aus dem Exil mit ansehen musste, wie Europa immer mehr in Faschismus und Barbarei versank, seinem Leben schließlich selbst ein Ende setzte, ist tragisch. Er ging letztlich durch die Umstände zugrunde.

Könnte Schweden sicher sein für Exilanten? Ich bezweifele es. Auf Dauer wohl nicht. Da abzusehen ist, dass Schweden (wohl neben der Schweiz) das einzige Land in Europa ist, in dem es noch eine einigermaßen funktionierende Demokratie geben wird, ist es von Diktaturen umgeben. Sagen wir mal, beim dritten Durchgang der »Pandemie« proklamiert man, Schwedens Alleingang sei eine ernste Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in den anderen Staaten, und man wird ein Ultimatum stellen. Sollte Schweden auf seiner Souveränität bestehen, wird man, falls andere Zwangsmaßnahmen scheitern, voraussichtlich in den anderen »betroffenen« Ländern eine Mehrheit der Bevölkerung haben, die auch eine militärische Lösung des »Problems« befürwortet. Damit hat sich das dann erledigt. Spannender wird es, was in der Schweiz passiert. Sollte sich dort auch eine Diktatur durchsetzen, wird es kein Problem geben. Falls nicht – die Schweiz ist im äußersten Fall nicht so leicht militärisch in die Knie zu zwingen wie Schweden. Falls man es doch versuchen sollte, wird es zähe und langwierige Kämpfe geben – es sei denn, man beschließt, »aus Gründen der medizinischen Weltsicherheit« taktische Atomwaffen einzusetzen. Dann wird das sehr viel schneller gehen. Gegen Atombomben werden auch die Bunker in den Bergen auf Dauer nicht helfen können. Die Schweiz wäre dann zwar in weiten Teilen verbrannte Erde, und ich habe auch keine Ahnung, wie die Mächtigen dann trotzdem ihr dort gebunkertes Geld behalten könnten. Na, dann vielleicht doch keine Atombomben?

17.5.20 – Für die übergroße Mehrheit gibt es kein (nennenswertes) Problem. Sterben tut man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht, zumindest nicht jetzt. Das sickert so langsam wohl bei den meisten Leuten ein, wenn auch eher unbewusst. Und doch fühlen sie sich subtil bedroht, dank der weiter fortdauernden Maßnahmen wie der völlig unsinnigen Maskenpflicht. Die ist selbst nach den Empfehlungen der WHO, die ja immerhin diese Lawine losgetreten hat, unsinnig – es sei denn, man hat Krankheitssymptome oder pflegt eine kranke Person. Auch Weltärztepräsident Montgomery hält das mit den Masken eher für kontraproduktiv. Aber das interessiert praktisch niemanden. Das Problem sind nämlich die, die mit den »Maßnahmen« und dem Verlust der Demokratie und Freiheitsrechte ein Problem haben. Wenn die zum Schweigen gebracht sind, ist wieder Ruhe – siehe oben.

Doch das ganze traurige, weltweite Theaterstück lenkt von den anderen brennenden Problemen ab, die ja genau wie alle anderen Bakterien und Viren keine »Ferien« haben, nur weil wir diesen Hype um ein bestimmtes Virus machen: Die Erderwärmung läuft weiter, und es werden gerade gigantische Mengen Methan in den Gegenden frei, die sich mit am stärksten erwärmen – in Alaska zum Beispiel, aber auch auch in anderen arktischen Regionen sowie im Nordmeer. Da geht es richtig zur Sache, und Methan ist ja ein um ein vielfaches klimaschädigerendes Gas als CO2. Es soll zwischen 28 bis über 30 Mal so intensive Treibhauseffekte wie dieses bewirken. Diese Erwärmung könnte also einen sehr schnellen Rückkopplungseffekt erzeugen – die Wärme setzt Methan frei, das die Erwärmung noch schneller ansteigen lässt, was wiederum noch mehr Methan freisetzt, und so weiter.

Wer weiß, vielleicht erleben wir in naher Zukunft einen ähnlichen Kippeffekt wie jetzt in der Politik? Ab einem bestimmten Punkt kann das sehr schnell gehen, davor warnen bereits viele Wissenschaftler. Und wie ich an anderer Stelle schon geschrieben habe, sind das ja nicht unsere einzigen Probleme, die sich schnell verschlimmern. Es brennen mehrere Lunten. Das bringt mich wieder zu meinem persönlichen Kram zurück: Der größte Teil meines Lebens liegt hinter mir. Wann werde ich abberufen? In zwei Minuten? In zehn Tagen? In fünf, oder gar erst in zwanzig Jahren? Und was gedenke ich mit der mir noch bleibenden Zeit zu tun, egal wie lang die sein wird? In diesem Artikel, der auch oben schon mal verlinkt ist, wird diese Frage auch an die gesamte Menschheit gestellt. Der Autor Roy Scranton meint: »Die größte Herausforderung, vor die uns das Anthropozän stellt, ist nicht, wie das Verteidigungsministerium am besten seine Ressourcenkriege plant, ob wir schützende Deiche vor Manhattan bauen sollen, oder wann wir Miami aufgeben müssen. Man kann diese Herausforderung auch nicht angehen, indem man einen Prius kauft, die Klimaanlage abstellt oder ein Abkommen unterzeichnet. Die größte Herausforderung ist eine philosophische. Wir müssen uns eingestehen, dass diese Zivilisation bereits tot ist. Je eher wir uns dieser Situation stellen, je eher wir einsehen, dass wir uns nicht mehr retten können, je eher können wir mit der schwierigen Aufgabe beginnen, uns an diese neue Realität mit der Bescheidenheit sterblicher Wesen anzupassen.«

Bescheidenheit. Gewöhnlichkeit. Demut. Das sind Dinge, die heute so fern sind wie nur was. Ich könnte mir vorstellen, dass es bereits Leute gibt, die das nachschlagen müssen, weil sie das zwar schon mal gehört, aber keine Ahnung haben, was diese Worte bedeuten. Oder besser, für was sie stehen. Und selbst wenn sie es gelesen haben, werden sie es nicht wirklich begreifen: Es sind Relikte aus einer anderen Zeit, Anachronismen. Sie haben heute weder einen Wert noch irgendeine Bedeutung. Das ist zum Einen der Lauf der Zeit, zum Anderen aber eben auch eine Entscheidung, die wir alle kollektiv in den vergangenen fünfzig oder sechzig Jahren getroffen haben. Theodor W. Adorno brachte das 1966 in »Negative Dialektik« so auf den Punkt: »Der introvertierte Gedankenarchitekt wohnt hinter dem Mond, den die extrovertierten Techniker beschlagnahmen.« Und die Techniker haben inzwischen nicht nur den Planeten selbst beschlagnahmt, sondern auch unsere Psychen – oder sollte ich lyrischer sagen, unsere Seelen? In diesem Zusammenhang ist es auch einleuchtend, dass Solidarität und Mitgefühl, aber auch Zivilcourage heute bei den meisten regelrecht verpönt sind, ein Zeichen von Schwäche und Dummheit. Dass die Dinge immer mehr ins Autoritäre kippen, bereitet den weitaus meisten wohl auch deshalb null Probleme. Im Gegenteil: Viele finden es sogar gut – sie bewegten sich persönlich ja eh in diese Richtung. Wieder ein Bisschen mehr Macht, auch für sie.

