Freitag, 18. April 2014

Einwurf eines Unwissenden

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Einwurf eines Unwissenden

Alle wissen, wo’s lang geht. Dass Kinder niemals ohne Helm Fahrrad fahren dürfen, am besten auch nicht ohne außerhalb der Wohnung herumlaufen. Schon in naher Zukunft wird es als strafbare Befürwortung von Gewalt gegen Kinder gelten, wenn ich mich freue, mal ein Kind ohne zu sehen.

Man geht heute nicht mehr ungestylt auf die Straße. Am Tag trägt man eine Sonnenbrille. Schon bald wird als eine Zumutung für seine Mitmenschen gelten, wer keine Ohrstöpsel oder Kopfhörer trägt. Und irgendeiner Kategorie, irgendeinem Vorbild muss man entsprechen, anders geht gar nicht. Am besten einem, das als cool, als wirklich »besonders« gilt. Heute gehört es sich, dass man es »richtig« macht – oder gefälligst die Finger davon lässt. Die entsprechenden Maßstäbe setzen schon seit Längerem die Aphatiere der Unterhaltungs- und Bekleidungsindustrie. Menschliches Maß? Ih, bewahre! Das ist das Letzte. Damit will ich nichts zu tun haben.

Neulich sprach mich ein zum »perfekten« Radfahrer durchgestylter Mann, etwa Mitte dreißig, vor dem Supermarkt an. Teures Sportrad. Radfahr-Leggings und -Weste. Natürlich Helm. Was das denn sei, einfach so einen Kasten Mineralwasser auf dem Gepäckträger …? Dazu nähme man doch einen Fahrradanhänger, wenn man denn schon so was …! Sprachs und radelte dynamisch-kraftvoll auf seinem Power-Bike davon. Improvisation oder halbe Sachen? Etwas »einfach so« tun? Ohne dran zu denken, »wie das aussieht«? Wo kämen wir da hin?

Jeder weiß. Jeder hat. Jeder ist wer. Vielleicht zeigt sich rückblickend mal über unsere Zeit, dass sie daran krankte, dass so wenige die richtigen Fragen stellten. Überhaupt Fragen stellten. Nein, geschichtliche Ereignisse wiederholen sich nicht. Strukturen aber wohl.

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