Die Lunten brennen. Doch so lange es geht, werden alle weitermachen wie bisher. Und die StörerInnen ausgrenzen, wenn nötig auch beseitigen. Denn die sind sprichwörtlich diejenigen, die noch so was wie ein Spiegel sind, wenn auch ein gesplitterter. Das, was sie spiegeln, soll ja weg. Es verdirbt den Spaß, stört das Bild von der eigenen Perfektion und Unangreifbarkeit. Ist wie der Moment, der in »Who Framed Roger Rabbit?« mein Lieblingsmoment ist: Eine der Figuren geht ganz oben in einem Hochhaus auf ein Klo, um sich vor einem Spiegel zu kämmen. Sie ergötzt sich an ihrem tollen Aussehen, kämmt noch hier, kämmt noch da. Merkt dabei, dass irgendwas nicht stimmt. Als sie innehält und sich umschaut, fällt ihr jetzt auf, dass es gar keinen Boden gibt. Und erst in diesem Moment beginnt sie zu fallen … Dieses Erkennen, dass es »keinen Boden gibt«, dass der Tod unausweichlich auf jede/n von uns wartet – das will man um jeden Preis vermeiden. Denn ganz im hintersten Winkel des Bewusstseins ist da intuitiv ein Wissen, dass genau das passieren wird, sollte diese Tatsache in den Vordergrund des Bewusstseins dringen …

Genau dieses Erkennen und die unendliche Ernüchterung, die das mit sich bringen würde, könnte vielleicht das Schlimmste noch verhindern. Der US-Journalist Chris Hedges, Träger des Pulitzer-Preises, spricht in diesem Zusammenhang in einem Artikel von der »Ära des radikalen Bösen«, die sich im Kontext eines planetarischen Kollapses entfalten könnte. Doch die Welt bewegt sich (fast) geschlossen zu mehr Verdrängung, zu mehr Größenwahn. Was also tun? Ein Bäumchen pflanzen?! Der Wahnsinn geht ja weiter: Der »Spiegel« lässt in einem Kommentar die Demonstranten gegen die »Maßnahmen« als »Verschwörungsirre« bezeichnen, »[die] auf diesem Wege nicht zu bekehren [sind], sie sind überhaupt nicht zu bekehren: In ihrer Welt ist einer, der ihnen widerspricht, immerfort nur einer, der die Verschwörung verschleiern will – und somit deren Existenz beweist, weil es sonst ja nichts zu verschleiern gäbe. Capice?« So in dem Stil geht es im Text weiter. Und auf dem Titelblatt der aktuellen Ausgabe ist unten ein gelbes Band mit einem bösen Gesicht als Symbol: »Die unheimliche Macht der Verschwörungstheoretiker«, heißt der so angekündigte Artikel. Darin steht in der zweiten Überschrift: »Wie gefährlich sind sie?« Wie gefährlich bin ich also? Das impliziert eine dräuende Gefahr, eine mögliche »geistige Verseuchung« der Bevölkerung, die doch weitgehend geschlossen hinter dem steht, was ihnen fast überall erzählt wird. Sorry – vorgestern habe ich mich ein wenig geschämt zu schreiben »eine subtile Progromstimmung liegt in der Luft« und dachte zumindest daran, das zu ändern. Jetzt bleibt auch das drin.

19.5.20 – Ich erwische mich dabei, wie ich an eine Reise zu Freunden nach Frankfurt/M. nachdenke und dabei auch gleich: »Aber ist das erlaubt?« Das Entscheidende hier ist, wie selbstverständlich diese beiden Gedanken aufeinander folgten, nicht, dass ich sie gedacht hatte. Näher komme ich mit Worten nicht heran. Wenn mir jemand vor acht Wochen gesagt hätte, dass so was passieren würde – ich hätte ihm einen Vogel gezeigt. Und jetzt beginnt es quasi in Fleisch und Blut überzugehen. Noch fällt es mir auf. Wann werde ich es so selbstverständlich finden, dass es mir nicht mehr auffällt? Ich habe Angst vor diesem Moment. Doch die Angst habe ich jetzt. Denn wenn es mir nicht mehr auffallen wird, habe ich vor anderen Dingen Angst, nicht mehr davor.

Gestern las ich in einem Artikel bei »Rubicon«, Deutschland »scheine sich zunehmend in eine Art Sekte zu verwandeln«. Das sehe ich ähnlich, wohl wissend, dass ich derjenige bin, der für die große Mehrheit zu einer Art Sekte gehört. Zu einem Häuflein »Irrer«, die eigentlich eher in die Psychiatrie gehören. Übertrieben? Leider nicht. Noch heißt es zwar: »Manche Demonstranten« (Hervorhebung von mir). Und wenn man aus den »richtigen« Gründen auf die Straße gehe, sei das natürlich in Ordnung. Ich schreibe bewusst »in Ordnung«. Und was »richtig« und in Ordnung ist, bestimmt selbstverständlich Die Ordnung: Die Vernünftigen. Die Verantwortungsvollen. Die »Irren«, die »Spinner«, die »Gefährder« sind der Sand im Getriebe Der Ordnung. Sie sind es, die alles stören. Die weg müssen. Eigentlich müsste eine Demokratie locker auch Leute vertragen, die mit irgendwelchem wie auch immer geartetem Gaga-Kram auf die Straße gehen. Zumindest habe ich das bislang so gesehen. Mir kommt dazu gerade eine schöne Erinnerung an die »Speaker’s Corner« in Londons Hyde Park. Denn zu den »Gaga-Leuten« gehöre im Zweifelsfalle ja auch ich. Doch jetzt ist allgemein klar, dass so was »nicht geht«. Besser: nicht mehr geht. Und die weitaus meisten finden das gut.

Eine Bekannte schickte mir einen interessanten Link zu einem aktuellen »Spiegel«-Artikel zur psychologischen Situation in Deutschland – nach Horst Opaschowski, Zukunftsforscher: »›Konsum nach Maß‹ als neue Glücksformel?« Ich füge der Einfachheit halber hier meine leicht überarbeitete Antwort an sie ein: Dass die weitaus meisten Leute in der gegenwärtigen Situation ein paar Unannehmlichkeiten wahrnehmen, aber ansonsten kein weiteres Problem damit haben ist auch meine Beobachtung. Ja, sie scheinen sogar noch selbstbewusster und stolzer zu werden. Schließlich haben sie ja etwas zusammen »geschafft«.

Und ich denke auch, dass es stimmt, dass die weitaus meisten mit der Politik zufrieden sind – womöglich sogar deutlich mehr als vorher. Sie fühlen sich eher durch die »Spinner« und »Irren« gestört, die sagen, etwas würde da sehr falsch laufen. Dass die Leute insgesamt bescheidener werden, glaube ich aber nicht. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass sich Bedürfnisse verlagern. Das sehe ich ähnlich wie Opaschowski. Und vielleicht macht das punktuell auch glücklicher. Doch ich komme mal wieder auf den berühmten Satz von Adorno zurück: »Es gibt kein richtiges Leben im falschen.« Daran wird sich, denke ich, auch so schnell nichts ändern.

Ich halte es durchaus für möglich, dass sich gerade hier in Deutschland jetzt viele Menschen besser fühlen. Die Sicherheit, ja Geborgenheit, die autoritäre Strukturen vermitteln, haben sehr viele insgeheim zu lange vermisst. Deswegen würde es mich kaum wundern, wenn die große Mehrheit das alles unter dem Strich sogar als eine Verbesserung ansehen wird. Die kleine Minderheit, die damit Schwierigkeiten hat, sind eh meist denjenigen, denen man insgeheim nicht so ganz über den Weg traute. »Wir« sind jetzt eine Gemeinschaft der Wissenden und Starken. Alle Anderen haben da nichts verloren.

Das ist genau die Haltung, die sich mit lokalen bzw. nationalen Variationen vielerorts wiederfindet. Ich freue mich ja immer, wenn ich jemanden finde, der sehr ähnliche Gedanken wie ich hat, aber einen fundierten beruflichen Hintergrund, so dass das, was er oder sie sagt nicht einfach als Spinnerei wegzuwischen ist – langjährig tätige, bekannte JournalistInnen zum Beispiel, oder angesehene WissenschaftlerInnen. Der Text, der das Video ankündigt, ist zwar auf Deutsch, das Video des Interviews selbst aber auf Englisch. Die Journalistin Abby Martin ist hier in einem (mich zumindest) sehr nachdenklich stimmenden Gespräch mit dem Journalisten und Buchautor Chris Hedges zu sehen, der selbst aus einem christlichen Hintergrund kommt. Doch er warnt eindringlich vor einem »faschistischen Christentum«, das quer durch die amerikanischen Eliten, unabhängig von deren Parteizugehörigkeit, anzutreffen sei. Und das Interessanteste, weswegen ich das hier erwähne – auch er sagt: »Totalitäre Persönlichkeiten (respektive totalitäre staatliche Strukturen) kommen nicht zufällig an die Macht, sondern sie verkörpern etwas, das in den allermeisten Menschen schlummert. Denn das Böse ist in uns: Die Trennlinie zwischen Opfer und Täter ist hauchdünn – praktisch jede/r von uns kann im Handumdrehen zum Folterer werden. Es liegt an uns, das zu begreifen und entsprechend zu handhaben. Schaffen wir das nicht, ist die menschliche Art und der größte Teil des irdischen Ökosystems dem Untergang geweiht.« Dieses Interview entstand im Dezember 2019 und wirkt in Vielem wie eine prophetische Vorwegnahme der Ereignisse, die sich ein Vierteljahr später ereignen sollten.

Mir ist seit ein paar Minuten kalt (20.5.20), obwohl ein halbwegs laues Mailüftchen durch meine Wohnung weht. Weiter oben hatte ich bereits vor ein paar Tagen ein Video verlinkt, das ich mir aber heute erstmals in voller Länge angeschaut habe: Das ist ein Menetekel. So wie die Dinge stehen, befinden wir uns bereits in einer sich schnell beschleunigenden Klimakatastrophe, und es interessiert so gut wie niemanden – und das nicht erst durch das weltweite Theater um das Corona-Virus. Es interessiert sogar die Leute, die in den entscheidenden Positionen sitzen so gut wie gar nicht. Salopp gesagt: Es geht so ziemlich allen am Arsch vorbei. Wenn wirklich begriffen würde, was da zur Sprache kommt, müsste dieses Video einen weltweiten Aufruhr auslösen. Aber nicht einen völlig unverhältnismäßigen, wahnhaften Hype, sondern ernste Besorgnis. Tut es aber nicht: Es hatte eben gerade mal gute hundert (ich wiederhole: Einhundert) Views. Ich habe das eben noch mal verifiziert: Es gibt dieses Video nur an dieser Stelle auf »YouTube«. Vor vier Monaten lag die Zahl der Views bei 95. Und hier geht es um etwas, das nicht nur Deutschland betrifft, sondern die gesamte Biosphäre, das gesamte Raumschiff Erde. 7,5 Milliarden Menschen, gute einhundert Views. Ein besseres Bild für unseren kollektiven Geistes- und Bewusstseinszustand gibt es nicht.

Dr. Peter Carter vom »Climate Emergency Institute« erzählt da über seine Beobachtungen im Rahmen der Konferenz COP25 sowie über die jüngsten Forschungserkenntnisse bei der Klimaforschung. Ein 2,2 Millionen Jahre alter Bohrkern aus dem Eis der Arktis zeigte unter Anderem, dass die jemals höchste Methankonzentration in der Atmosphäre am Bohrort in der genannten Zeit niemals höher lag als ca. 800 ppm. Seit einem Dreivierteljahr – Carter sagt, seit August 2019 – blubbern jedoch ungeheure Mengen an Methan aus dem Meer vor Alaska hoch – ich erwähnte es bereits weiter oben. Bis zum Zeitpunkt des Interviews im Dezember letzten Jahres wurden dort 2.050 ppm (in Worten: Zweitausendundfünfzig) gemessen – nicht als Spitzenwert, sondern gleichbleibend, seit vielen Monaten. Vermutlich blubbert es auch jetzt weiter. Es interessiert aber nun noch weniger als vorher. Und das ist ja nur eine neue, riesige Quelle für Treibhausgase, siehe weiter oben. Darüber hinaus ist jetzt schon für viele Wissenschaftler klar, dass die Dürren auf der südlichen Halbkugel (Südamerika, Südliches Afrika, Australien) keine vorübergehenden Erscheinungen bleiben werden, sondern sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sogar verschärfen – und zu einem Dauerzustand werden.

»Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff« – das ist sicher ein guter Spruch für die derzeitige Situation. Auch das Zitat mit dem selbstverliebten Schlafwandler weiter oben bekommt ein tieferes Gewicht. Während gerade autoritäre Strukturen durchgesetzt werden, die uns, vielleicht in punktuell abgeschwächter Version, wohl weiterhin begleiten werden, konsumieren wir weiter – nicht nur die Welt, auch unsere Leben. Ich habe es an anderer Stelle bereits geschrieben: Ich mache mir wenig Illusionen darüber, was das wirkliche Begreifen angeht. Auch »Fridays for Future« und »Extinction Rebellion« sind letztlich hippe, coole Produkte. Bis auf eine Handvoll Leute, die ich auch für innerlich engagiert halte, sind die weitaus meisten dabei, weil es gerade »angesagt« ist. Besser als nichts, doch es wird so kaum etwas ändern. Das Richtige aus der falschen Motivation heraus zu tun führt letztendlich doch nur in die Irre, bestenfalls zu einer Verschlimmbesserung. Das Falsche aus der richtigen Motivation heraus zu tun ist allerdings tragisch.

Etwas, das sich in den vergangenen Jahrzehnten angebahnt hat, ist jetzt »ausgelöst« worden, hat seine Blüte erreicht – ich erwähnte es ja weiter oben schon. Niemand – na, so gut wie niemand – sieht darin ein nennenswertes Problem. Sogar den in nicht allzu ferner Zukunft kommenden Weltuntergang werden wir uns voraussichtlich noch als unterhaltsame Show reinziehen und erst unmittelbar vor unserem Tod begreifen, dass es »ernst« war. Denn was Realität ist, bestimme schließlich ich, der Souverän. My Life, my Rules. Wir haben die absolute Deutungshoheit übernommen, gänzlich frei von jeglicher Selbstreflexion. Und die ist jetzt durch geschicktes »Social Engineering« gekapert worden. In solch einer Atmosphäre hat das, was ich unter »gesundem Menschenverstand« verstehe, nicht mehr die geringste Chance. Was gilt, ist manipulative Intelligenz – die Art »Intelligenz« bzw. Logik, mit der Computer arbeiten. Die ist völlig entkörperlicht, losgelöst von jeglichem kontextuellen Denken. Mir ist aufgefallen, dass vor Allem hochintelligente Leute, die mir in Punkto IQ deutlich überlegen sind, fest an das derzeitige Narrativ glauben. Es sind diejenigen, die mir bei sogenannten Denksportaufgaben schon die (meistens richtige) Antwort präsentieren, während ich mich noch versonnen am Kopf kratze und dabei frage, um was es hier denn gerade geht.

Mir kommt auch das Video von der Demo in Stuttgart von vergangenem Samstag (16.5.20) wieder in den Sinn. Es ist inzwischen bei YouTube gelöscht und auch sonst nicht mehr auffindbar. Immerhin hat jemand den Videobeitrag von Dr. Wodarg, der dort gezeigt wurde, erneut hochgeladen. Kann gut sein, dass auch der bereits wieder gelöscht ist. Es ist ein Katz und Maus-Spiel, das die Großkonzerne (also Facebook, Google/Youtube, Twitter, …) mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen werden. Das ist nur eine Frage der Zeit. Zurück zu dem Video von der Demo. Ich erschaudere bei dem Gedanken, wie entwürdigend die ganze Situation für dieses »Häuflein« dort war. Fünftausend DemonstrantInnen gegen die Abschaffung elementarer Grundrechte, bei einer Gesamtbevölkerung von 83 Millionen … Die sind zudem von der Politik regelrecht vorgeführt worden (und werden es noch). »Entwürdigend« ist noch eine Beschönigung. Und auch dagegen regt sich praktisch kein Widerstand. Es ist wie mit dem Video, in dem unglaubliche Sachverhalte von globaler Bedeutung zur Sprache kommen: Es interessiert kein Schwein. Schon vor Jahren kam mir ein böser Satz: »Die Welt wie wir sie kennen geht gerade unter, und alle sind verdammt gut drauf.« Das ist heute nicht mehr böse. Es beschreibt den derzeitigen Zustand.

Gehe heute, am Himmelfahrtstag, 21.5.20, durch die Straßen im Kiez. Es ist angenehm mild, aber noch nicht wirklich warm. Ich genieße den Sonnenschein, von dem ich um die Mittagszeit schon viel nackt in der Loggia getankt habe, ein spannendes Sachbuch vor mir. Ja, die Leute sind gut drauf, doch ich meine auch ihre subtile Verunsicherung zu spüren, die sie aber gut wegdrücken: Alle bewegen sich souverän und supercool. Es gibt Stellen, da falle ich ohne Sonnenbrille und stolzes Überlegenheitsgehabe sofort auf. Mein Weg führt mich an meiner Stammkneipe vorbei, die die ganze Zeit geschlossen war. Eines der Fenster steht auf, und ich werfe einen Blick ins halbdunkle Innere. An einem Tisch hinter dem Fenster sitzt die Inhaberin. Ich begrüße sie, und wir kommen schnell ins Gespräch. Nach ein paar kurzen Sätzen sagt sie: »Etliche Leute haben gespendet. Aber ich werde es wohl nicht schaffen.« Ihr Gesicht bekommt einen verzweifelten Ausdruck, und für einen Moment sieht es so aus, als würde sie in Tränen ausbrechen. Sie dreht sich ein wenig zur Seite und wischt sich eine Träne aus dem Gesicht, die an ihrer Wange herunterrinnt. Dann schluckt sie und wendet sich wieder mir zu. Als ich mich kurz darauf verabschiede, biete ich ihr noch an, ihr einfach so zehn Euro zu geben. Sie lächelt traurig und meint nur: »Danke, das ist lieb. Aber es wird mir auch nicht mehr helfen.« Sie lässt ihre erwachsene Tochter herein, die gerade angekommen ist, und wir verabschieden uns. Ich wünsche ihr alles Gute.

Ein paar Straßen weiter. Bei einer der letzten schwulen Kneipen, die es hier im Kiez noch gibt, steht die Tür offen. Davor ist ein Tisch, der sonst drinnen steht. Dahinter ein schnuckeliger Mann Ende vierzig, einer der Leute, die hier normalerweise drinnen hinter dem Tresen stehen. Vor sich auf dem Tisch eine Liste von Getränken, die er hier außer Haus verkauft. Ich habe aber keine Lust auf Bier (oder was Anderes) und sage ihm das gleich, frage stattdessen, wie es steht. Er meint, im Moment sähe es noch so aus, dass sie sich halten könnten. Doch sollte das noch viel länger gehen mit den Einschränkungen, würde es dann schnell eng. Er schweigt kurz, und ich lasse seine Worte in mir nachklingen. Der Pleitegeier kreist schon, aber noch hat er sich nicht niedergelassen. Auch ihm wünsche ich alles Gute und dass ich die Daumen drücke, dann gehe ich weiter. Ich komme nun auf die belebte Stargarder Straße. Sofort reiße ich den Altersdurchschnitt signifikant nach oben. Kaum jemand hier ist über Ende dreißig. Überall stolze, selbstgerechte Gesichter, in den meisten eine Sonnenbrille. Viele stehen um Eis an. Der Eisladen wird wohl kaum pleite gehen, kommt mir sofort. Doch ich scheine so ziemlich der einzige zu sein, der nicht vor Selbstbewusstsein beinahe platzend lässig durch die Straße schlendert. Ich erschaudere ob so viel geballter Coolness. Mir wird auch körperlich kalt, obwohl sich um mich herum nichts geändert hat. Wo lassen sich all diese unfassbar von sich selbst überzeugten Leute noch hinführen? Zu was sind sie fähig? Wo wird das enden? Und mir dämmert schon: Am Ende wird wieder niemand schuld sein. Es ist »einfach so passiert«, so was wie höhere Gewalt. Man wird sich davor verwahren, in irgendeiner Form Verantwortung zu übernehmen. Doch wer wird diese Fragen stellen? »Die Geschichte«? Geschichte wird immer von denen geschrieben bzw. definiert, die die Deutungshoheit haben. So gesehen hat niemand irgendetwas zu befürchten – außer denjenigen, die nicht mitmachen. Hatten wir auch schon mal. Werden wir womöglich wieder haben.

Die Tage des (halbwegs) freien Internets sind wahrscheinlich gezählt, ich erwähnte es bereits. Es ist allerdings unrealistisch zu glauben, dass man so etwas Gigantisches wie das weltweite Netz so mir nichts dir nichts bis ins Detail zensieren könnte. Das ist technisch wohl noch nicht möglich. Noch nicht. Bis dahin dürften aber zwei Strategien nach der »Achtzig-Zwanzig-Regel« schnelle und wirksame »Hilfe« bringen: Zum einen werden alle Seiten, die »Falschinformationen« verbreiten, in irgendeiner Form zum Schweigen gebracht – erst mal wohl mit einer Verordnung á la »Gefahr im Verzuge«, später dann wahrscheinlich auch per Gesetz. Zum Anderen arbeitet man wohl bereits daran, die Suchalgorithmen der Suchmaschinen zu »optimieren«: Was ist zum Beispiel, wenn einem erst ab Seite 10 oder 15 (oder gar noch später) der Suchergebnisse etwas angezeigt wird, das nicht der offiziellen Line entspricht? Nur wenige werden sich diese Mühe machen, sich bis dorthin »durchzugraben«. Die meisten werden vorher aufgeben. Und es hätte den Vorteil, dass zum Beispiel Google mit Fug und Recht sagen könnte, eine Zensur existiere nicht – es würde doch alles angezeigt! Wer das in Zweifel ziehe, sei ein Verschwörungsideologe. Merke: Das Wort »Theorie« ist inzwischen anrüchig, denn es meint ja letztlich eine andere Sichtweise auf Augenhöhe, über die zu debattieren wäre. Besser also »-Ideologe« oder »-Mythos«, denn beides impliziert: verbohrt, irrational und unbelehrbar. Dies sind die neuen »Anderen«, die neuen »Juden«. Ich bin einer von ihnen.

Bügeln ist doch was Meditatives. Ich habe eben noch mal tiefer begriffen, warum mir die Geschichte »Fahrtunterbrechung« aus einer schrägen Anthologie, erschienen im Christine Janson Verlag Frankfurt/M., so gut gefällt. Ein paar Gründe waren mir bereits klar, doch jetzt ist es noch mal tiefer gerutscht. Es geht in dieser erotischen Fantasy-Geschichte um einen LKW-Fahrer, der total übermüdet nach einer Fahrt auf einer schier endlos erscheinenden Straße durch einen urwaldähnlichen Wald zu einer grell erleuchteten Raststätte kommt. Erleichtert parkt er seinen Lastzug auf dem großen Parkplatz und geht rein, um sich ein Feierabendbier zu genehmigen, bevor er sich in seine Schlafkajüte legen will. Die überwiegend jungen Leute dort kommen ihm zwar seltsam vor, doch er kann sich nicht erklären, woher dieses unterschwellige Gefühl von Gefahr kommt, das seine Nackenhaare sich aufstellen lässt. Es scheint doch alles in Ordnung zu sein? Er hat sein Bier bekommen, und dort in der Mitte des Saales hampeln ein paar Leute zur Musik auf der Tanzfläche herum. Alles ändert sich schlagartig, als er am Rande der Tanzfläche entlang der Sitzabteile geht, die es dort gibt. Eine junge, ansonsten eher unauffällige Frau starrt ihn auf einmal mit schreckgeweiteten Augen an – sie ist die einzige hier, die überhaupt Gefühlsregungen erkennen lässt. Das fällt ihm erst jetzt wirklich auf.

Die Frau spricht ihn an, und nach einem kurzen, erschrockenen Hinweis darauf, dass er sich in großer Gefahr befände, greift sie seine Hand und springt auf: »Schnell, folge mir! Wir müssen hier raus! Komm!« Sie rennen zusammen nach hinten, in Richtung Hinterausgang. Noch im Laufen sieht er, wie sich die Gesichter der Anwesenden verändern – sie werden zu Krokodilen und Schlangen. Und nicht nur das – alle springen auf und rennen hinter den beiden her. Sie haben ein paar Schritte Vorsprung und schaffen es nach draußen, werden aber dort eingeholt und sind schnell umzingelt. Die junge Frau kann ihm noch zurufen: »Vertraue mir – es wird ein Bisschen weh tun!« Er hat ein ganz komisches, nie erlebtes Gefühl, und im nächsten Moment findet er sich schon zu den Füßen der wild ins Leere schnappenden Reptilienmenschen wieder. Sofort wird er unsanft im Nacken gepackt und bekommt noch mit, wie er in wildem Lauf von jemandem getragen wird, erst zwischen den Beinen der aufgebrachten Menge hindurch und weiter durch Gebüsch und Wald. Dann verliert er das Bewusstsein.

Als er es schließlich wiedererlangt, liegt er an einem Ort, den er zunächst für eine große, stille Waldlichtung hält, unter diesem unglaublichen Sternenhimmel. Die junge Frau sitzt neben ihm und beobachtet amüsiert, wie verwirrt er ist, sich dann nach und nach beruhigt und zu sich kommt. Sie ist splitternackt. Es dauert einen Moment, bis er merkt, dass er es auch ist. Nun ja, mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten, außer, dass die Beiden sich bald in dem Wohnwagen der jungen Frau am Rande des Geländes näher kommen und supergeilen Sex haben – aber nicht nur das. Da ist noch einiges mehr, schließlich ist es ja eine Fantasy-Geschickte. Die hat für mich zudem einen schönen, anarchisch-albern-weisen Subtext, und das ist ein weiterer Grund, warum ich sie so mag. Sie ist übrigens von einer Frau geschrieben. Und ich bin jetzt auf eine Weise so sichtbar, als ob ich mit knallrot bemaltem Gesicht rumlaufen würde. Wer weiß, was aus dieser Sichtbarkeit erwächst … Vorhin musste ich bei diesem Gedanken und der Erinnerung an die Geschichte schmunzeln …

Ich lese weiter interessante Artikel. Und ich lese auch (22.5.20) weiter meine spannende Sachbuchlektüre. Wenn mich jemand fragen würde, wie das alles zustande gekommen ist, was wir gerade sehen, dann würde ich derzeit etwa so was sagen: Wir erleben eine Krise des menschlichen Bewusstseins. Es war schon immer ein Thema und problematisch, doch in den vergangenen Jahren haben wir eine entscheidende Schwelle überschritten: Das Re-Präsentierte ist für die weitaus meisten Menschen wichtiger, realer geworden als das direkt Erfahrene. Die abgebildete, vermittelte Realität ist realer als das direkt Erlebte; die Kopie, der Abklatsch ist echter als das Original. Das Ganze ist dazu selbstreferentiell – etwa so: »Wieso tutest du denn dauernd in dieses Horn?« »So verscheuche ich die Tiger!« »Aber hier gibt es doch gar keine Tiger!« »Siehst du, es funktioniert!« Dieser kleine Gaga-Dialog, den ich heute las, bringt es gut auf den Punkt. Traurig nur, dass er von der Struktur her unser kollektives Bewusstsein auf den Punkt bringt. Was zählt, ist das, was wir als Realität sehen wollen. Das war schon eh eine starke menschliche Neigung, doch jetzt gibt es keinen äußeren Bezugspunkt mehr: Wir wollen es so. Wer rettet uns vor unserem eigenen Wahnsinn?

Vor Corona gab es im »Spiegel« eine Jux-Kolumne, wo damit gespielt wurde, Ereignisse miteinander zu verknüpfen, die nun absolut nichts miteinander zu tun haben – etwa in der Art »Wie das Umfallen von Hitlers Regenschirm das Anspülen einer Flaschenpost in der Bretagne bewirkte – in sieben Schritten«. Heute sind wir auf dem besten Weg, solcherart Gaga-Vermengungen in der politischen »Diskussion« einzusetzen.. Da werden Dinge miteinander in Verbindung gebracht, die allen, die auch nur ein wenig informiert sind sofort ein lautes »Hä?« entlocken würden – so ging es zumindest mir: Was hat denn »Pegida« bzw. Ausländerfeindlichkeit mit den Protesten wegen der Außerkraftsetzung unserer elementarsten Grundrechte zu tun? Und dies ist nicht als Satire gemeint. Die letzten Hemmungen fallen, wenn es darum geht, den Gegner zu diffamieren und zu verhöhnen. Und dass der offene Affront eines Herrn Drosten gegen alle Kollegen, die nicht seiner Meinung sind (s.o.) nicht nur den Diskurs als Solchen, sondern auch unser gesamtes bisheriges Verständnis von Wissenschaft mit Füßen tritt wird hingenommen, ja sogar begrüßt. Die Realität hat nichts mehr zu bedeuten: »Was Realität ist, bestimme ich.« Damit schließt sich der Kreis – etwa so hatte ich ganz oben angefangen …

Samstag, Demo-Tag (23.5.20). War heute in der Innenstadt. Am Rosa-Luxemburg-Platz waren nur ein paar Antifa-Leute, die eine kleine PA mit Generator aufgebaut hatten. Sonst fast normaler Straßenverkehr. Keine Absperrungen mehr. Über, neben und hinter den Leuten auf der Treppe vor der Volksbühne große Spruchbänder mit Parolen, gegen Faschismus und Antisemitismus zum Beispiel. Alle trugen Atemmasken. Dazu brüllten linke Rap- und Agit-Songs aus den Boxen. Auf einem zentralen Banner in der Mitte distanzierte man sich von VerschwörungstheoretikerInnen. Sorry, aber mir kommt gerade: Die neue SA? Würde ich befürchten müssen angegriffen zu werden, wenn sie mich als »Rechten« einschätzten? Ich denke ja.

Eine andere Ausgabe einer Kundgebung in ähnlicher Machart gab es am Neptunbrunnen hinter dem Alex. Ein kleiner Miet-LKW mit einem Soundsystem, darauf eine schwarz gekleidete DJane mit Gesichtsbemalung wie in diesen SF-Fernsehserien über eine Welt ohne Erwachsene vor vielen Jahren. Sie trägt eine schwarze Atemmaske und Sonnenbrille. Ihr Gesicht ist somit praktisch unkenntlich, bis auf die Linien und Zeichen auf ihrer Stirn. Banner am Wagen weisen sie als Angehörige der linken Clubszene aus, mit Verweisen auf die Flüchtlinge. Sie bewegt sich dort oben am DJ-Pult zu krachender, puckernder Technomusik. Unten um den Wagen herum ein paar Leute, die in einem ähnlichen Outfit herumlaufen, auch sie alle mit Masken und oft mit Sonnenbrillen. Etwas entfernt stehen ein paar Polizisten herum und beobachten eher gelangweilt das Geschehen.

Ich gehe vielleicht sechzig Meter weiter. Dort feiert sich eine bunte Truppe. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes bunt: Viele schrille Outfits, viele Tattoos. Die Musik ist Dancefloor, nicht ganz so hart und hämmernd wie der Techno, der mal lauter, mal leiser herüberschallt. Sie haben nur ein kleines portables Soundsystem auf Rollen dabei. Manche finde ich recht originell zurechtgemacht, wie einen Mann, der eine Pferdemaske aufhat und ein Schild mit »Pferdegrippe« vor sich herträgt. Doch ich habe keinen Impuls mitzutanzen. Da ist keine Resonanz, kein Echo in mir. Es ist für mich eine Gruppe »besonderer« Menschen, zu denen ich keinen wirklichen emotionalen Bezug herstellen kann. Auch hier verunsichert-amüsiert-gelangweilte Polizei drumherum. Und ein Fernsehteam von »Spiegel TV«. Ich komme kurz mit einem älteren Mann ins Gespräch, vielleicht ein paar Jahre jünger als ich. Er strahlt die Wichtigkeit und das Wissen eines Professors aus. Ich erkenne allerdings erst nach zwei, drei Sätzen, dass er wohl der Aufnahmeleiter (oder sonstwie der Chef) von den dreien ist, die dort weiter vorne Leute ansprechen und aufnehmen. Da ist etwas bei allen Vieren, das mich frösteln lässt. Ich kann es nicht in Worte fassen. Mir scheint, sie sind gekommen, »um ein paar Irre« zu filmen und zu interviewen. Etwas in der Art, wie der (Aufnahme)Leiter mir antwortet, löst bei mir diese Gefühle aus. Ich sage ihm, dass ich mich nicht wirklich gefühlsmäßig mit den Leuten dort identifizieren könnte, ansonsten wäre ich da dabei. Seine kurz angebundene Antwort erinnere ich nicht mehr im Wortlaut, doch mir schien da ein abweisend-unwirscher Unterton gewesen zu sein. »Für mich gibt es da ein paar unbeantwortete Fragen, und ich bin als der bekannt, der eher dumme Fragen denn kluge Antworten parat hat«, meinte ich noch zu ihm. Er wandte sich ab und ging, und auch ich begab mich ein Bisschen verlegen an den Rand des Geschehens.

Bald darauf saß ich mit einem Cappuccino und einem Stück Kuchen vor mir in einem kleinen Gebäck-Imbiss im Bahnhof Friedrichstraße. Mir gegenüber ein älterer Freund. Ich genoss einen Hauch von Normalität, denn sowohl wir beide als auch die Leute vom Verkauf sahen das mit den Masken nicht so eng. Verrückt, dass ich so was inzwischen als Geschenk empfinde.

Was wir erleben ist ein Generalangriff auf alles, was uns als Menschen ausmacht. Unsere Religion ist »Die Wissenschaft«, unser aller Ideal die Maschine. Wir wollen so werden wie sie – perfekt, überlegen, unbesiegbar. Das Traurige dabei ist, dass das kaum jemand zu begreifen scheint. Fast überall der gleiche Bewusstseinszustand, nur die Einen auf der einen und die Anderen auf der anderen Seite, ziemlich willkürlich. Alle sehen das feindliche »Andere« im Anderen, dabei teilen sie die gleiche grundsätzliche Weltsicht. Am Deutlichsten wird mir das bei den Antifa-Leuten. Es wird am Ende egal sein, ob mir einer von ihnen oder einer von deren »Gegnern« den Schädel einschlägt. Alle sind zu 200 Prozent von sich und ihrer »Wahrheit« überzeugt. Und ich dazwischen, mit meinen dummen Fragen und meiner Ambiguität, meiner Neugierde und meinem Nichtwissen. Denn auch innerhalb der winzigen, dünnen Opposition bröckelt es. Mir scheint, dass die Neigung immer stärker wird, offene Fragen und Unbegreifliches mit irgendwelchen Konzepten zu überbrücken und aufzufüllen, bis hin dazu zu glauben, dass das offizielle Narrativ wohl im Wesentlichen stimmen müsse, weil dies oder jenes ansonsten unverständlich und unerklärlich ist. Unsicherheit und Nichtwissen ist für die meisten offenbar sehr schwer auszuhalten. Da muss irgendwas her, sonst … könnte womöglich ihr gesamtes Selbstkonzept ins Wanken geraten. 

25.5.20 – Es zeichnet sich ab, dass es von Seiten der Regierung keinerlei Ambitionen gibt, die »Maßnahmen« zu beenden. Ich stelle mich darauf ein, dass sie uns bis auf Weiteres begleiten werden, wahrscheinlich auch nächstes Jahr noch und darüber hinaus – siehe oben. Es wird ein paar Erleichterungen geben, ja. Das war’s aber auch schon. Die Atmosphäre eines Daueralarms wird aber aufrechterhalten. Und es wird wohl bis auf absehbare Zeit auch keinerlei Clubaktivitäten geben. Dazu bin ich weder bereit, bei Treffen Abstandsregeln einzuhalten, noch Masken zu benutzen oder maximale TeilnehmerInnenzahlen zum akzeptieren: Für mich ist Normalität das, was unser elementares Leben bis Mitte März ausmachte. Alles Andere ist Augenwischerei und (Selbst)Betrug. Doch bei einer generellen Akzeptanz von ca. 85 Prozent in der Bevölkerung für diesen Wahnsinn mache ich mir wenig Illusionen. Auch dass Bodo Ramelow, der in Kürze in Thüringen alle Beschränkungen aufzuheben gedenkt, von allen Seiten unter Beschuss gerät ist ein beredtes Zeichen. Ich hoffe, er bleibt standhaft. Er hat es in der Hand, das Ruder zumindest ein Stück herumzureißen. Falls er dabei bleibt, ist er für mich ein moderner Held – und ein Hoffnungsschimmer, dass die Dinge mit Glück gerade noch die Kurve kriegen, bevor wir endgültig in die Diktatur abrutschen.

Es laufen auch seltsame Dinge. Der SWR ist zum Beispiel zu feige, einfach kritische Sendungen von vor einigen Jahren einfach zu löschen. Es wäre aber ehrlicher als nun so was wie »Gegendarstellungen« zu bringen. So gab es damals Sendungen, die die Aktivitäten der Bill und Melinda Gates-Stiftung durchaus kritisch beleuchteten. Heute gibt es dazu eine »Richtigstellung«, denn das vor einigen Jahren Veröffentlichte ist heute ein »Verschwörungsmythos«. Ich kann nur hoffen, dass bei denjenigen, die das abrufen, noch Reste einer Bereitschaft nachzudenken vorhanden sind, und dass bei den meisten diese Vorgehensweise des »Newspeak« á la »1984« verwundertes Kopfschütteln hervorbringen wird. Apropos Bill Gates: Der ist ja nun oft zu sehen und breitet wie ein strahlender Plastikengel seine Arme über die Welt aus, um seine Heilsbotschaft von den Impfungen und der totalen Kontrolle per Impfausweis und Tracking-Apps zu verkünden. »We are leaving, you don’t need us«, höre ich gerade von einer uralten LP von Anfang der siebziger Jahre – einer Zeit, als wir zumindest noch eine Fußspitze auf dem Boden hatten. Damals gab es den spöttischen Begriff »Plastic People«. Das kommt mir wieder, wenn ich Herrn Gates, den charismatischen Frontmann einer großen Gruppe von sehr zielstrebigen und skrupellosen Lobbyisten der Industrie sowie von Großkonzernen und Regierungen irgendwo im Video sehe. Doch viele verehren ihn. Hat das damit zu tun, dass die Mehrheit heute selbst Plastic People sind? Ich fürchte ja, und ich weiß, dass das, was ich als Realität wahrnehme, inzwischen von der großen Mehrheit als »ungültig« und irrelevant betrachtet wird. Und diese Mehrheit wächst weiter. Es ist wie eine geistige Seuche, die nach und nach fast alle erfassen wird. Denn du musst dich bewusst dagegen wehren. Dafür braucht es zumindest eine Ahnung dessen, was da vor sich geht. Falls du die nicht hast, hast du nicht mal den Hauch einer Chance.

Das Drama bei alldem ist, dass es jetzt noch mindestens eine weitere Ebene gibt, die man zwischen die Menschen und sich selbst geschoben hat – von den meisten unbemerkt und unbegriffen und sogar erwünscht. Die weitaus meisten sind zu wichtig, um wach zu sein. Das Gefängnis ist jetzt fast perfekt, ein Entrinnen beinahe unmöglich: Ein weiteres falsches Leben im falschen, das zudem auch noch als sicherheitsrelevant betrachtet wird. Die Kranken und Gefährlichen sind die, die das Gefängnis sehen und raus wollen. Denn Distanz voneinander und die Befolgung der weiteren auf Trennung und Zersplitterung angelegten Regeln ist das neue Sozial und Verantwortungsbewusst. Wer sich heute immer noch mehr als unbedingt unvermeidlich körperlich nahe kommt, ist ein Gefährder, ja ein Verräter an der Sicherheit der Volksgemeinschaft. Und muss im Namen der Sicherheit und Gesundheit Aller diszipliniert und wenn nötig ausgemerzt werden. Perfider geht es kaum.

Da bahnt sich eine Dystopie an, die die überwältigende Mehrheit als »alternativlos« sieht, schon jetzt. Und je schlimmer es wird, je kränker wir nach und nach alle körperlich und seelisch werden, desto mehr ist das der Beweis, dass das absolut richtig ist. Denn wir bekommen die Heilung ja noch verkauft, in Form von Medikamenten und Impfungen. Natürlich müssen wir die bezahlen. Der Weltuntergang (bzw. der Tod alles Menschlichen) als kollektives Ziel, um Krankheit und Tod zu entkommen … Das ist schierer Wahnsinn. So was funktioniert nur, weil wir (fast) alle im Grunde bereits tot sind, eine Art Zombies, die sich supergut fühlen, aber eigentlich längst organische Maschinen geworden sind. Und das finden wir cool! Jetzt gehen wir die letzten Schritte zu unserer endgültigen Auslöschung als menschliche Wesen. Nun ist nur die Frage, was schneller geht: Der Tod, den wir unserer lebendigen Mitwelt gebracht haben und immer noch bringen, und der auch uns früher oder später erreichen wird – oder das, was bei uns sozial passiert, also unser sozialer Tod. Ja, wir sind gnadenlos optimistisch, dass uns noch eine geniale großtechnische Lösung einfällt. Doch ich bin da skeptisch – wir haben das Zeug, es auf wirklich jeder Ebene zu schaffen: Da der Respekt vor dem Leben uns schon seit geraumer Zeit abhanden gekommen ist, sind wir dabei, alles, aber auch wirklich alles kaputtzumachen. Irgendwas wird uns, diese Spezies, wohl überleben. Denn perfekt sind wir nicht, auch wenn wir das wie verrückt anstreben. Aber sehr, sehr gut.

28.5.20 – Ich zitiere noch mal Erich Kästner: »Seien wir ehrlich – Leben ist immer lebensgefährlich!« Es wäre unendlich hilfreich, das anzunehmen und mit Humor zu akzeptieren. Wäre. Gerade heute ist es jedoch so, dass etwas nicht unter Kontrolle zu haben auch bedeutet, als unfähig und inkompetent angesehen zu werden, ja sogar als asozial und gefährlich. So jemand ist aus heutiger Sicht kein(e) ernst zu nehmende/r Mitbürger/in, ja im Grunde gar kein Mensch mehr. Die Wahrnehmung der Welt hat sich also komplett umgedreht: Früher setzte uns das Leben Grenzen. Heute setzen wir dem Leben Grenzen. Ich könnte es auch so sagen: Wer heute kein Star ist, zählt nicht mehr als Mensch. Okay, lässt sich so machen. Ich darf aber die ketzerische Frage stellen: Wie lange wird das gut gehen?

Mir kam mal der Satz »Ich würde mich wegwerfen für einen Blick in Dein Gesicht.« Einen Blick in Dein wirkliches Gesicht. Ich hatte schon das Gefühl, ich würde ein Phantom jagen, doch heute Mittag bekam ich, was selten geworden ist, wieder mal ein kleines, aber wunderschönes immaterielles Geschenk dieser Art. Vielen, vielen Dank! Denn heute sehe ich bei einer Begegnung so gut wie ausschließlich die Maske, die du dir zugelegt hast – und die bei den weitaus meisten Leuten perfekt sitzt. Und dazu haben wir jetzt ja noch eine Steigerung: Diese Gesichtsmasken: Über der Charaktermaske tragen wir jetzt auch noch eine physische Maske. Heute gibt es das (unausgesprochene) Dogma, dass nichts sichtbar sein darf, das nicht von »mir« autorisiert ist. »Du kannst alles sein, was du sein willst!«, säuselt und schreit die Werbung, und inzwischen wird auch sehr verkaufsfördernd auf einen Zusammenhang zwischen »Schönheit des Äußeren« und »Schönheit der Seele« hingewiesen: »Auch innere Schönheit kannst du kaufen – wenn Alles stimmt!« In manchen Gegenden der Stadt ist inzwischen gefühlt jeder dritte Laden irgendetwas, das »Schönheit« anbietet, vom Friseur über Wimpern- und Nagelstudios bis hin zu Kosmetiksalons. Ja, vor Allem die Frauen sehen mehrheitlich immer besser aus. Es ist heute schon selbstverständlich, sich die Wimpern »machen« zu lassen. Mir fallen inzwischen (jüngere) Frauen auf, die sie nicht haben machen lassen. Sie sind die Ausnahme. Ich finde das erschreckend, doch damit stehe ich ziemlich allein.

Ich schließe das nur aus Indizien, kann es derzeit nicht belegen: Irgendwer aus dem Bereich »Social Engineering« hat Forschungen dazu gemacht, die aber außer für ein winziges, interessiertes Fachpublikum, also Peers wie zum Beispiel die Werbebranche, weder veröffentlicht wurden noch darüber hinaus jemanden interessiert hätten. Immerhin – das Thema »extremer Narzissmus« schaffte es ja, hier und dort in den Maintream-Medien thematisiert zu werden. Es gab aber außerhalb etwa von Kreisen interessierter SoziologInnen und PsychologInnen praktisch keinerlei öffentliche Diskussionen darüber. Dabei hätte dies ein Moment der Selbstreflexion sein können. Doch so was ist nicht erwünscht – von niemandem. Aber zurück zu dem, auf was ich hinaus wollte. Ich habe mich hier ja schon dazu geäußert, dass »etwas in der Luft lag« – was, konnte ich nicht sagen. Doch jetzt würde ich sagen »die Zeit war reif für etwas«. Irgendwo, vermutlich in darauf spezialisierten, halboffiziellen Thinktanks, wurde das wohl auch registriert. Sonst hätte man das ganze Ding mit dem Putsch schon früher gemacht. Nach mehreren gescheiterten Versuchen (zuletzt mit der Schweinegrippe 2008) war den befassten Interessengruppen wohl klar, dass es bessere Vorbereitungen brauchte (z.B. genug der »richtigen« Leute an den »richtigen« Stellen sowie geänderte Gesetze und staatliche Strukturen), vor Allem jedoch passende psychische und mentale Bedingungen bei der Allgemeinheit. Dies wären die Voraussetzungen dafür, dass die losgetretene Lawine nicht wieder von kritischen, wachen und besonnenen Leuten gestoppt werden konnte, bevor deren Eigendynamik alles überrollte. Jetzt war die Zeit reif, die Vorbereitungen waren abgeschlossen und die allgemeinen Bedingungen klar konsolidiert. Und die Chance wurde ergriffen, diesmal wohl mit Erfolg. Bislang sieht es zumindest ganz danach aus. Herzlichen Glückwunsch!

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